Das iPhone bekommt Räder

29. Januar 2013 von Andreas Schmitz 0

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Während Rupert Stadler redet, läuft hinter ihm automatisch der eine oder andere Film ab, der die Worte des Vorstandschefs von Autohersteller Audi aus Ingolstadt unterstreicht. Ein Wagen, der Signale von der nächsten Ampel schon bekommt, bevor der Fahrer die Kreuzung überhaupt sieht. Ein Display im Armaturenbrett, das ihm anzeigt, wie schnell er fahren sollte, um nicht vor der nächsten Ampel halten zu müssen. „Das spart Sprit und schont die Umwelt“, erläutert Audi-Manager Stadler, noch bevor der Film im Hintergrund zu Ende ist und der Audi mit grüner Welle durch die Stadt rauscht.

Das eigentliche Geschäft funktioniert einfach nicht mehr ohne Netze, mobile Geräte und Applikationen. „Nur ein Auto verkauft sich nicht mehr“, behauptet Stadler auf dem Kongress “Strategisches IT-Management” in München. Es muss mehr leisten, weshalb nicht nur das Grüne-Welle-Projekt „Travelution“ auf die Straße gebracht wurde, sondern ganz digital-native-gerecht der letzte A1 im Internet Weltpremiere feierte und nicht auf einer der großen Automobilausstellungen. Zudem lässt sich inzwischen vor Schaufenstern im Laden der Zukunft Audi City das Wunschauto zusammenstellen und ausprobieren, wie es wirkt, in Originalgröße.

Die „Mobilitätsplattform“ der Zukunft

Michael Gorriz, seit viereinhalb Jahren IT-Chef von Mercedes, steht Audi nicht nach. In seinem Vortrag wimmelt es von Projekten, die vor allem eins dokumentieren: Nicht nur das Gefährt ist mobil, auch die Kommunikationstechnologie. Beispiel mbrace: Per App lassen sich die Türen öffnen und schließen und die Sitze schon vorheizen. „Digital Drivestyle“ für die A-Klasse macht Smartphone-Apps nutzbar, ohne dass der Fahrer vom Verkehr abgelenkt wird, passt sie gewissermaßen den Verhältnissen im Auto an. Und „moovel“ nennt Gorriz die „Mobilitätsplattform“ der Zukunft, die sich aktuell in Stuttgart und Berlin im Test befindet.

Auf der nächsten Seite: Oliver Bussmann und die neuen Chancen für CIOs

Dabei war die IT einmal eine Disziplin, die sich mit IT-Architekturen, mit ERP, SCM, CRM und all diesen Kürzeln befasst hat und dafür gescheite Prozesse aufgesetzt hat. „Jetzt“, sagt Oliver Bussmann, CIO von SAP,  „muss die IT umdenken.“ Der Grund: Die vier Trendthemen Social Media, Cloud, Real-time und Consumerization of IT, schafft, so Bussmann, „ein völlig neues Nutzerverhalten. Geschäftsprozesse ändern sich fundamental.“ Der Gewinner aus diesem Wandel: der CIO, der sich wieder als Prozessgestalter im Unternehmen etablieren könne. Natürlich sind die Brot- und Butterthemen nicht vom Tisch, doch gibt es heute kaum noch eine CRM- oder Sales-Anwendung, für die nicht gleich auch die passende App mitgeliefert wird.

Das iPhone auf Rädern, das Mercedes-Manager Gorriz zum Schluss seiner Präsentation an die Wand beamt, hat etwas Visionäres und Beängstigendes zugleich. Denn es zeigt stellvertretend auch für andere Branchen: „Mobile“ ist schneller als man gucken kann ein Teil des Geschäftsmodells, das ernstzunehmende Absatzchancen bietet, die man wahrnehmen sollte. Audi-Chef Stadler hat nicht zuletzt aus diesem Grunde inzwischen ein eigenes Rechenzentrum in Ingolstadt bauen lassen, dessen 6000 Server vor allem eines sichern sollen – dass die mobilen Anwendungen zuverlässig und schnell ins Auto gesendet werden.

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