Der offene Dialog bringt beide Seiten voran

Feature | 22. September 2003 von admin 0

Stefan Kneis

Stefan Kneis

Herr Kneis, wie hat sich die Beziehung zwischen der SAP und der ASUG in den vergangenen Jahren entwickelt und wo liegen heute die Besonderheiten?

Kneis: Die Beziehung hat sich sehr positiv entwickelt. Dabei haben beide Organisationen ihren Beitrag geleistet. Als Beispiel möchte ich insbesondere das neu entwickelte “Influence Model” nennen, mit dem wir der ASUG und ihren Mitgliedern verschiedene Möglichkeiten bieten, künftige Lösungen von SAP mit zu gestalten.

Ich halte es im Hinblick auf den Erfolg der SAP im nordamerikanischen Markt für entscheidend, dass wir uns frühzeitig mit unseren Kunden über Weiterentwicklungen unterhalten. Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Produktstrategie an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten. Wichtig ist dabei eine pro-aktive Zusammenarbeit mit der ASUG, die wir bereits sehr früh in die Planung und das Design neuer Lösungen einbeziehen. Wir wollen nicht erst auf das Feedback warten, das unsere Kunden geben, wenn die Lösung bereits produktiv ist.
Besonderst stolz bin ich auf die Geschäftsbeziehung, die wir in den vergangenen Jahren mit ASUG aufgebaut haben. Wir kommunizieren offen miteinander und sind immer bestrebt, die strategischen Ziele des jeweiligen Partners zu unterstützen.

Worauf kommt es Ihrer Meinung nach vor allem an, um ein Vertrauensverhältnis zwischen der SAP und ihren Anwendern zu etablieren?

Kneis: Aus meiner Sicht ist dies zunächst einmal ein fundiertes Verständnis der relevanten Geschäftsprozesse bei unseren Kunden sowie der entsprechenden SAP-Lösungen. Aus diesem Grund arbeiten wir in der Regel eng mit den Teams im Product Management unserer Entwicklungsgruppen zusammen. Denn gerade das Experten-Know-how aus erster Hand ist es, was die ASUG-Mitglieder so sehr am Dialog mit SAP schätzen. Die Bereitschaft, offen miteinander zu kommunizieren, ist eine weitere Grundvoraussetzung. Anwender wollen ernst genommen werden, zumal sie in aller Regel eine langfristige Beziehung mit der SAP eingehen. Sie erwarten deshalb auch, dass die bereits im Markt etablierten SAP-Lösungen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dies bedeutet nicht, dass alle Anregungen und Ideen immer direkt umgesetzt werden können. Wichtig ist jedoch, dass wir unser Feedback zeitnah kommunizieren. All diese Punkte unterstützen letztendlich unser Ziel, unseren Kunden gegenüber als Trusted Advisor aufzutreten.

Wie sieht dabei Ihre persönliche Rolle aus?

Kneis: Ich stehe im ständigen Dialog mit dem Präsidenten, dem Vorstand und der Zentrale der ASUG, die für die operative Durchführung aller ASUG-Programme zuständig ist. Gemeinsam stimmen wir unsere Prioritäten ab und initiieren neue Projekte. Das Liaison Team koordiniert dabei die Zusammenarbeit der einzelnen ASUG-Gruppen mit den verschiedenen SAP-Organisationen. Da ich persönlich in die strategische Planung der ASUG einbezogen bin, habe ich die Chance, deren künftige Prioritäten mitzugestalten und diese mit den Planungen der SAP abzustimmen. Dadurch ist sichergestellt, dass wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten: Mehrwert für die ASUG und damit für unsere Kunden zu schaffen.

Was sind beispielsweise Prioritäten für die ASUG?

Kneis: Ein zentrales Anliegen des ASUG-Vorstands ist es, das weitere Wachstum der Organisation sicherzustellen und die Programme an die Bedürfnisse ihrer Mitglieder anzupassen. Viele Firmen haben mittlerweile einen hohen SAP-Implementierungsgrad erreicht und suchen nach Möglichkeiten, noch mehr Nutzen aus ihren Lösungen zu ziehen.

Zum anderen möchte die ASUG mehr Programme für das Top Management anbieten. In diesem Punkt ist uns bei der diesjährigen Jahreskonferenz in New Orleans mit dem so genannten CIO/CTO-Forum ein erfolgreicher Start gelungen.

Was sind die wichtigsten Aktivitäten der SAP, um die Zusammenarbeit mit der ASUG zu fördern?

Kneis: Neben dem ASUG Liaison Team als Bestandteil von SAP America sind dies insbesondere die intensiven Kontakte, die das Product Management unserer Entwicklungsbereiche zu den einzelnen ASUG-Gruppen unterhält. Ohne diese Unterstützung könnten viele Programme nicht erfolgreich durchgeführt werden, insbesondere solche, in denen es darum geht, künftige SAP-Lösungen mit zu gestalten. Die direkte Zusammenarbeit mit den einzelnen Entwicklungsteams gewährleistet außerdem eine schnelle und effiziente Kommunikation. Des Weiteren stellen wir dadurch sicher, dass der Input von den ASUG-Mitgliedern möglichst im Einklang mit dem Entwicklungszyklus der einzelnen SAP-Lösungen liegt.

