Der Kunde ist auch online König

Feature | 20. Februar 2006 von admin 0

Wer ein Paket mit zerbrechlichem Inhalt öffnet, der findet die begehrte Ware meist eingebettet in kleine, federleichte Chips aus gelbem Styropor. Das schützende Verpackungsmaterial sieht einfach aus und steckt doch voll raffinierter Eigenschaften, die es für den Versand empfindlicher Waren unentbehrlich machen. Obgleich von geringem Gewicht, bietet es eine dichte Polsterbindung sowie Schutz vor klimatischen Einflüssen, es ist feuchtigkeitsresistent, unbegrenzt lagerfähig, physiologisch unbedenklich, frei von FCKW und recyclebar.

Unternehmensporträt Storopack

Unternehmensporträt Storopack

Dabei ist Styrofill, wie diese Chips heißen, nur eines von insgesamt 8.000 Produkten, mit denen das Familienunternehmen Storopack mit Sitz in Metzingen die Welt der Verpackungen prägt. Die Konsumenten erwarten heute Produkte, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind, und dieser Anspruch gilt auch für Verpackungen. Daher ist beispielsweise jede der 600.000 Fleischschalen aus dem Hause Storopack, die täglich aus dem Supermarkt nach Hause transportiert werden, lebensmittelecht, und die Styropor-Formteile, die pro Tag 50.000 Computer beim Versand schützen, absorbieren Stöße aller Art.

Strategische Rolle für die IT

Storopack ist mit seinen Verpackungslösungen in zahlreichen Märkten vertreten – von der Automobilindustrie bis hin zur Unterhaltungselektronik. Zudem übernimmt das Unternehmen verschiedene Dienstleistungen für seine Kunden, etwa das Kommissionieren und Verpacken. Angesichts dieses breiten Spektrums spielt die IT eine strategische Rolle. Storopack arbeitet mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme, unter anderem mit einer elektronischen Dispositionsplattform, dem Online-Marktplatz für die Automobilindustrie, SupplyOn, sowie mit EDI-Lösungen (Electronic Data Interchange). Für sämtliche Anwendungen weltweit ist die Abteilung Corporate IT in Metzingen verantwortlich.
Seit Anfang der 90er Jahre bildet SAP R/3 das informationstechnische Rückgrat des Unternehmens für die Auftragsbearbeitung, Materialwirtschaft, Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung. Im Jahr 2000 beschritt Storopack neue Wege im Vertrieb und richtete für seine Standardverpackungen einen Online-Shop ein. Da sich das Unternehmen damals nicht vorstellen konnte, dass die Kunden mit ihren Anfragen auf das produktive System zugreifen und es damit womöglich zu stark belasten, fiel die Entscheidung zugunsten eines “vorgeschalteten” Rechners, auf dem eine Internet-Lösung auf Basis der Java-Software IMPRESS/OIS lief.
Für die Prozessintegration zwischen SAP R/3 und dem Internet war der SAP-Partner NEO aus Hannover verantwortlich. Er entwickelte eine komfortable Anbindung, die den Kunden und Interessenten umfangreiche Such- und Informationsmöglichkeiten bot. Der “Verpackungswegweiser”, wie der Storopack-Shop heißt, mauserte sich rasch zu einer wichtigen Adresse. Ein erheblicher Nachteil waren allerdings die langen Ladezeiten der Java-Anwendung. Zudem gestaltete sich die Weiterentwicklung schwierig, da es bei Storopack an Java-Know-how fehlte.

Mehr Service für die Kunden

Im Jahr 2004 entschloss sich das Unternehmen, mySAP ERP einzuführen, um ein zukunftsfähiges Fundament für den Online-Vertrieb zu schaffen. Die Lösung auf der Technologie-Plattform SAP NetWeaver bietet ein umfangreiches, vollständig integriertes Funktionsportfolio auf Basis von Web-Services und ermöglicht es unter anderem, Geschäftspartner anzubinden. Dabei hatte die Implementierung von mySAP Customer Relationship Management mit Schwerpunkt Internet Sales und Kampagnenmanagement Priorität.
Im Januar 2005 startete Storopack in enger Zusammenarbeit mit der Sparte “Packaging Division Deutschland” ein Projekt namens “Direkt@Online”, um das Direkt- und Internetgeschäft zu intensivieren. Dem Unternehmen kam es vor allem darauf an, den “Verpackungswegweiser” künftig vollständig in SAP abzubilden und umfangreiche Marketing- und Servicefunktionalitäten zur Verfügung zu stellen. Der bestehende Shop sollte abgelöst werden, um die Vertriebsplattform künftig mit eigenem SAP-Know-how betreiben und weiter entwickeln zu können.

