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Der Einzelhandel erfindet sich neu

29. Oktober 2014 von Judith Magyar 0

Mit mobilen Strategien – vom Hijack-Alarm bis hin zum Holoraum und Datenbrillen – versuchen Händler weltweit ihre Kunden zu überzeugen.

In der Vergangenheit haben Einzelhändler ihre Produkte mit einer Reihe von Strategien wie Rabatten, Werbeaktionen und Treueprogrammen in Szene gesetzt. Doch um in einer Welt erfolgreich zu sein, in der Verbraucher verstärkt auf mobile Technologien setzen, sind neue Ideen gefragt.

Einige Unternehmen haben das bereits erkannt. Mit innovativen Technologien, die vor einigen Jahren noch nicht denkbar waren, verändern sie die Art und Weise, wie wir Konsumgüter kaufen, verkaufen und vermarkten, dramatisch.

Neue Ideen: Google Glass, Apps, Holoraum

Meat Pack ist ein angesagtes Schuhgeschäft in Guatemala, das für ausgefallene Mode und spezielle Rabatte auf Marken wie Adidas, Nike und Supra bekannt ist. Eine neue Rabattaktion mit dem Namen Hijack-Alarm soll mehr Kunden ins Geschäft locken. Um daran teilzunehmen, müssen Verbraucher neben der offiziellen App des Stores die Hijack-Erweiterung herunterladen. Anschließend werden die Standortdaten des Nutzers mittels GPS-Technologie laufend ermittelt. Betritt er den offiziellen Store einer Marke, die auch Meat Pack verkauft, erhält er eine Nachricht mit Sonderangeboten des Unternehmens. An nur einem Tag konnte Meat Pack seinen Wettbewerbern auf diese Art und Weise über 600 Kunden abwerben. Wenn ein Rabatt in Anspruch genommen wird, aktualisiert die App den Facebook-Status des Käufers automatisch und verbreitet die Aktion in dem sozialen Netzwerk. So verschafft sich das Unternehmen einen noch größeren Wettbewerbsvorteil.

Die erfolgreiche amerikanische Baumarktkette Lowe’s hat mit dem Holoroom einen Anziehungspunkt für seine Kunden geschaffen. In dem von Science-Fiction-Filmen inspirierten Raum können Kunden mithilfe von Augmented Reality Gestaltungsideen für ihr Zuhause visualisieren. So sehen sie bereits im Voraus, wie ihr neues Badezimmer nach der Renovierung aussehen könnte. In einigen Supermärkten kann seit Kurzem Google Glass als Einkaufshilfe verwendet werden. Die Brille wird beim Betreten des Geschäfts mit dem Satz „Okay, Google Glass, Einkauf beginnen“ aktiviert. Während des Einkaufs werden dann Rezeptideen oder Nährwertangaben eingeblendet. Eine Anzeige liefert einen Überblick über den Warenwert der Produkte im Einkaufkorb. Außerdem können Kunden mit der Brille telefonieren, um sich beispielsweise von ihrer Familie bei der Auswahl beraten zu lassen.

Der kanadischen Lebensmittelkette Loblaw ist es gelungen, mit individueller Werbung mehr als 16 Millionen treue Kunden zu gewinnen – die Hälfte der Bevölkerung des Landes. Das Unternehmen hat innovative Technologien zur Analyse großer, kundenspezifischer Datenmengen genutzt, um speziell auf den einzelnen Kunden zugeschnittene Angebote erstellen zu können.  Peter Danforth, Leiter von Customer Analytics bei Loblaw und Experte im Bereich Datenanalyse, erklärt: „Es handelt sich hierbei um ein Kundenbindungsprogramm der nächsten Generation, das kanadischen Verbrauchern schon heute den Alltag erleichtert.“

Andere Unternehmen verbinden neue Technologien mit sozialem Engagement. Solidarium, ein brasilianischer Online-Marktplatz, vermittelt Aufträge von Einzel- und Großhandelsunternehmen an einkommensschwache Handwerker, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen.

Neue Marketingmethoden – ob wir wollen oder nicht

Im modernen Einzelhandel wird immer häufiger eine Kombination von Push- und Pull-Strategien eingesetzt, die vielleicht nicht jedem Kunden gefällt. Bei der Vorstellung des iPhone 6 vor einigen Wochen machte die Rockband U2, die seit langem mit Apple in Verbindung gebracht wird, eine folgenschwere Ankündigung. Sie sollte sich als Lektion in modernem Marketing erweisen. Mit nur einem Tastendruck von Apple-Chef Tim Cook veröffentlichte die Band ihr neues Überraschungsalbum auf iTunes.  Es stand allen Anwendern innerhalb eines bestimmten Zeitraums kostenlos zur Verfügung. Nach Ablauf der Testphase konnten sie entscheiden, ob sie es behalten und dafür bezahlen wollten. Der Download der Dateien erfolgte jedoch automatisch – eine Wahl hatten die Nutzer nicht.

Mobilgeräte und Datenanalysen verändern den Einzelhandel

Besonders bemerkenswert an diesen Beispielen ist die Art und Weise, wie Unternehmen innovative Technologien wie Mobilgeräte und Datenanalysen zur Steigerung ihres Geschäftserfolgs einsetzen.  Der Markt für mobile Lösungen verändert sich stetig – und dieser Wandel kann starke Auswirkungen haben. Einzelhändler sollten sich deshalb auf die Entwicklung einer durchdachten Mobilstrategie konzentrieren. Rick Costanzo, Executive Vice President und General Manager von SAP Global Mobility Solutions, ist der Meinung, dass Mobilität unsere Welt verändert. „Aufgrund der immer größeren Anzahl an mobilen Geräten und dicht aufeinander folgenden, regelmäßigen Innovationszyklen muss die Verwaltung von Inhalten und Anwendungen Priorität vor dem Gerät an sich haben. Unternehmen sollten sich dies vergegenwärtigen“, sagt Costanzo.

Bei einem Einzelhandelsevent in São Paulo erklärte Steve Lucas, President von SAP Platform Solutions, vor Kurzem: „Neben der Investition in Mobilität ist eine einheitliche, umfassende Sicht auf den Kunden wichtig, die Informationen und Erfahrungen aus dem Online- und Offline-Bereich zusammenführt. Die Kombination verschiedener Verkaufskanäle in Verbindung mit Big Data ist eines der am schnellsten wachsenden Geschäftsfelder in Brasilien.“ Unternehmen sollten eine optimierte und vereinfachte IT-Landschaft aufbauen, die Flexibilität ermöglicht, da sie Daten in Echtzeit analysieren müssen. Laut Lucas ist dies eine der größten Herausforderungen, vor der Einzelhändler stehen, unabhängig von der Größe des Unternehmens und der Art der Waren.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich auf SAP Business Trends veröffentlicht.

Foto: Shutterstock

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