Der Omnichannel-Traum

Feature | 26. Februar 2014 von Andreas Schmitz 0

Foto: Shutterstock

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Apple-Chef Tim Cook hat die Post-PC-Ära ja schon längst eingeläutet. Doch jetzt manifestiert sie sich auch in Statistiken. In der aktuellen W3B-Studie des Hamburger Marktforschers Fittkau & Maaß Consulting dominiert das Laptop, gefolgt von Smartphone und PC, die etwa auf gleicher Höhe liegen. Das Tablet holt auf, doch sieht die Geschäftsführerin des Marktforschers, Susanne Fittkau, das Gerät besonders in der Generation 60 plus, unter den Silver Surfern. Dem Abgesang auf die Mulitscreen-Ära erteilt Fittkau eine Absage: „Egal in welchem Alter: Sämtliche Geräte kommen zum Einsatz“, sagte sie auf der E-Commerce-Messe Internet World in München. Wobei auffällt, dass schon vier von fünf Schülern und jungen Erwachsenen bis 20 Jahre über ein Smartphone verfügen.

Nicht ganz einfach machen es die Multiscreens den Anwendern, den Unternehmen und Shop-Betreibern, die möglichst auf dem Smartphone, auf dem Desktop wie auch dem PC ihre Produkte verkaufen wollen. So wie die Schwab Versand GmbH aus Hanau. Der Leiter des E-Commerce Platform Management Matthias Eckert berichtet von drei unterschiedlichen Shops in einem Haus: einem für den PC, einem für das Smartphone und einem fürs Tablet. Dass das nicht die Lösung der Zukunft sein kann, ist klar – schon allein aus Kostengründen

Amazon und H&M bestehen Reality-Check

Stattdessen setzt sich das so genannte responsive Design durch: Shop-Anwendungen sind so programmiert, dass sie ihre Inhalte auf die Bildschirmgröße des Ausgabegeräts angepasst ausgeben. Der Vorteil liegt auf der Hand, wie ein Reality-Check bei Schwab bestätigte. Amazon, Otto, Zalando, SportScheck und H&M untersuchten Mitarbeiter von Matthias Eckert etwas genauer. Sie probierten aus, ob die verschiedenen Kanäle aufeinander abgestimmt sind. Einfach ausgedrückt: Ob der Kunde, wenn er ein Produkt per Smartphone in den Warenkorb gelegt und auf dem Tablet noch ein zweites dazugelegt hat, letztlich abends zuhause am PC bezahlen kann. Nur Handelsriese Amazon und Modediscounter H&M bestanden den Test, der zeigt, dass selbst viele Online-Profis ihre Kanäle noch nicht restlos im Griff haben. Da allerdings zwei Drittel der Kunden in der Regel auf einem anderen Device erst einmal Informationen einholen, ehe sie es auf einem anderen Device kaufen, sind durchgängige Prozesse ein Muss im Wettbewerb.

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Nach einer zur Internet World veröffentlichten Studie von ibi Research sind es gar nicht mal die täglich präsentesten Geräte, die künftig für das Online-Shopping genutzt werden. Die Spielekonsole, der Fernseher, das E-Book und der MP3-Player rangieren in der Wachstumserwartung der über 800 befragten Online-Experten aus Deutschland vor dem Smartphone.  Beim Tablet rechnen die Befragten gar mit sinkender Akzeptanz (minus ein Prozent), während der PC eine zunehmend geringere Rolle spielen wird (minus 20 Prozent).

Selbst vor dem Fernseher, so die Studie von Fittkau & Maaß Consulting, können mehr als die Hälfte der Zuschauer die Hände nicht von Smartphones oder Laptops lassen. Jeder zehnte so genannte Second-Screen-Nutzer reagiert auf Werbung und Aufrufe in der Sendung. 17 Prozent holen sich parallel zum Fernsehschauen Produktinformationen und jeder Zwanzigste kann sich vorstellen, Produkte zu kaufen.

Mobiler Einkauf vor allem von der Wohnzimmer-Couch

Ein Vorteil für die Konsumenten ist es, zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen, denn – auch das zeigte die Fittkau-Maaß-Studie – die meisten mobilen Einkäufe (28,8 Prozent) werden vom Wohnzimmersofa aus getätigt. Da ist es nicht nur am bequemsten, sondern mit dem eigenen WLAN aktuell auch am schnellsten– auf jeden Fall so lange, bis der Hochgeschwindigkeitsfunk LTE in der Breite genutzt werden kann.

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