Der Schlüssel für komplexe Lieferketten und –Netzwerke

Feature | 3. Mai 2004 von admin 0

Nach Ansicht der Analysten von Yankee Group steht für 2004 bei vielen Unternehmen die Radio Frequency Identification (RFID) und die Datensynchronisierung durch das Global Registry von UCCnet (Uniform Code Council Net) an erster Stelle der Liste der zu erledigenden IT-Aufgaben. Diese Technologien gelten als wesentliche Voraussetzung für eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit im Business-to-Business-Bereich. Ohne diese Technologien lassen sich die komplexen Wertschöpfungsketten, an denen viele interne und externe Partner angeschlossen sind, nicht steuern. “Es gilt, die Automatisierung in den “Randbereichen” der Unternehmen voranzutreiben”, erläuterte Kosin Huang, Senior Analyst bei der Yankee Group. Der Begriff des Supply Chain Management (SCM) wird seiner Ansicht nach derzeit durch “Network Supply Management” (NSM) oder auch “Extended Supply Chain” ersetzt. Diese “Extended Supply Chain” bedingt es beispielsweise, dass Lieferanten und Händler auf elektronischem Weg und in Echtzeit miteinander kommunizieren. RFID und UCCnet, der branchenspezifische Datenaustauschstandard für die Einzelhandels- und Konsumgüterindustrie, ermöglichen diese Art der Interaktion.
Das Resultat einer Umfrage von Yankee Group unter 450 Unternehmen in den USA bestätigt den Trend, Aufgabenstellungen rund um SCM bei den IT-Investitionsplänen für 2004 den ersten Platz einzuräumen. “In jedem Bereich außer bei der Edge-Technologie wurden die Ausgaben verringert”, resümiert Michael Dominy, Senior Analyst bei Yankee Group. Im Jahr 2003 gaben die Unternehmen 34 Prozent des IT-Budgets für Anwendungen im “Unternehmensrandbereich” aus – der größte Posten bei IT-Ausgaben. 36 Prozent der befragten Unternehmen haben nicht vor, im Jahr 2004 Lösungen oder Produkte für das Enterprise Resource Planning (ERP). Bei 43 Prozent stehen keine SCM-Applikationen auf der Wunschliste. Nach Aussage Dominys verfügen diese Unternehmen bereits über eine SCM-Lösung – die es jetzt aber gilt, komplett auszunutzen und beispielsweise durch Edge-Applikationen zu optimieren.
In der Konsumgüterindustrie (CPG) und bei Regierungsbehörden beispielsweise liegen die Steigerungsraten für Edge-Technologien deutlich über denen der restlichen IT-Ausgaben. So ermittelte Yankee Group im CPG-Bereich für 2003 und 2004 einen Anstieg der Gesamtausgaben für IT in Höhe von 13,6 Prozent. Bei Edge-Applikationen liegt diese Rate bei 21,3 Prozent. Bei den Regierungsbehörden legten die Gesamtausgaben für IT im selben Zeitraum um 3,7 Prozent zu, die Ausgaben für Edge-Technologien hingegen um 7,5 Prozent. Die Zielsetzung bei den Regierungsbehörden war hierbei, den Bürgern bestimmte “Amtsgänge” zu erleichtern. So wurden vielerorts etwa Möglichkeiten geschaffen, den Führerschein auf elektronischem Weg über das Internet zu verlängern.

