Big Data auf dem Vormarsch

27. März 2012 von Heather McIlvaine 0

Kürzlich wurde Big Data auf dem World Economic Forum zum Wirtschaftsgut erklärt. Somit haben gewaltige Datenmengen eine ähnliche Bedeutung wie Währungen oder Gold. Vor weniger als einem Jahr veröffentlichte das McKinsey Global Institute einen mehr als hundertseitigen Bericht über Big Data. Und das US-amerikanische National Bureau of Economic Research bietet im Juli einen Workshop zu diesem Thema an. Damit versteht sich von selbst, dass gigantische Datenmengen von Dauer sind.

Sicher ist, dass Big Data unsere Arbeitswelt verändern wird, falls noch nicht geschehen. Das gilt für Großunternehmen in der verarbeitenden Industrie wie für Non-Profit-Organisationen im Gesundheitswesen. Warum ist das so? Und warum gerade jetzt? Wir erläutern die Faktoren, die zur Entstehung dieser gigantischen Datenmengen führen, die Möglichkeiten einer produktiven Nutzung und die damit einhergehenden Probleme.

Alles relativ

Es gibt genauso viele Definitionen von Big Data wie Artikel über Big Data. Das liegt daran, dass sich die Größenparameter von Big Data ständig ändern. Was wir heute als gewaltige Datenmenge ansehen, könnte in wenigen Jahren ein recht gut zu bewältigendes Volumen sein, da die technischen Möglichkeiten der Datenspeicherung zunehmen.

Deshalb stellt das McKinsey Global Institute Big Data in seinem Bericht absichtlich in Relation zur Größe: Big Data bezeichnet ein Datenvolumen, dessen Erfassung, Speicherung, Verwaltung und Analyse von herkömmlicher Datenbanksoftware nicht bewältigt werden kann. Diese Definition ist subjektiv und gibt absichtlich keine Mindestdatenmengen in Terabyte an, denn mit dem technologischen Fortschritt wird auch die Größe der Datenmenge zunehmen, die als Big Data angesehen wird. McKinsey stellt außerdem fest, dass diese Definition nach Sektor variieren kann. Das ist von den Softwaretools und Datenmengen abhängig, die in einer bestimmten Branche üblich sind.

Wie lässt sich demnach diese doch abstrakte Definition auf den aktuellen Datenstatus in der Welt anwenden? Laut Marktforschungsunternehmen IDC hat 2007 das Volumen der in einem Jahr erzeugten digitalen Daten zum ersten Mal die weltweit vorhandene Datenspeicherkapazität überschritten. Das war sozusagen global gesehen die Geburtsstunde von Big Data. In der Studie stellte IDC fest, dass die Datenmenge schneller wächst als die Kapazität von Datenspeichern – jährlich um 50 Prozent oder alle zwei Jahre um mehr als das Doppelte. Kurzum: Die riesigen Datenmengen werden immer größer. Wir haben uns angeschaut, woher diese Daten kommen.

Auswertung ist entscheidend

Big Data sind ein Phänomen, zu dem Unternehmen, Regierungsbehörden, Einzelpersonen und selbst Maschinen beitragen. Unternehmen halten gewaltige Mengen an Bewegungsdaten vor, mit denen sie Informationen über ihre Kunden, Lieferanten und Betriebe sammeln. Dasselbe gilt für den öffentlichen Sektor. Die meisten Staaten verwalten gigantische Informationsmengen. Dazu zählen Volkszählungsdaten, Gesundheitsdaten sowie steuer- und ausgabenbezogene Informationen. Täglich werden mehr als 2,5 Quintillionen Bytes an Daten erzeugt. Daran sind Millionen Menschen beteiligt, die mehrmals täglich über ihr Smartphone Online-Finanztransaktionen ausführen, die sozialen Medien nutzen und ihre Koordinaten per GPS versenden.

