Das Reporting beschleunigen

7. November 2012 von Torben Hügens und Matthias Merz, Camelot ITLab 0

Grafik: grasundsterne GmbH

Die In-Memory-Technologie SAP HANA bezeichnet eine auf Höchstleistung ausgerichtete Datenbanktechnologie. Deren wesentlichen Kennzeichen sind eine spaltenbasierte Datenhaltung im Hauptspeicher, der Einsatz ausgefeilter Kompressions- und Zugriffsverfahren sowie die Partitionierung von Datenbanktabellen. Der Betrieb von SAP HANA auf einer optimierten Hardwareplattform ermöglicht zudem eine effiziente Parallelisierung von Datenbankanfragen. Gegenüber herkömmlichen Datenbanksystemen lassen sich hierdurch Performancesteigerungen um den Faktor 10 bis 100 erzielen, für ausgewählte Anwendungsfälle ist mitunter eine Steigerung um den Faktor 1.000, 10.000 oder größer möglich. Es gibt aktuell zwei verschiedene SAP-HANA-Ansätze – die Integrated und Side-by-Side-Szenarios.

Zwei HANA-Ansätze dominieren – Integrated- und Side-by-Side-Szenarios

In die erste Kategorie fallen Produkte, die SAP HANA als primäre Datenbank nutzen, wie etwa „SAP Business One Analytics powered by SAP HANA“ oder „SAP NetWeaver BW powered by SAP HANA“. Für das vierte Quartal 2012 sind bereits weitere „powered by SAP HANA“-Lösungen angekündigt, beispielsweise für SAP CRM, SAP ERP und SAP SCM.

Bei den Side-by-Side-Szenarios wird einer existierenden Datenbank eine SAP-HANA-Datenbank zusätzlich „zur Seite“ gestellt. In diese werden Teile der Daten zusätzlich repliziert, um darauf eigene Anwendungen aufzubauen, Echtzeitauswertungen zu ermöglichen („HANA as Data Mart“) oder ausgewählte Prozesse zu beschleunigen („HANA as Accelerator“). Um die Daten aus beiden Szenarien auswerten zu können, stellen wir die wichtigsten Tools der BusinessObjects-BI-Plattform vor und erläutern deren Zusammenspiel mit SAP HANA. Hierzu ist es nötig, die beiden folgenden SAP-HANA-Einsatzszenarien „BW powered by HANA“ und „HANA as Data Mart“ zu unterscheiden.

SAP HANA als primäre Datenbank

Im ersten Einsatzszenario nutzt das Business Warehouse (BW) die SAP-HANA-Appliance als primäre Datenbank. Hierdurch werden für das BW-System sämtliche Daten direkt im Hauptspeicher vorgehalten. Dadurch und aufgrund der spaltenbasierten Datenhaltung ist ein schneller Zugriff auf einzelne Kennzahlen bzw. Spalten möglich. Auch Aggregatfunktionen (Summe, Durchschnitt etc.) mit einer großen Zahl von Datensätzen lassen sich somit schnell ausführen. Speziell für SAP HANA eingeführte InfoProvider, wie etwa SAP-HANA-optimierte DataStore-Objekte (DSOs) und InfoCubes, beschleunigen die Lade- und Analysevorgänge im BW weiter, indem komplexe und Performance-intensive Prozesse wie das Aktivieren von DSO-Requests direkt auf die SAP-HANA-Appliance verlagert werden.

SAP HANA als Data-Mart

In diesem Einsatzszenario wird die HANA-Appliance parallel zu einer bestehenden Datenbank aufgesetzt. Unternehmensdaten lassen sich dann beispielsweise aus einem SAP- oder Fremdsystem mit Hilfe des SAP-LT-Replication-Servers (SLT) oder der Business-Objects-Data-Services (BODS) in die SAP-HANA-Datenbank replizieren. Während BODS den Aufbau komplexer ETL-Prozesse (Extract, Transform, Load) zum Extrahieren, Modifizieren und Laden der Daten ermöglicht, gestattet der SLT eine trigger-basierte Replikation aller relevanten Tabellen. Dazu werden beim Ausführen von Insert- oder Update-Operationen im ERP-System Datensätze zeitgleich in die HANA-Datenbank übertragen und stehen somit für das Reporting quasi in Echtzeit zur Verfügung. Der Zugriff auf die Daten der HANA-Appliance erfolgt über Informationsmodelle wie „Attribute-, Analytic- und Calculation-Views“, die über das SAP-HANA-Studio angelegt werden können.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum SAP NetWeaver BW nicht immer nötig ist

