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Wer kann CDO?

Feature | 25. September 2014 von Andreas Schmitz 0

Der Chief Digital Officer (CDO) wird künftig eine wichtige Rolle bei der digitalen Transformation von Unternehmen spielen. Ein Information Officer werde dieser Rolle nicht gerecht werden, prophezeit Sebastian Saxe, Manager und seit kurzem auch CDO der Hamburg Port Authority (HPA).

Die Reise nach San Francisco und ins Silicon Valley ist schon gebucht. Erstmals wird Sebastian Saxe Anfang Oktober nicht nur als Chief Information Officer (CIO), sondern auch als Chief Digital Officer in die USA reisen, um sich über die neusten Entwicklungen zu informieren. Im CDO-Ursprungsland wird Sebastian Saxe wohl auch Gelegenheit haben die Digitalstrategen von Google, Apple und Facebook zu treffen. Natürlich geht es dem Hanseaten auf der Delegationsreise zusammen mit dem Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch auch um „sein“ Thema, die intelligente Vernetzung des Verkehrs. Sind es letztlich intelligente Ampelschaltungen oder smarte Autos, die das Stadtbild prägen werden?

“Ein CDO fragt, wie die Technologie dem Geschäft nützen kann” (Sebastian Saxe, HPA)

Ähnliche Fragen hat sich Sebastian Saxe bereits vor ein paar Jahren gestellt, als es darum ging, die begrenzte Fläche im Hamburger Hafen effektiver zu nutzen. In dem damals bereits initiierten Projekt smartPORT logistics ging und geht es darum, den Verkehrsfluss im Hafen zu optimieren und den Hafen in seiner Gesamtheit effizienter zu machen. „Wir können und wollen den Hafen nicht unbegrenzt ausbauen. Da seine Fläche begrenzt ist, müssen wir Wege finde, die Fläche effizienter zu nutzen“, sagt Saxe: „Hier bietet die Informationstechnologie ein Potenzial von unschätzbarem Wert – die perfekte Optimierung wird möglich“. Inzwischen liegen Saxe u.a. Anfragen aus Rotterdam, der südkoreanischen Hafenstadt Busan und Dubai vor. Mit diesem Projekt begann die eigentliche Wandlung des Sebastian Saxe vom CIO zum CDO: „Ein klassischer CIO ist für die IT-Strategie, Architekturen, Netztopologien und den wirtschaftlichen Betrieb der IT zuständig“, erläutert Saxe, „ein CDO hingegen hinterfragt, wie diese Technologie dem Geschäft nutzen kann“. Es ist gut, wenn diverse Sender im Hafengebiet Informationen sammeln. Noch besser ist es, diese Informationen auf einem Portal zu vereinen und für alle Interessierten verfügbar zu machen.

„Der CDO wird Innovationstrends bewerten und im Sinne des gesamten Unternehmens anwenden“, sagt Sebastian Saxe, CIO,  CDO und Leiter Services der HPA.

„Der CDO wird Innovationstrends bewerten und im Sinne des gesamten Unternehmens anwenden“, sagt Sebastian Saxe, CIO, CDO und Leiter Services der HPA.

In einer aktuellen Studie beschreibt die Unternehmensberatung Accenture die Aufgaben, eines CDO im Unternehmen: Er sollte in der Lage sein, eine Digitalversion zu entwickeln (1.), das digitale Kundenerlebnis in den Mittelpunkt dieser Vision stellen (2.), an Kunden orientierte Projekte auf den Weg bringen (3.) und entsprechende Marketingmodelle darauf aufsetzen. Für das weltweit tätige Personalberatungsunternehmen Russel Reynolds ist der CDO mit seinem Faible für digitale Entwicklungen und idealerweise fundierter Erfahrungen aus dem Management sogar ein potenzieller Kandidat für künftige CEO-Posten: „CDOs sind in der Lage, mit ihrer operativen Erfahrung, ihren Management-Fähigkeiten, einem strategischen Fokus und einer Vision in einer zunehmend technisch geprägten Zukunft Führungsaufgaben zu übernehmen“, heißt es in einem White Paper.

