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Datenschutz 2016: 8 Prognosen von Forrester

13. Januar 2016 von Susan Galer 0

Analysten des Marktforschungsinstituts Forrester Research haben ihre wichtigsten Vorhersagen zum Thema Datenschutz für das kommende Jahr bekanntgegeben.

Diesen Prognosen zufolge müssen Unternehmen angesichts der zunehmenden Skepsis der Verbraucher und der immer strengeren weltweiten Vorschriften ihre Ansätze grundlegend überdenken. Der Webcast „Privacy: Make it A 2016 Strategic Initiative or Lose Customers. The Choice Is Yours“ informiert zudem über die neuesten Forschungsergebnisse beim Konsumentenverhalten in Bezug auf Datenschutz.

Hier eine Zusammenfassung der Vorhersagen und einige interessante Zahlen:

1. Die Europäische Union (EU) wird 2016 mit der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung beginnen. Nach mehrjähriger Ausarbeitung wird dieses neue Regelwerk nun für jedes Unternehmen gelten, das seine Geschäftstätigkeit in der EU ausübt, auch dann, wenn es seinen Sitz außerhalb der EU hat.

2. Aufsichtsbehörden werden die massiven Bedenken der Verbraucher über die Erosion des Datenschutzes mit hohen Strafgebühren auszuräumen versuchen. „Wir erwarten in Bezug auf Geldstrafen enorme Summen – 5 Prozent des Gesamtumsatzes oder 100 Mio. Euro, je nachdem, was höher ist. Das sind Beträge in einer Größenordnung, die ein Unternehmen endgültig in den Ruin treiben kann“, meint Enza Iannopollo, Security and Risk Researcher bei Forrester. Die neuesten Umfragen des Instituts bestätigen die Besorgnis der Öffentlichkeit. 56 Prozent der Verbraucher in Nordamerika haben Angst vor Identitätsdiebstahl, 33 Prozent befürchten, dass ihre Daten permanent gespeichert werden, und 44 Prozent sind besorgt darüber, dass Apps Informationen ohne ihre Zustimmung sammeln. Überdies haben 350.000 Konsumenten Google auf der Grundlage der Regelungen zum Recht auf Vergessenwerden aufgefordert, ihre Daten aus Suchergebnissen zu entfernen.

3. Unternehmen werden mit ihren Versuchen, Datenschutzregeln zu umgehen, scheitern. Das ist Google bereits mit der französischen Datenschutzbehörde passiert und Facebook mit dem in Deutschland zuständigen Bundesbeauftragten für den Datenschutz, jeweils im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Pseudonymen. Beiden Organisationen wurden hohe Geldstrafen für Vorgänge auferlegt, die von den jeweiligen Unternehmenszentralen in den USA ausgingen.

4. Unternehmen werden Millionen für Consultingleistungen zum Datenschutz ausgeben. Das sind ähnlich hohe Investitionen wie bei den Bemühungen zur Einhaltung der Sarbanes-Oxley-Vorschriften Anfang dieses Jahrhunderts.

5. Die zunehmende Verbreitung des digitalen Bezahlens wird traditionelle Methoden der Datenerfassung im Einzelhandel grundlegend verändern. Forrester rechnet für 2016 mit mobilen Zahlungen in einem Gesamtwert von 83 Mio. Dollar. Was vielen jedoch gar nicht bewusst ist: Diese Einkäufe erfolgen im Grunde fast anonym, denn hierbei werden wesentlich weniger Verbraucherdaten erfasst als über Websites oder im Ladengeschäft. Einzelhändler und Marketingspezialisten werden diesen begrenzten Datenfluss in ihren Konzepten berücksichtigen müssen.

6. Datenschutzgerechte Features werden im allgemeinen Trend zu „Freemium“-Geschäftsmodellen vermehrt aufgegriffen werden. Google experimentiert bereits mit Angeboten für Konsumenten, bei denen gegen eine bestimmte Gebühr weniger Werbeanzeigen auf dem Bildschirm erscheinen. Forrester geht davon aus, dass Unternehmen zunehmend nach Datenschutzgrad abgestufte Serviceangebote entwickeln.

7. Für qualifizierte Datenschutzspezialisten wird es viel Arbeit geben. Marketing-Profis und Geschäftsprozess-Experten mit Zertifizierungen und anderen Referenzen im Bereich Datenschutz werden sehr gefragt sein, insbesondere weil in der EU Einstellungsauflagen für Datenschutzbeauftragte gelten.

8. Anzeigenblockierung wird ein Thema sein, bei dem sich Konsumenten und Befürworter zunehmend gegen die Unternehmenswelt stellen. Schon 20 Prozent der Verbraucher haben in ihren Browsern die Do-not-track-Funktion eingeschaltet, 14 Prozent nutzen Online-Cookie-Tracker, und über 25 Prozent haben einen Ad-Blocker aktiviert.

Allzu oft drehen sich Diskussionen über Datenschutz nur um die beiden Aspekte Personalisierung gegenüber Benutzerfreundlichkeit. Aber was wäre, wenn die Verbraucher beides haben könnten?  Den Analysten zufolge könnten Unternehmen mit einem Executive Sponsor als Datenschutz-Befürworter und dem Ansatz, dass alles, was gewünscht wird, auch machbar ist, ihre Datenschutzmodelle zu einem Alleinstellungsmerkmal und damit zu einem Wachstumsfaktor machen.

Folgen Sie Susan Galer: @smgaler

 

Foto: Shutterstock

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