Darüber hinaus arbeiten wir zurzeit gemeinsam an einem neuen Konzept, den so genannten ASUG- und SAP-Foren, die im Oktober und November 2003 erstmals stattfinden. Diese Veranstaltungsreihe wird von beiden Organisationen gemeinsam geplant und durchgeführt. Wir möchten dabei den traditionellen Wirkungskreis der ASUG erweitern, der sich bisher im Wesentlichen auf das technische SAP-Implementierungsteam beschränkt. Wir wollen zusätzlich auch Verantwortliche der einzelnen Geschäftsprozesse, beispielsweise im Supply Chain Planning, ansprechen und diese vermehrt für ASUG-Aktivitäten gewinnen. Außerdem stehen die Foren nicht nur heutigen ASUG-Mitgliedern offenen, sondern allen SAP-Kunden sowie potenziellen künftigen Kunden, die sich momentan in der Evaluierungsphase befinden.

Welche Themen brennen den Anwendern besonders auf den Nägeln?

Kneis: Zurzeit stehen meines Erachtens zwei Schlagworte ganz oben auf der Liste: Mit SAP-Lösungen die Total Cost of Ownership zu verringern sowie den Return on Investments zu quantifizieren und zu maximieren. Vor diesem Hintergrund besteht ein großes Interesse am Thema SAP R/3 Enterprise. Unsere Kunden erwarten, dass sich mit dieser Lösung die laufenden Betriebskosten ihrer SAP-Infrastruktur optimieren lassen. Dies ist durch das flexiblere Upgrade-Konzept von SAP R/3 Enterprise zweifelsohne auch der Fall. Dennoch hat uns gerade ASUG in den letzten Monaten deutlich kommuniziert, dass wir unsere Kunden noch besser dabei unterstützen müssen, den Business Case für ein Upgrade-Projekt zu erarbeiten. Das Thema “Wie kann ich noch mehr Nutzen aus meiner SAP-Installation ziehen?” ist im momentanen wirtschaftlichen Umfeld hier in den USA ebenfalls sehr wichtig.

Wie reagiert die SAP auf die Fragestellungen und wie setzt sie die Anregungen der ASUG um?

Kneis: Das ist von Fall zu Fall verschieden. Allgemein lässt sich sagen, dass wir versuchen, die jeweiligen Experten von SAP mit den ASUG-Vertretern an einen Tisch zu bekommen. Beim Thema “Business Case für den Upgrade auf R/3 Enterprise” haben wir eng mit dem Team der globalen ERP-Initiative sowie SAP America zusammengearbeitet und das Wertangebot eines Upgrades aufgrund des Feedbacks der ASUG weiter verfeinert. Des Weiteren hat uns ASUG in diesem Zusammenhang auch deutlich gemacht, dass wir in unserer Vertriebsorganisation einen besseren Kenntnisstand über die verschiedenen Upgrade-Optionen sowie ihrer jeweiligen Vorteile sicherstellen müssen.

Für unsere künftige Strategie im Bereich mySAP ERP ist es wichtig, die aktuellen Bedürfnisse und Herausforderungen unserer Kunden in Nordamerika mit den Zielen der SAP in Einklang zu bringen. Deshalb wird diese Diskussion auch einen wichtigen Platz beim jährlichen Treffen des ASUG-Vorstandes mit dem Topmanagement der SAP in Walldorf Anfang Oktober einnehmen.

Welche konkreten Ergebnisse sind bei der Zusammenarbeit mit der ASUG aktuell zu verzeichnen?

Kneis: Es ist nicht einfach, hier auf Details einzugehen. Diese liegen als Ergebnisse der einzelnen Influence Councils vor und sind in viele künftige Produkt- und Serviceangebote der SAP eingeflossen. Deshalb möchte ich eher eine Bewertung der Zusammenarbeit vornehmen. Das von mir bereits mehrfach angesprochene Influence-Modell hat meiner Meinung nach noch viel Potential. Wir haben hier zwar eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zur Situation vor 18 Monaten erreicht. Damals lag der Fokus der ASUG ausschließlich auf SAP R/3, teilweise sogar auf einem nicht aktuellen Release-Stand. ASUG investierte daher viel Energie, um Entwicklungsanträge für Lösungen zu formulieren, deren Reifegrad bereits weit fortgeschritten war und deshalb nicht im Blickwinkel unserer Entwicklung lagen. Wir haben dies gemeinsam dahingehend geändert, dass ASUG heute viel stärker auch in die Definition unserer neuen Produkte eingebunden ist. Des Weiteren haben wir den Fokus von ASUG über die rein produkttechnische Sicht auf Service- und Supportangebote der SAP erweitert und somit auch zu diesem Bereich wichtiges Feedback erhalten.

Allerdings möchte ich mich damit nicht zufrieden geben. Das erstmals im Rahmen der diesjährigen ASUG-Jahreskonferenz abgehaltene CIO/CTO-Forum war beispielsweise ein erfolgreicher Anfang des Dialogs auf Managementebene, moderiert durch die ASUG. Wir bauen dieses Konzept gerade aus und werden im Rahmen der ASUG- und SAP-Foren in diesem Herbst weitere so genannte Executive Exchanges durchführen. Das Ziel dabei ist eindeutig, die langfristigen Strategien abzustimmen.
In den Influence Councils wollen wir den Schwerpunkt neben dem Thema ERP noch stärker auf unsere Technologie- sowie collaborativen Lösungen legen. Deshalb binden wir die ASUG-Mitglieder auch stärker in das erfolgreiche Ramp-up-Programm der SAP ein. Dieses bietet eine hervorragende Möglichkeit, an der künftigen Gestaltung von SAP-Lösung mitzuarbeiten. ASUG hilft uns, Teilnehmer für das Ramp-up-Programm zu gewinnen. Idealerweise schließt sich hier der Kreis und die Firmen, die das zukünftige Produkt in seiner Entwicklungsphase mitdefiniert haben, erproben ein neues Release auch frühzeitig in der Praxis.

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