Die nächste Welle der Transformation steht bevor

Der Hype um den neuen Jobtitel bringt Saxe nicht aus der Ruhe. Für ihn ist es ein Kulturwandel in Etappen, der gerade bevorsteht. „CDOs müssen eine Predigerkultur mitbringen, Trends erfassen, deren Auswirkungen verstehen und vermitteln können.“ Besonders in Hinsicht auf die letzte Anforderung sieht Neu-CDO Saxe hier Defizite bei CIOs: „CIOs sind oft zu sehr in ihrer Sprache verwurzelt.“ Der CIO werde eine wichtige, jedoch untergeordnete Rolle bei der Digitalisierung einnehmen. „Wir stehen vor der nächsten Welle der Transformation. Während die digitale Welt unser Kommunikationsverhalten schon massiv beeinflusst, stehen wir bei Industrie 4.0, der Potenzialhebung von Big Data oder auch im E-Learningbereich noch am Anfang“, prophezeit CDO und CIO Saxe. „Ein ‚Information‘ Officer wird dieser Herausforderung nicht gerecht werden können, es geht um die Transformation ganzer Geschäftsbereiche“, so Sebastian Saxe weiter. Auch CDO-Aspiranten aus dem General Management sind der neuen Aufgabe eher noch nicht gewachsen. Ihnen mangelt es heute noch oft an Affinität für das digitale Business.

Die vier Kernaufgaben des Chief Digital Officers (CDO)

Momentan macht Saxe vier Aufgaben aus, für die ein Chief Digital Officer im Unternehmen da sein sollte:

  1. Er muss die IT-Systeme und Abläufe verstehen.
  2. Er muss die Transferleistungen für die digitalen Möglichkeiten auf Geschäfts- und Produktionsprozesse erkennen.
  3. Er muss Business Cases aufsetzen und bewerten können.
  4. Er sollte die Sprache des CIO sprechen.

Nach einer Prognose des US-amerikanischen CDO Clubs aus 2013 werden – neun Jahre nachdem MTV Jason Hirschhorn zum wohl weltweit ersten CDO machte – Ende diesen Jahres weltweit über 1000 CDOs in Unternehmen beschäftigt sein, mehr als doppelt so viele als im vergangenen Jahr. 68 Prozent aller weltweit beschäftigten CDOs sind demnach im laufenden Jahr für US-amerikanische Unternehmen beschäftigt und zudem recht gut vergütet, mit 185.000 bis 375.000 Euro pro Jahr. 2015, so schätzt Gartner, wird jedes vierte global tätige Unternehmen einen CDO in den eigenen Reihen haben.

Wer aus der Führungsebene eines Unternehmens wird letztlich die besten Karten in der Hand haben für den begehrten Posten des CDOs? Zunächst einmal werden sich Rollen verändern und diese neu definiert werden. „Für den Fall, dass IT in der Zukunft vor allem aus der Cloud bezogen wird, liegt die Aufgabe des CIOs nicht mehr darin, die IT zu betreuen und deren Betrieb zu gewährleisten. Auch wird es nicht mehr ausreichen, Innovation in der IT mit dem Blick auf die IT voranzubringen. „Der CDO wird Innovationstrends bewerten und im Sinne des gesamten Unternehmens anwenden“, sagt Saxe.

Welcher Manager kann CDO?

Der Chief Marketing Officer verfügt nach Angaben von Accenture inzwischen teilweise für Projekte im Information Management und Analysefunktionen über mehr Budget in den Unternehmen als der CIO. Trotzdem ist fraglich, ob der CMO aus seiner fachlichen Nische heraus die Funktion des CDOs bekleiden kann. „Ein Unternehmen floriert, wenn der CEO die unterschiedlichen Dimensionen des Geschäfts sieht, wenn er den Markt und die Abläufe versteht und nicht zuletzt ein inneres Engagement für das Unternehmen mitbringt“, sagt Saxe. Zu sehr in seinem Metier verhaftet sei der Marketingverantwortliche in den Unternehmen aktuell für die Aufgabe des CDO – „zu eindimensional“, nennt das Saxe. Auch der CEO wird nicht ad hoc die visionäre Kraft eines CDOs in Hinsicht auf digitale Projekte haben. Möglicherweise wird es also zunächst einmal auf eine Rollenverteilung zwischen dem CIO und dem neuen CDO hinauslaufen.

Letztlich jedoch ist es bei aller digitaler Affinität doch die menschliche Komponente, die eine digitale Transformation erst möglich macht. Ende der 90er Jahre, als Sebastian Saxe noch bei Dataport beschäftigt war, wurden die Rechenzentren der verschiedenen Bundesländer fusioniert. Und obwohl Hamburg und Kiel im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein nur 120 Kilometer auseinanderlagen, stellte sich heraus, dass die Unternehmenskultur sehr unterschiedlich war, und gar nicht so sehr die Technik. „„Sie müssen die Menschen verstehen, wie auch die Abläufe – und die Geschichte akzeptieren, wie sie ist“. Auch wenn Saxe der eigenen IT mit neuen Ideen kommt, ist die Reaktion oft gespalten: „Das nervt die eigene IT, hält aber den Laden in Bewegung“, sagt Chief Digital Officer Sebastian Saxe.

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