“Das größte Potenzial bei mobilen Anwendungen liegt immer noch beim Außendienst”

Feature | 10. Februar 2003 von admin 0

Claudius Schikora

Claudius Schikora

M-Business bietet den Mehrwert, auf elektronisch abgelegte Informationen jederzeit und überall zugreifen zu können. In einem Vortrag nannten sie sogar Schmuck, Brillen und Walkmans als potenzielle Übertragungsinstrumente. Ist diese Behauptung nicht zu gewagt?

Schikora: In jedes dieser Objekte lassen sich GSM- oder GPS-Chips integrieren beziehungsweise sie sind bereits integriert. So finden GPS-Chips beispielsweise in Walkmans oder Teddybären Anwendung, um die Besitzer in Notfällen orten zu können. Denkbar ist beispielsweise, sich diesen Sachverhalt bei Kindesentführungen zu nutze zu machen, obwohl bezüglich des Datenschutzes noch einige Barrieren bestehen. Auch die Transponder-Technologie ermöglicht neue Ansätze; beispielsweise webt einer der bekanntesten deutschen Herrenmodehersteller kleine RFID-Transponder in seine Produkte ein, um sich gegen Produktkopien aus Fernost zu schützen. Auf diesem Transponder befinden sich alle Informationen, die die “Orginalität” und die “Echtheit” der Ware belegen.

Welche Branchen nutzen bisher die M-Business-Dienstleistungen von SBS?

Schikora: M-Commerce wird im Moment vor allem in Italien in Zusammenarbeit mit einem großen Telekommunikations-Unternehmen vertrieben. M-Travel wiederum findet beispielsweise in verschiedenen Geschäftsbereichen bei Siemens Verwendung; darüber hinaus stehen wir in Verhandlung mit einem großen Automobilhersteller. Bei M-Brokerage und M-Banking ist die Zielgruppe klar – verschiedene große Geschäftsbanken in Deutschland und Europa greifen bereits auf diesen Service zu. Der Mobile Field Service (Außendienst & Service) wird intern von der Siemens Medical und extern vor allem von diversen Industrieunternehmen genutzt – dazu zählen Serviceanbieter für Aufzüge, Geldautomaten und EDV-Dienstleistungen. Bei Mobile Sales Force sind derzeit die Banken und Versicherungen führend. Alles in allem lässt sich aber sagen, dass die Branchenstreuung recht groß ist.

Wo sehen Sie das größte Potenzial?

Schikora: Kurz- und mittelfristig ist das größte Potenzial im Bereich Mobile Field Service zu sehen, da hier ein sehr schneller und messbarer Return on Invest (ROI) möglich ist und in der jetzigen wirtschaftlichen Lage das Thema ROI, das alles beherrschende Argument ist. Langfristig sehe ich das größte Potenzial beim Thema Mobile Office. Damit meine ich den virtuellen Schreibtisch, mit dem Mitarbeiter – seien sie im Außendienst oder nicht – über alle möglichen Kanäle Informationen in das Backend-System eines Unternehmens übertragen können.

Ist eine mobile Abwicklung von Geschäften und die Verwaltung von Kundendaten auch für den öffentlichen Sektor denkbar – analog etwa zum E-Government?

Schikora: Absolut. SBS hat gerade in Italien zusammen mit der italienischen Polizei ein Mobile-Business-Projekt laufen – Mobile Police.

In welchen Phasen entwickelt sich M-Business und was für Entwicklungen stehen demnächst an?

Schikora: Wir befinden uns zur Zeit in der Phase “B2E”. In dieser Phase verbessern die Unternehmen anhand mobiler Anwendungen Prozesse, die sie bereits mit E-Business optimiert haben, weiter. Die nächste Phase ist M2M, wobei hier die “Maschinen”, also Computer untereinander kommunizieren. Hier ist das beste Beispiel das Thema Telematics – wenn beispielsweise der Bordcomputer in Autos künftig sowohl mit externen Telematik-Systemen an den Straßen als auch mit den Computern der Automobilhersteller oder Händler kommuniziert.

Können Sie zur Veranschaulichung der Entwicklung einige Zahlen zu Umsätzen, die mit M-Business erzielt werden, den Anwendern und den möglichen Steigerungsraten nennen?

Schikora: Wir erwarten bis zum Jahr 2004 durch M-Business ein Kosteneinsparungspotenzial von weltweit rund 230 Milliarden US-Dollar. Diesem Potenzial stehen Investitionen von etwa 150 Milliarden US-Dollar entgegen. Das ergibt ein Sparpotenzial von rund 80 Milliarden US-Dollar. Nicht eingerechnet sind die so genannten “intangible benefits”, die sich nicht so leicht in barer Münze ausdrücken lassen. Das Projekt mit der italienischen Polizei hat übrigens ein Volumen von etwa 70 Millionen Euro.

Wie wird sich Ihrer Ansicht nach der zu erwartende UMTS-Boom auf Mobile Business auswirken? Werden die zukünftigen UMTS-Nutzer die neue Technologie für M-Business nutzen?

Schikora: UMTS wird mobilen Anwendungen sicherlich neuen Schub geben, aber ebenso sicher wird es sich dabei nicht um einen wahren Boom handeln.

Ist M-Business der Innovationsmotor 2003 oder doch eher noch Zukunftsmusik?

Schikora: Für das 2. Halbjahr 2003 könnte M-Business in gewisser Weise ein Innovationsmotor sein. Da es sich beim M-Business aber nicht um die heißersehnte “Killerapplikation” handelt, wird eher ein kontinuierlicher Anstieg der Verkaufszahlen zu beobachten sein.

SAP hat unlängst sein neuestes Technologieprodukt auf den Markt gebracht, die SAP Mobile Engine, eine auf offenen Standards basierende Software-Plattform für Mobile Business-Anwendungen. Diese Plattform ist ein wesentlicher ”Motor” von mySAP Mobile Business – der Gesamtlösung von SAP im Bereich Mobile Business. Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten dieses ”Motors” ein?

Schikora: Meiner Ansicht nach sind die Chancen der SAP Mobile Engine sehr gut, denn es handelt sich um eines der ausgereiftesten Produkte auf dem Markt

Weltweit unterhalten SAP und Siemens Business Services eine Dienstleistungs-Partnerschaft. Welche neuen Chancen sehen Sie für diese Partnerschaft in Zeiten von M-Business?

Schikora: M-Business ist mehr eine Verlängerung der bereits existierenden Prozesse und Anwendungen zum “mobilen” Mitarbeiter als eine gänzlich neue Perspektive.

Was ist Ihr persönliches Motto?

Schikora: Leben und leben lassen, denn unser Leben ist wunderschön.

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