Doch dahinter steckt nicht immer der Mensch. Das immense Datenvolumen entsteht zunehmend durch die Kommunikation zwischen Endgeräten, dem sogenannten Internet der Dinge. So erfassen digitale Sensoren auf Schiffen die Bewegung entlang einer Route und senden die Daten an Transportunternehmen; Sensoren in elektrischen Zählern messen in regelmäßigen Abständen den Energieverbrauch und melden die Daten an die Energieversorger zurück. Solche Szenarien finden zunehmend Verbreitung. In den Branchen Transport, Automobil, verarbeitende Industrie, Energieversorgung und Einzelhandel finden sich heute mehr als 30 Millionen solcher vernetzter Sensorknoten. Und die Anzahl steigt um mehr als 30 Prozent jährlich.

Diese Datenmassen sind jedoch belanglos, wenn damit keine neuen Einblicke in das Wirtschaftsleben gewonnen, die Effizienz von Regierungsbehörden gesteigert und die Welt verbessert werden können. Dafür müssen aber zunächst Daten gesammelt und analysiert werden. Neue Entwicklungen im Cloud Computing ermöglichen das Speichern immer größerer Datenmengen zu niedrigeren Kosten. Und Fortschritte wie die Verarbeitung natürlich gesprochener Sprache, Stimmungsanalysen, Mustererkennung und das maschinelle Lernen (wie bei Siri) haben der Analyse unstrukturierter Daten neue Möglichkeiten eröffnet. Diese Faktoren – Erzeugung ständig zunehmender Mengen an digitalen Daten, Innovationen bei der Datenspeicherung und differenziertere Analysetools – machen aus Big Data einen wertvollen und anhaltenden Bestandteil unseres wirtschaftlichen Umfelds.

Big Data im Einsatz

Während der breiten Masse erst jetzt die Bedeutung von Big Data bewusst wird, profitieren einige Unternehmen schon seit geraumer Zeit von den gewaltigen Datenmengen. Amazon ist hierfür ein Paradebeispiel. Seit Jahren hat die Online-Handelsplattform Kundendaten, Einkaufshistorien und sonstige Daten analysiert, um das beängstigend präzise Empfehlungssystem zu füttern. Online-Partneragenturen analysieren unzählige Daten, um unter den Nutzern potenzielle Partner zu finden, und im Sport spielen digitale Daten bei der Zusammenstellung der Teams eine Rolle (siehe Artikel Big Data und die neuen Trends). Studien zeigen, dass Unternehmen, die ihre Entscheidungen auf Daten stützen, Produktivitätssteigerungen erzielen, die um 5 oder 6 Prozent höher liegen als bei anderen Faktoren.

Und im öffentlichen Sektor ermöglicht Big Data, die Bedürfnisse einkommensschwacher Bevölkerungsschichten besser zu identifizieren, entsprechende Dienstleistungen zu erbringen sowie Krisen vorauszusagen und zu verhindern.  Ein neues Programm der Vereinten Nationen nutzt zum Beispiel eine Software, die natürlich gesprochene Sprache verarbeitet, um Arbeitsplatzabbau und Kürzungen in gefährdeten Regionen vorauszusagen. So werden Hilfsprogramme dabei unterstützt, sich auf die bevorstehenden Probleme vorzubereiten. Während in Haiti 2010 und 2011 die Cholera ausbrach, verfolgten Forscher die Wanderung der Menschen aus den betroffenen Zonen in neue Gebiete mit Daten, die durch SIM-Karten erzeugt wurden. Mit diesen Informationen konnten sich Hilfsorganisationen auf neue Ausbrüche vorbereiten.

