Soccer team in a huddle

Data Scientist: Big Data verständlich machen

Feature | 17. Februar 2015 von Andreas Schmitz 0

Momentan ist der Data Scientist vorrangig dafür da, dem Unternehmen Big Data zu erklären. Personalberater und Wissenschaftler über die Herausforderung im Unternehmen, das Einmaleins von Big Data zu verstehen und zu vermitteln.

Ob das Transport- und Logistikunternehmen Deutsche Post, Rückversicherer Munich Re oder der Telekommunikationskonzern Deutsche Telekom: Unter den Ausschreibungen für den Data Scientist auf den Onlineportalen stepstone.de oder monster.de findet sich das Who is Who der Deutschen Wirtschaft. Auch SAP sucht entsprechende Experten, aktuell etwa für ein Predictive-Analytics-Team in Dublin. Kernaufgabe wird es sein, Vorhersage-Modelle und Algorithmen auf Basis von SAP HANA zu entwickeln, Märkte dafür zu identifizieren sowie die Kommunikation mit Kollegen, die keinen technischen Hintergrund haben.

Big-Data-Schulungen: Mitarbeiter „kommunikationsfähig machen“

Tatsächlich fehlt es aktuell oft schon am grundlegenden Verständnis dessen, was Big Data Unternehmen an Mehrwert bringen kann. Michael Mock aus dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS hat vor knapp zwei Jahren ein Schulungsprogramm mit auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, die Möglichkeiten, die Big Data Unternehmen bietet, zu vermitteln. Seine Einschätzung: „Die meisten Teilnehmer nutzen unser Schulungsprogramm, um einerseits grundlegende Kenntnisse zu Einsatzmöglichkeiten und Nutzen von Big Data kennen zu lernen, und andererseits das praktische Know-how zu erwerben, um erste eigene Big-Data-Analysen im Unternehmen umzusetzen.“ Die Teilnehmer werden also von den Unternehmen geschickt, um mehr darüber zu erfahren, wie Big Data wirklich „funktioniert“. In regelmäßigen Abständen werden die facettenreichen Schulungsmodule angeboten. Themen sind etwa die strategische Bedeutung der Datenanalyse, die dafür nötige Architektur sowie das Vorgehen bei großen Datenmengen (Big Data).

"Kommunikationsfähig machen in Sachen Big Data“, Michael Mock, Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

“Kommunikationsfähig machen in Sachen Big Data“, benennt Michael Mock, Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, das Ziel des Schulungsprogramms.

Eine Innovationspotenzialanalyse über Big Data des Fraunhofer-Instituts IAIS im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hatte bereits Ende 2012 ergeben, dass zwar über 80 Prozent der Befragten eine wachsende Relevanz im Thema Big Data sahen, „sich aber Unterstützung bei der Einführung und Umsetzung von Big Data in ihrem Unternehmen wünschten“, wie Mock bemerkt. Personalisierte Produktempfehlungen, Absatzprognosen für die Planung und Steuerung, Markt-Monitoring für Verkaufschancen, vorausschauende Instandhaltung sowie die Betrugserkennung in der Finanzbranche sind einige der praktischen Szenarien, die Unternehmen der Studie nach konkret mit Big Data verbinden. „Die Ergebnisse haben wir als Anlass genommen, im Sinne des Technologietransfers unser Schulungsangebot aufzubauen“, so Fraunhofer-Wissenschaftler Mock. Entsprechend sind es nach Erfahrung von Mock sowohl Analysten und IT-ler als auch Business Developer, die sich schulen lassen. „Kommunikationsfähig machen in Sachen Big Data“, ist ein wichtiges Ziel des Schulungsprogramms. Inzwischen steht das Thema sogar EU-weit auf der Agenda und die Fraunhofer-Wissenschaftler entwickeln gemeinsam mit acht weiteren Forschungsinstitutionen und Universitäten ein europaweites Data-Science-Curriculum.

Big Data in der Personalvermittlung: Seit 2010 ein massives Thema

Tatsächlich umfasst der Aufgabenbereich eines Data Scientist mit der klassischen Datenanalyse, dem dafür nötigen technologischen Wissen auch die Kreativität in der Umsetzung und Analyse von Geschäftsmodellen. Dieser Mix aus technischem Wissen und dem Gespür für den geschäftlichen Nutzen hebt den Data Scientist aus der Menge der IT-Spezialisten heraus. Nach Ansicht des Gartner-Analysten Alexander Linden müssen sie in der Lage sein, „auf Basis von mathematischen Modellen den geschäftlichen Nutzen zu identifizieren. Das ist nur dann möglich, wenn er sich über alle Fachteilungen hinweg vernetzt und deren Ziele versteht, deren Daten und Prozesse kennt und die daraus resultierenden Analyse-Möglichkeiten.”

Die Herausforderung für die Personaler in den Unternehmen oder auch Personalberatungsunternehmen ist es, Talente zu finden, die laut Gartner tiefe technische Kenntnisse mitbringen sollten, wie etwa über die Datenintegration und -aufbereitung, die Architektur von Computer- und Datenbankumgebungen, das Data Mining sowie die Fähigkeit, intelligente Algorithmen entwickeln zu können. Das jedoch reicht nicht aus, bestätigt Markus Krahforst. Seit sieben Jahren arbeitet der Senior Consultant beim Personalberater Kienbaum Executive Consultants in der Best Practice Group Technology und besetzt hier Fach- und Führungskräftepositionen für die Bereiche IT und Telekommunikation. „Seit 2010“, so Krahforst, „ist Big Data für uns ein massives Thema.”

Zehn Positionen hat Krahforst in der letzten Zeit besetzt, vom Gehalt her alle zwischen 80.000 und 150.000 Euro. Viel gesucht von den Unternehmen sind aktuell Marketing- und Vertriebsverantwortliche, also Verantwortliche für Business-Themen, weniger reine Technikexperten. Dabei müssen sie später gar nicht Data Scientist auf ihrer Visitenkarte stehen haben. Andere Big-Data-Kenner sind als Data Visualist, Senior Consultant, Principal oder Managing Director im Unternehmen unterwegs. Wichtig ist: Das tiefe Verständnis für die Business-Relevanz des Themas ist da. Idealerweise haben die Kandidaten dennoch nicht nur eine akademische Ausbildung, sondern eine einschlägige Erfahrung aus dem Bereich der Naturwissenschaften, etwa Mathematik, Physik oder Informationstechnik und schon als Data Scientist gearbeitet. Ein „wissenschaftlicher, strukturierter Ansatz “ zeichnet den Kandidaten aus. Doch auch bei Kienbaum läuft letztlich wieder auf ein entscheidendes Kriterium hinaus: „Ein Data Scientist muss dem Vertriebler vermitteln können, was ein Produkt kann und welche Varianten denkbar sind.”

Erfahren Sie mehr über Big Data bei SAP.

Alles Aktuelle über Big Data im SAP News Center.

Erfahren Sie mehr über Big Data auf der CeBIT beim SAP Fokustag Big Data Analytics.

Tags: , ,

Leave a Reply