Großes Umsatzpotenzial

Ziele und Erfolgsfaktoren

Ziele und Erfolgsfaktoren

Nachdem im März 2005 die Ergebnisse einer Vorstudie vorlagen, begann die Einführung von mySAP CRM 4.0. Im ersten Schritt bis Ende September 2005 ging es darum, die Auftragserfassung zu implementieren und die Voraussetzungen für Marketing-Kampagnen zu schaffen. Durch die vollständige Integration des “Verpackungswegweisers” mit dem Backend werden Kundenaufträge nun automatisch in SAP angelegt.
Die Tests mit personalisierten E-Mail-Kampagnen und Newslettern verliefen erfolgreich und erzielten Rücklaufquoten von bis zu 25 Prozent. Angesichts von 25.000 Abonnenten und 10.000 weiteren Storopack-Kunden ist das Potenzial für Direktumsätze immens, insbesondere bei kleineren und mittelgroßen Firmen. Aber auch Großkunden sollen angeregt werden, Standardprodukte über das Internet zu bestellen. Dabei sind die Funktionen für das Cross-Selling hilfreich, mit denen Storopack seine Kunden bei Anfragen auch auf ergänzende Produkte und Dienstleistungen aufmerksam macht. Bestellt ein Kunde beispielsweise Kartons, so “fragt” ihn der Online-Shop automatisch, ob er womöglich auch Klebeband oder Luftpolsterfolie benötigt.

Transparenz aus einem Guss

Die neue Vertriebsplattform ist seit Anfang Februar 2006 produktiv und bringt Vorteile für beide Seiten. Storopack ist damit in der Lage, seine Direktmarketingmaßnahmen nun auf der Grundlage einheitlicher Daten transparent und prozessorientiert durchzuführen. Und da die Medienbrüche beseitigt sind, können auch die Kunden komfortabler im Shop navigieren. Durch die enge Verknüpfung mit SAP reichen bereits wenige Mausklicks, um die gewünschten Produkte zu finden und zu bestellen. Storopack besitzt damit in Mitteleuropa ein umfassendes Regel- und Steuerwerk für alle Informationen und Abläufe rund um den Kunden.
Gleichzeitig ist mit der Lösung die gesamte Wertschöpfungskette von der Bestellung bis zu Kommissionierung und Versand abgebildet. Aufträge lassen sich automatisch anlegen, die Verfügbarkeit der Ware wird elektronisch geprüft und Cross-Selling-Produkte werden ermittelt. Der Newsletter ist mit dem Online-Shop verlinkt, so dass die auf kürzestem Weg bestellen können. Mit dem “Ordertracking” steht zudem die Möglichkeit zur Verfügung, Bestellvorgänge zu verfolgen und somit jederzeit festzustellen, welchen Status der Auftrag hat. Im Shop stöbern können übrigens auch Interessenten, die nicht als Kunden registriert sind. Notwendig ist die Registrierung erst für eine Bestellung.
Um die Kunden bei ihren Internet-Transaktionen weiter zu unterstützen, will Storopack seinen “Verpackungswegweiser” mit zusätzlichen Funktionalitäten ausstatten. Künftig können sie unter anderem ihre Einkaufshistorie abfragen und erfahren auf diesem Weg, welche Produkte sie wann bestellt haben. Außerdem soll die Bezahlung mit Kreditkarte möglich sein.
Nach der Einführung der elektronischen Vertriebsplattform in Deutschland werden 2006 schrittweise weitere Landesversionen für die Schweiz und die Benelux-Staaten folgen. In diesem Jahr steht auch der Release-Wechsel auf mySAP ERP an. Mögliche Folgeprojekte bei Storopack sind die Einführung eines kompletten Kundenbeziehungsmanagements und die Implementierung von SAP Business Information Warehouse.

Thomas Mühleisen

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