Der Bericht des McKinsey Global Institute konzentriert sich auf fünf große Bereiche, in denen gewaltige Datenmengen für Unternehmen diverser Branchen und Märkte nützlich sein können. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Schaffen von Transparenz: Wenn der Zugriff auf Big Data für alle betroffenen Parteien erleichtert wird, lassen sich effizientere Prozesse erzielen. Werden zum Beispiel in der verarbeitenden Industrie die Daten aus Forschung und Entwicklung, der Konstruktion und den Betriebsstätten eingebunden, verkürzt sich die Markteinführung der Produkte und steigt die Qualität.
  • Ausführen von Simulationen und Tests: Unternehmen erstellen und speichern Daten zu nahezu jeder Transaktion. Wenn Sie mit diesen Daten die Schwankungen in der Leistungsfähigkeit analysieren, zum Beispiel Produktbestände oder Krankheitstage der Mitarbeiter, können sie Einblicke in die Ursachen des betrieblichen Erfolgs gewinnen.
  • Segmentierung der Kundenbasis: Viele Unternehmen im Marketing und Einzelhandel passen ihre Angebote und Aktionen bereits an bestimmte Kundensegmente an. Mit Big Data lässt sich dieser Prozess weiter differenzieren.
  • Datengestützte Entscheidungen: Wenn Entscheidungen auf riesige Datenmengen gestützt werden – gewaltige Volumen, die von Menschen nicht analysierbar sind – können Unternehmen Risiken mindern und neue Erkenntnisse gewinnen. Die Software für kontinuierliche Analysen von Oversight System ist ein Beispiel der datenbasierten Entscheidungsfindung. Indem alle Transaktionen überwacht und ausgewertet werden, lässt sich betrügerisches und unautorisiertes Verhalten erkennen.
  • Erfindung neuer Geschäftsprozesse: Durch das Zusammenspiel von Big Data und Echtzeitanalysen können Unternehmen vollkommen neue Geschäftsmodelle entwickeln. Beispielsweise können Versicherungsunternehmen anhand der in Echtzeit vorliegenden Standortdaten die Beiträge für Sach- und Unfallversicherungen berechnen. Diese richten sich danach, wo und wie Auto gefahren wird.

Analysten gesucht

Bevor Big Data unser Arbeits- und Alltagsleben tatsächlich verändern kann, müssen noch einige Probleme in Angriff genommen werden. Eines der dringendsten Probleme ist der Mangel an erfahrenen Analysten. Das McKinsey Global Institute schätzt, dass allein in den USA weitere 140.000 bis 190.000 Personen mit umfangreichen Analysekenntnissen und weitere 1,5 Millionen datenkundige Vorgesetzte benötigt werden.

Auch müssen Regierungen gesetzliche Richtlinien für die riesigen Datenmengen entwickeln und umsetzen. Dabei geht es vor allem um Datenschutz und Sicherheit. Personenbezogene Daten in Gesundheitsakten können für den Menschen von großem Nutzen sein. Die Analyse dieser Daten kann personenbezogenere Versicherungen und neue medizinische Behandlungsmethoden hervorbringen. Doch für viele sind diese Informationen hochsensibel. Wie können Unternehmen daran gehindert werden, diese Informationen zu missbrauchen? Es werden eindeutig gesetzliche Vorschriften benötigt, die sowohl die Privatsphäre als auch den Nutzen in Betracht ziehen. Zudem müssen Maßnahmen ergriffen werden, um Sicherheitsverstöße bei sensiblen Kundendaten zu verhindern.

Problematisch sind in diesem Zusammenhang die Themen geistiges Eigentum und Haftung. Wie lässt sich angesichts der Kopiermöglichkeiten und gleichzeitigen Nutzung von Daten entscheiden, wem eine bestimmte Information gehört und welche Rechte damit verknüpft sind? Wer haftet, wenn eine Information fahrlässig oder unbedarft verwendet wird?

Im günstigsten Fall ist Big Data ein leistungsfähiges Werkzeug, mit dem sich Armut, Kriminalität und Umweltverschmutzung bekämpfen lassen. Das Ergebnis können unvorstellbare wirtschaftliche Erkenntnisse, Kosteneinsparungen und neue kundenorientierte Produkte sein. Im schlimmsten Fall können die gewaltigen Datenmengen manipuliert werden, um unfaire und diskriminierende Feststellungen zu stützen, oder private Daten missbräuchlich zu nutzen. Und mit zunehmender Bedeutung von Big Data für Wirtschaft, Politik und Mensch steigt die Notwendigkeit von gesetzlichen Vorschriften und Regelungen.

Weitere Informationen über Big Data finden Sie in folgenden Berichten (in englischer Sprache):

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