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Der Einfall mit den Ausfallzeiten

Feature | 10. November 2014 von Andrea Diederichs 0

Mit der neuen „Zero Downtime Option“ legt die SAP ein zukunftsweisendes Konzept für die Softwarewartung vor. Das SAP-Projektteam, das die Idee entwickelt hat, erhielt dafür am 20. Oktober den prestigereichen Hasso Plattner Founders‘ Award. Der Preis zeichnet Mitarbeiter aus, die mit Innovationsfreude, Unternehmergeist und Risikobereitschaft Besonderes geleistet haben.

Unternehmen und IT-Verantwortliche wissen: Wenn die Produktion still steht oder sich im Warenlager die Pakete türmen, wird es teuer. Ausfallzeiten, die durch Systemwartung entstehen, können Folgekosten in mehrstelliger Millionenhöhe nach sich ziehen. Besonders global tätige Großkonzerne erwarten heute einen unterbrechungsfreien Systembetrieb rund um die Uhr. Gerade diese Schwergewichte unter den Kunden haben beim Thema Downtime den Druck auf die SAP erhöht.

Projektleiter Christoph Lüttge hat mit seinem Team ein Verfahren entwickelt, um die technische Downtime auf Null zu reduzieren.

Doch es gehe nicht nur um Geld, erklärt Projektleiter Christoph Lüttge aus dem Bereich Cloud Lifecycle Management. In den Firmen werde häufig gebremst, wenn es um neue Softwareversionen oder Wartung geht. Upgrade-Projekte seien „ein Tabuthema, das gerne vermieden wird“, weiß Lüttge. Doch solange Unternehmen an alten Softwareversionen festhalten, können sie auch nur begrenzt von neuen Funktionen oder innovativen Prozessen profitieren.

Daher ist es seit Jahren ein Thema, die Ausfallzeit zu reduzieren. SAP hat bereits gute Erfolge erzielt, der entscheidende Durchbruch kam jedoch jetzt. Mit der „Zero Downtime Option“ hat das Projektteam ein Verfahren entwickelt, um die technische Downtime auf Null zu reduzieren. Nicht unerheblich, wenn man bedenkt, dass einer traditioneller ERP-Upgrade die Systeme 24 bis 36 Stunden lahmlegt. Einen Hersteller von Konsumgütern kostet das zirka eine Million US-Dollar pro Stunde, im Finanzsektor schlägt eine Stunde Downtime gleich mit acht Millionen US-Dollar zu Buche. Die Zero Downtime Option soll es Kunden künftig ermöglichen, ihre Upgrades jederzeit und so oft wie nötig durchzuführen. Das gilt auch für kundenspezifische Systeme, die die Unternehmen durch eigene Entwicklungen ergänzt und angepasst haben. Der Systembetrieb läuft in dieser Zeit ganz normal weiter.

Das Besondere: Die Zero Downtime Option ist bereits in den Software Update Manager integriert, den Kunden für die Installation von Support Packages oder das Einspielen von Enhancement Packages nutzen. Daher fallen keine zusätzlichen Lizenzkosten an, und Systemadministratoren können Upgrades wie gewohnt durchführen.

Komplettes Umdenken

Für die Kunden bietet sich damit künftig ein Ausweg aus einem alten Dilemma. Wer heute neue Software einspielen oder Systeme warten will, muss Ausfallzeiten in Kauf nehmen. Damit will man einen Konflikt zwischen den Eingaben der Endanwender und den Einspielungen durch den Upgrade vermeiden. Die gängige Alternative: Für den Upgrade wird eine komplette Systemkopie, ein Klon, erstellt. Das ist jedoch aufwendig und teuer.

Wie Mariusz Debowski, Teammitglied aus dem Bereich Active Global Support, erklärt: „In der Vergangenheit drehten sich die Diskussionen immer um ein geklontes System – um die Frage, wie die Daten effizient repliziert werden. Letztendlich lag die Lösung jedoch ganz woanders. Der Durchbruch in unserem Projekt kam erst, als es uns gelang, aus bisherigen Denkmustern auszubrechen.“ Denn das Team fand heraus, dass der Konflikt beim Zugriff auf die Daten nur etwa ein Promille der gesamten Datenbank betrifft. Die Lösung: Es werden ganz gezielt einzelne Datenbanktabellen repliziert und nicht wie bisher das gesamte System. Während der Upgrade läuft, hat der Endanwender weiter Zugriff auf die Originaldaten – hinterher werden die Dateien intelligent zusammengeführt.

Hand in Hand mit den Kunden

Entscheidend für den Projekterfolg war die enge Zusammenarbeit mit den Kunden. Wie Volker Driesen, Architekt des Projekts, berichtet, gab es schon in der ersten Konzeptphase immer wieder Gespräche mit den Kunden. So konnte das Team seine Vorschläge frühzeitig verifizieren und immer wieder anpassen. Mariusz Debowski bekräftigt: „Das Problem existiert seit vielen Jahren, der Druck seitens der Kunden ist gewachsen. Doch letztlich konnten wir die Lösung liefern, auch weil wir Hand in Hand mit den Kunden arbeiten.“

Die Zero Downtime Option wurde bisher für SAP ERP und SAP Extended Warehouse Management entwickelt und ist seit Oktober für Pilotkunden auf Projektbasis verfügbar. Die ersten Kunden sind bereits in den Vorbereitungen, um das Zero-Downtime-Verfahren in ihrer Systemumgebung zu testen und auch produktiv einzusetzen. Künftig soll Zero Downtime weitere SAP-Lösungen wie SAP Customer Relationship Management oder auch Lösungen im Bankensektor unterstützen.

Mit Zero Downtime in die Cloud

Für Bestandskunden löst die Zero Downtime Option bereits jetzt ein signifikantes Problem, doch die SAP schaut damit auch in Richtung Cloud. Gerhard Oswald, Mitglied des Vorstands und Leiter des Vorstandsbereichs Scale, Quality & Support, erklärt: „Dies sichert uns einen Vorteil gegenüber anderen Cloud-Unternehmen und untermauert unsere Stellung im Cloud-Markt.“ Denn als Cloud-Anbieter muss die SAP die Verfügbarkeit ihrer eigenen Systeme sicherstellen, umso mehr, wenn sie den Kunden schnell und flexibel Innovationen liefern will.

So sieht es auch Chris Lewis von Active Global Support, der in Nordamerika Pilotkunden für das Zero-Downtime-Projekt betreut: „SAP strebt künftig mehr als 50 Millionen Cloud-Nutzer an. In dieser neuen Realität haben traditionelle Upgrade-Projekte einfach keinen Platz mehr. Es ist absolut notwendig, dass wir Innovationen ohne eine einzige Minute Downtime einführen können.“

So zeigt Zero Downtime, dass das Wartungsgeschäft nicht nur eine nüchterne Notwendigkeit ist. Für Christoph Lüttge spiegelt das Projekt die ursprüngliche Gründermentalität der SAP wider, den Willen, Möglichkeiten zu sehen, wo noch keiner Möglichkeiten gesehen hat. „Hier kann SAP ein Feld besetzen, auf dem wir wirklich die Ersten sind“, so Lüttge.

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