Dem Wettbewerb immer eine Nasenlänge voraus (Teil 2)

Feature | 23. Januar 2006 von admin 0

Auch wenn viele Mittelständler den Wert der eigenen Daten für die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungsketten oft verkennen – Supply Chain Management wird im Mittelstand als wesentlich für den Geschäftserfolg eingeschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Betriebswirtschaftlichen Instituts an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (BWI ETH Zürich) unter 200 überwiegend mittelständischen Unternehmern. Vor allem in den operativen Prozessen verspricht man sich erhebliches Verbesserungspotenzial durch SCM, wobei die Befragten der IT-Unterstützung eine hohe Bedeutung zusprechen.

Branchenspezifische Besonderheiten

Die Anforderungen an eine integrierte SCM-Software sind aber, je nach Branche, durchaus unterschiedlich. Mittelständische Fertigungsbetriebe, die im Ausland Bauteile vorfertigen oder Endmontage betreiben, müssen alle logistischen Daten – Materialstämme, Bestandsführung und Einkauf in unterschiedlichen Werken – zentral abrufen und von Stamm- und Zweigwerk aus auf Dokumente und Zeichnungen zugreifen können. Hier kommt es darauf an, die Beschaffungs- und Logistikprozesse innerhalb der Lieferkette zu harmonisieren, und zwar sowohl zu den Zweigwerken als auch zu Kunden und Lieferanten. Die Informationen, die zwischen verschiedenen Partnern ausgetauscht werden, zum Beispiel Produktionsprogramme, Kapazitäten oder Lagerbestände der Zulieferer, müssen natürlich richtig und vollständig sein, damit die Lieferkette einwandfrei funktioniert.
Unternehmen der Konsumgüterbranche wiederum müssen ihre Bestands- und Transportkosten – die wesentlichen Kostenblöcke – optimieren. Außerdem gilt es, die gesetzlichen Vorschriften, wie die EU-Verordnung 178/2002 zur Rückverfolgung von Chargen bei Nahrungsmitteln und deren Bestandteilen, zu erfüllen. Das macht es erforderlich, die Waren- und Informationsflüsse durchgängig zu steuern und zu überwachen. Eine besondere Aufgabe in diesem Prozess kommt künftig der RFID-Technologie zu. Funketiketten (RFID-Tags) informieren sofort darüber, was abverkauft wurde oder welche Produkte wann das Distributionslager verlassen haben. Sie steigern somit die Transparenz bei der schnellen und effizienten Steuerung von logistischen Prozessabläufen – im eigenen Lager wie auch bei der Kommissionierung und Lieferung von Waren an Kunden.
Die RFID-Technologie lässt sich auf vielfältige Weise nutzen. Sie wird in der Automobilindustrie zur unverwechselbaren Codierung von Rohkarosserien ebenso eingesetzt wie beim Behältermanagement, aber zum Beispiel auch zur Temperaturüberwachung von Lebensmitteln oder Medikamenten. In der industriellen Produktion kann RFID die Variantenvielfalt bewältigen, in der Logistik lassen sich – beispielsweise durch Tags auf Paketen oder Paletten – Prozesse automatisieren und dadurch beschleunigen.

SCM, die unbewältigte Aufgabe?

Allein bei der Herstellung eines Pkw werden bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten durch die Supply Chain beeinflusst, wie eine Studie von McKinsey Deutschland und dem Seminar für betriebswirtschaftliche Planung und Logistik der Universität zu Köln herausfand. Obwohl eine ausgereifte SCM-Strategie es den Betrieben ermöglicht, ihre Lagerbestände niedrig zu halten, Aufträge schneller auszuführen und frei werdende Ressourcen Gewinn bringend zu nutzen, sind Marktforscher und Analysten unschlüssig darüber, welche Rolle die Optimierung der Lieferkette bei Unternehmen in Deutschland tatsächlich spielt. Nach Einschätzung von Steria Mummert Consulting (“IT-Budget 2005”) bleibt so manche Einsparmöglichkeit ungenutzt. Lediglich 4,6 Prozent von mehr als 500 befragten Fach- und Führungskräften aus den IT-Abteilungen deutscher Unternehmen beabsichtigen, künftig mehr in SCM zu investieren.
Auch die Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton (BAH) bezeichnet die Optimierung der Lieferkette in vielen Unternehmen noch als “unbewältigte Aufgabe”. Vielfach werde Supply Chain Management noch nicht als Aufgabe des Top-Managements angesehen, sondern ausschließlich als Thema für die operativen Bereiche betrachtet. Die BAH-Berater monieren außerdem, dass die Unternehmen zu große Erwartungen in die Technik allein setzen. Relevante Ertragsverbesserungen dürften die Firmen erst dann erwarten, wenn sie im Rahmen der Implementierung eines SCM-Systems auch ihre Liefer-, Produktions-, Lager- und Distributionsprozesse umstrukturieren. Doch allmählich erkennen offenbar besonders mittelständische Unternehmen die Chancen einer optimierten Supply Chain. Um die Kommunikation mit Partnern und Zulieferern zu verbessern, planen immerhin 35 Prozent der Betriebe, zwischen 50.000 und 250.000 Euro zu investieren, schreibt Helmut Wannenwetsch, Professor für Logistik an der Berufsakademie Mannheim, in seinem aktuellen Buch “Vernetztes Supply Chain Management”. 25 Prozent der Betriebe wollen sogar mehr als 250.000 Euro investieren.

