Wachstumsmotor IT

Feature | 2. November 2009 von Perry Manross 0

Power

Unter der heißen Sonne Indiens durchziehen staubige Straßen die Industriestadt Noida am Rande Delhis. Rikschas rangeln darauf mit Audis um den Weg des geringsten Widerstands ans jeweilige Ziel. Zum Glück ist Entspannung in Sicht: Über das U-Bahnnetz wird Noida mit dem Zentrum Delhis verbunden. Seit Jahren boomt in der Büro- und Fabrikstadt die Wirtschaft. Nur mühsam hält die Infrastruktur damit Schritt. Sandeep Ranjan, Geschäftsführer des Marktdatenanbieters Prognosys, sieht in den Wildwuchs aus Gewerbe- und Wohnbauten allmählich Ordnung einkehren – und zieht Parallelen zur Geschichte seines Unternehmens.

Das 2004 in Noida gegründete Institut beschäftigt insgesamt 250 Analytiker, Projektleiter, Kundenbetreuer und Callcenter-Mitarbeiter. Schwergewichten der IT-Branche wie Dell, Microsoft, Adobe, Cisco, HP, IBM, Red Hat und Wipro liefert es Informationen über den indischen Markt. „Der Mehrwert unserer Produkte und Dienste liegt im regionalen Fokus und unserer Kenntnis lokaler Besonderheiten“, sagt Ranjan. Zu einer halben Million indischer Unternehmen hat Prognosys Daten gesammelt, die ausländischen Firmen helfen können, auf dem Subkontinent Fuß zu fassen. Dass etwa ein Kunde des Instituts seinen Anteil am indischen Öl- und Gasmarkt von 18 auf 27 Prozent steigerte, schreibt Ranjan den Informationen aus seinem Hause zu.

Eine Frage der Übersicht

Wie Noida ist auch Prognosys in den letzten Jahren rasant gewachsen. Der Umsatz stieg 2007 und 2008 um je 300 Prozent. Und wie die Stadt muss die Firma ihre Expansion unter Kontrollebehalten. „Wir waren so mit unseren Aufträgen beschäftigt, dass wir Fälle, in denen andere den Zuschlag erhielten, auf sich beruhen lassen mussten“, so der Firmenchef.

Als mittelständischer Marktforscher setzt Prognosys auf enge Geschäftsbeziehungen zu wenigen Großkunden. Dabei handelt es sich oft um multinationale Konzerne mit etlichen Abteilungen und Sparten, die Markdaten jeweils in Eigenregie einkaufen. „Alles hängt daran, dass wir den Überblick über die Aufträge behalten und erkennen, für welche Abteilung oder Sparte wir noch mehr tun könnten“, verrät Ranjan.

Seine Firma habe ein System gebraucht, mit dem sich die Rentabilität jedes Projekts, jedes Produktmixes und jeder einzelnen Geschäftsbeziehung verfolgen und analysieren ließ, erinnert sich der Manager. Als Beispiel nennt er einen der größten Druckerhersteller der Welt, dem Prognosys seit 2004 zuarbeitet. Erst das 2009 eingeführte SAP Business ByDesign zeigte dem Marktforscher, dass er für manche Abteilungen des genannten Unternehmens nur sporadisch tätig war. Aus diesen Sparten floss den Indern dank SAP in den letzten drei Monaten ebenso viel Umsatz zu wie seitens des ersten Kunden aus dem Konzern binnen vier Jahren.

Mit SAP Business ByDesign behält Prognosys nicht nur den Auftragseingang im Griff, sondern auch die Produktivität. Projektleiter können den Zeitaufwand verfolgen und eingreifen, wenn Vorgaben überschritten werden. War der Marktforscher früher bei jedem fünften Projekt in Verzug, so kommt dies heute nur noch vereinzelt vor.

Darüber hinaus hat das Institut mit Hilfe der SAP-Funktionen zur Fakturverfolgung das Inkasso beschleunigt und damit seinen Cashflow verbessert. „Wir kommen jetzt zwei Wochen früher an unser Geld“, bestätigt der Geschäftsführer. „Einem Mittelständler, der sich überwiegend aus dem Umsatz finanziert, verschafft dies beim Umlaufvermögen ein komfortables Polster.“

Obwohl er die integrierte Software gegenüber den inkompatiblen Systemen und Tabellen von früher als Segen empfindet, vermisst Ranjan an SAP Business ByDesign noch Funktionen zur Personal- und Kassenverwaltung. Hier hofft er auf das Feature Pack 2.0. Alles in allem seien seine Mitarbeiter aber von der Lösung aus Walldorf sehr angetan: „Unsere Vertriebler brauchen ihre Kundenkontakte nicht mehr in Tabellen zu erfassen, die nicht miteinander kommunizieren. Die Buchhalter freuen sich, weil sie alle Bestellungen in einem einzigen System kontrollieren können. Und ich kann jederzeit ohne fremde Hilfe alle Informationen abrufen, die ich benötige.“

IT als Lebensretter

Nicht nur das Tagesgeschäft dreht sich bei Prognosys um die Informationstechnik; auch der Fortbestand der Firma hängt davon ab. „Die Marktforschung von morgen wird man vor allem an ihrer Effizienz messen statt nur an der Qualität ihrer Ergebnisse“, glaubt Ranjan. Um im Rennen zu bleiben, muss Prognosys wachsen – und das ist nach Ansicht des Geschäftsführers nur mit IT möglich.

Das klassische Analyse- und Beratungsangebot seiner Zunft hält Ranjan für ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehöre elektronisch vermarkteten, kombinierbaren Serviceprodukten. Bei Prognosys arbeitet man seit einem Jahr intensiv an der Entwicklung solcher Dienste. Bald können die Kunden über ein Webportal zum Beispiel die riesigen Datenbanken des Instituts nach Informationen zur Planung von Vertriebskampagnen durchforsten. Darüber hinaus wird es möglich sein, die Befunde des Marktforschers anhand der erhobenen Daten, der Methode, des Stichprobenumfangs und anderer Kriterien zu prüfen.

Die SAP hat dieses Projekt unterstützt, indem sie Prognosys einen Partner vermittelte, der Business ByDesign in das Portal integriert. Ranjan sieht darin einen weiteren Beleg dafür, dass der Konzern seine Firma weniger als Softwarelieferant begleite denn als strategischer IT-Berater. Das Portal, so hofft er, geht spätestens 2010 ans Netz – im selben Jahr, in dem Noidas U-Bahnanschluss fertig werden soll.

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