Übersicht SAP BusinessObjects Tools

Für beide Szenarien kann die SAP-BusinessObjects-BI-Plattform als zentrale Reporting-Plattform verwendet werden. Über die verschiedenen Tools können nahezu alle Reporting-Anforderungen von Benutzer abgedeckt werden (siehe Tabelle).

Für das „BW powered by HANA“-Szenario ist weiterhin SAP NetWeaver BW die zentrale Datenhaltung, so dass der Zugriff auf Daten über das Querydesigntool BEx Query Designer erfolgt. Alle Client-Tools der SAP-BusinessObjects-BI-Plattform können seit der Version 4.0 SP 4 über die BI Consumer Services (BICS)-Schnittstelle auf BEx Queries zugreifen. Einige Features, wie etwa bestimmte Aggregationen, werden derzeit noch nicht von der BICS-Schnittstelle unterstützt. Um auf die BEx Queries zugreifen zu können, ist eine so genannte OLAP-Verbindung in der Central Management Console (CMC) der SAP-BusinessObjects-BI-Plattform zu erstellen. Anschließend stehen die BEx Queries in allen Client-Tools zur Verfügung. Ausnahmen sind SAP Visual Intelligence und SAP BusinessObjects Explorer. SAP Visual Intelligence kann derzeit nur auf die Datenquellen SAP HANA, relationale Datenbanken (via JDBC), Excel-Dateien und relationale UNX-Universen zugreifen. Der SAP BusinessObjects Explorer kann derzeit noch nicht direkt auf die InfoProvider des BW-Systems zugreifen, sofern SAP HANA als primäre Datenbank verwendet wird.

Nicht unbedingt SAP NetWeaver BW nötig

Beim „HANA-as-Data-Mart“-Szenario ist die SAP-HANA-Appliance die zentrale Datenhaltung, so dass kein SAP NetWeaver Business Warehouse zusätzlich nötig ist. Die Datenhaltung und -modellierung erfolgen somit direkt auf der SAP-HANA-Datenbank. Die Bereitstellung der Daten für die Client-Tools erfolgt hierbei über die oben bereits erwähnten Analytic- und/oder Calculation-Views. Um auf diese Views zugreifen zu können, ist auch hier eine OLAP-Verbindung in der CMC anzulegen (für SAP BusinessObjects Analysis, Edition for Microsoft Office und OLAP, sowie SAP Crystal Reports for Enterprise). Auch hier können anschließend die Client-Tools über die OLAP-Verbindung auf die Daten der SAP-HANA-Appliance zugreifen, wobei je nach Client-Tool unterschiedliche Technologien für den Zugriff auf die Daten verwendet werden. Teilweise ist aber der Umweg über ein relationales Universum (.UNX) notwendig (für SAP BusinessObjects WebIntelligence und Dashboards).

Unabhängig vom gewählten HANA-Szenario steht den Anwendern somit eine große Bandbreite von Tools für das Reporting zur Verfügung. Für das „HANA-as-Data-Mart“-Szenario bietet sich mit SAP Visual Intelligence ein zusätzliches Tool an, welches dem Benutzer die Erstellung von ansprechenden Visualisierungen ermöglicht. Hierbei können auch lokale Berechnungen erzeugt werden, die zusätzliche Einsichten in die Daten ermöglichen. Die Kombination von SAP HANA mit den Reporting-Möglichkeiten der SAP-BusinessObjects-Business-Intelligence-Plattform bietet insgesamt gesehen eine vollständige Abdeckung aller Anforderungen hinsichtlich Reporting-Anforderungen und gleichzeitiger Sicherstellung von performanter Bereitstellung von großen Datenbeständen.

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