Optimierte Supply Chain, hohes Einsparpotenzial

Die Gründe liegen auf der Hand: Mittelständler, denen es gelingt, ihre Supply Chain zu optimieren, können mit effizienten Prozessen sowie ansehnlichen Einsparungen rechnen. Laut der bereits zitierten BAH-Umfrage erzielen Unternehmen dadurch pro Jahr bis zu 50 Prozent höhere Einsparungen im Einkauf und bei den Lieferkosten. Nach einer unabhängigen Benchmarking-Studie, welche die Management-Beratung Pittiglio Rabin Todd & McGrath (PRTM) unter SAP-Kunden durchführte, weisen Unternehmen mit ausgereiften Prozessen in der Supply Chain sogar Nettogewinne auf, die 75 Prozent über dem Marktdurchschnitt liegen (14 Prozent verglichen mit sonst acht Prozent).
Der Benchmark von PRTM kommt weiter zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die ein ausgereiftes Lieferkettenmanagement auf Basis der Planungsfunktionen von mySAP Supply Chain Management (mySAP SCM) einsetzen, ihren Tagesmindestbestand im Lager um rund 40 Prozent reduzieren können. Die Lagerhaltungskosten konnten um bis zu 63 Prozent verringert werden. Das entspricht einer Ertragssteigerung von rund 1,7 Prozent. Mit einer ausgereiften Logistiklösung lassen sich auch Altbestände am Lager um bis zu 84 Prozent reduzieren. Weitere Berechnungen der Management-Berater ergaben, dass Planungsmechanismen für neue Produkte dazu beitragen, die Lagerkosten für Altbestände auf einen Anteil von 0,3 statt 0,9 Prozent vom Umsatz zu reduzieren.

Pragmatischer Ansatz

Um die Kosten für ein SCM-Projekt überschaubar zu halten, geht man inzwischen häufig dazu über, es in Kleinprojekte aufzuteilen. Das entspricht der Empfehlung von Christian Glas, Berater bei Pierre Audoin Consultants (PAC), SCM-Projekte weniger komplex und damit preiswerter zu machen. “Heute gilt nicht mehr das Motto, je mehr desto besser”, so Christian Glas, “sondern die Abwägung zwischen Kosten und Nutzen innerhalb eines festgelegten zeitlichen und finanziellen Projektrahmens.” Die Vielzahl von vertikalen Lösungen auf dem Markt ist laut PAC ein Indiz für diese Entwicklung, ebenso Lösungen, die auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind.
Eine Lösung wie mySAP Supply Chain Management (mySAP SCM) erfüllt die Anforderungen: Sie unterstützt Planung, Ausführung, Collaboration und Koordination. Dazu gehören Funktionen für die Materialwirtschaft, Produktionssteuerung und Lagerverwaltung ebenso wie Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR). Das integrierte Vendor Managed Inventory (VMI) schafft den reibungslosen Material- und Informationsfluss zwischen allen beteiligten Partnern, mit dem Supplier Managed Inventory (SMI) kann der Lieferant die Bestände des Herstellers überwachen. Für optimale Nachschubprozesse in bedarfsgesteuerten Liefernetzwerken sorgt die Plattform SAP Inventory Collaboration Hub (SAP ICH). mySAP SCM unterstützt außerdem die unterschiedlichen Ansprüche, die Branchen wie die Automobilindustrie, die Prozess- und Konsumgüterindustrie oder Handel und Logistik an eine SCM-Lösung haben. Damit gelingt der Aufbau eines unternehmensübergreifenden Logistiknetzes, das beispielsweise die Lieferanten der Lieferanten mit den Kunden der Kunden verknüpft oder Angebot und Nachfrage über Unternehmensgrenzen hinweg synchronisiert.

Mehr Flexibilität mit Echtzeitinformationen

Real World Awareness

Real World Awareness

In den Liefernetzwerken der Zukunft werden Echtzeitinformationen aus der Produktion, den Wertschöpfungs- und Lieferketten sowie über den aktuellen Kundenbedarf zu einem zentralen strategischen Wettbewerbsfaktor. Professor Claus E. Heinrich, Vorstandsmitglied der SAP, hat dies in seinem aktuellen Buch “RFID and Beyond – Growing Your Business Through Real World Awareness” eingehend beschrieben und modelliert. Für die Echtzeitinformationen und den Aufbau adaptiver Liefernetzwerke sorgen neue Technologien wie RFID, Smart Cards und Sensoren. Unternehmen, die die Potenziale dieser Technologien erkennen und nutzen, wird es damit gelingen, auf Veränderungen der Lieferketten und der Marktbedingungen schnell und flexibel zu reagieren sowie Geschäftsinnovationen zu realisieren. Und damit sind sie dem Wettbewerb stets die berühmte “Nasenlänge” voraus.

Weitere Informationen:

Allgemein:
http://smbnews.sap.info/public/DE/de/index/Category-243923edcb32eb2ece-de/0/articlesVersions-9955433bb6fb4fd50
und
http://smbnews.sap.info/public/DE/de/index/Category-243923edcb32eb2ece-de/0/articleContainer-1014443202dd883d6e
zum Thema SAP und RFID Studien:
www.bah.de,
www.lim.ethz.ch,
www.mckinsey.de,
www.mummert-consulting.de,
www.pac-online.de,
www.prtm.com
SAP AG:
www.sap.com/solutions/business-suite/scm,
www.sap.com/rfid

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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