Unerlässliche Technologien

Die Analysten von Yankee Group gaben während einer Konferenz auch einen Überblick, wie Unternehmen den Übergang zu einer RFID-basierten Supply Chain am besten bewerkstelligen. Das Global Registry von UCCnet ist ein entscheidendes Element eines NSM-Gefüges. Als Online-Hub werden dort permanent aktuelle Produktionsdaten zwischen Herstellern und Kunden ausgetauscht. RFID wird sich nach Ansicht von Yankee Group durchsetzen, da bereits einige große Unternehmen die Technologie implementiert haben und weil allen Unternehmen der Wunsch gemeinsam ist, die Geschwindigkeit der Lieferkette zu erhöhen. Als entscheidender Faktor im Wettbewerb gilt die Fähigkeit, die die Produkte entlang der Lieferkette zu jeder Zeit verfolgen zu können. RFID ist hierfür technologische Voraussetzung.
Zu den ersten viel zitierten Anwendern der RFID-Technologie in den USA zählen Wal-Mart und dessen Lieferanten, Target, das Verteidigungsministerium, Procter & Gamble sowie Albertson’s, in Europa Metro und Tesco. Laut Michael Dominy experimentieren viele weitere Unternehmen mit RFID – darunter große Nahrungsmittel- und Getränkeketten, mindestens ein großes Luft- und Raumfahrtunternehmen, ein globales Handelsunternehmen und mehrere Heimwerkerfirmen. Diese Unternehmen wollen ihre Strategie aber noch nicht offen legen, da sie sich einen Wettbewerbsvorteil von ihrem Schweigen erhoffen.
Bis 2008, so die Prognose von Yankee Group, werden die Unternehmen rund 4,2 Milliarden US-Dollar für RFID-Technologien und Services ausgeben. 50 Prozent davon entfallen auf die RFID-Tags selbst, 40 bis 45 Prozent entfallen auf Services wie etwa die Systemintegration.

Einsatzstrategien

Yankee Group empfiehlt drei mögliche Einsatzstrategien für RFID und nennt diese “compliance”, “conservative” und “committed”. Ein Unternehmen mit einem Ertrag von fünf Milliarden US-Dollar, dass sich voll und ganz in die RFID-Technologie stürzen will, muss nach Schätzung von Yankee Group rund 30 Millionen Dollar für die entsprechende Lösung hinblättern. Bei einer eher konservativen Verwendung in etwa fünf bis sieben seiner Distributionszentren muss dieses Unternehmen mit einer Investition in Höhe von sieben bis zehn Millionen Dollar rechnen. Findet RFID in einem bis drei der Zentren Verwendung, so belaufen sich die Kosten auf ein bis zwei Millionen Dollar.
Als Hauptvorteile von RFID nennt Yankee Group

  1. eine Verbesserungen der internen Lieferkette, wie etwa optimierte Lagerbestände und bessere Anlagenverwaltung,
  2. eine Verbesserungen der erweiterten Supply Chain, wie beispielsweise bessere Sichtbarkeit der Güter auf dem Transportweg und
  3. eine Verbesserungen der kollaborativen Planungs- und Ausführungsprozesse, die Dominy als den “heiligen Gral” des Supply Chain Managements bezeichnet. Dazu zählt etwa, dass Produkte auf der einen Seite so kurz wie möglich in den Regalen der Warenhäuser stehen, auf der anderen Seite aber optimal verfügbar sind.

UCCnet bringt Handelspartner zusammen

Ein großer Teil der Konferenz war dem Global Registry von UCCnet und der Bedeutung der Datensynchronisierung für ein erfolgreiches NSM-System gewidmet. “Die Datensynchronisierung ist eine bedeutende Grundlage für kollaborative Strategien ”, so Kosin Huang. Viele Unternehmen – sowohl Hersteller als auch Händler – haben ein kostenintensives Problem mit der Datensynchronisierung. Etwa 30 Prozent der Herstellerinformationen in den Produktkatalogen der Händler sind falsch. Einen dieser Fehler zu beheben, kostet zwischen 60 und 80 Dollar. Zudem sind 60 Prozent aller gestellten Rechnungen fehlerhaft. In diesen Fällen kostet es zwischen 40 und 400 Dollar den Fehler zu beheben.
Mit dem Global Registry von UCCnet sollen diese Fehler künftig vermieden werden. Dem zentralen Verzeichnis für aktualisierte Daten liegt die Extensible Markup Language-Technologie (XML) zu Grunde. Diese ermöglicht dem UCCnet, Informationen zwischen Kunden und Handelspartnern auszutauschen, denn XML ist unabhängig von der jeweils verwendeten Applikation. UCCnet zählt derzeit 3000 Teilnehmer – ein entscheidender Schritt in Richtung kritische Größe im Vergleich zu 50 Teilnehmern vor zwei Jahren. Allerdings nutzen die Teilnehmer die Technologie noch nicht allzu intensiv, räumt Huang ein – nur etwa ein Prozent des weltweiten Vertriebs bedient sich derzeit des Netzwerks.
Dominy und Huang boten Unternehmen, die rasch über RFID oder andere Edge-Applikationen verfügen wollen, eine Reihe von Empfehlungen, wie sich ihre SCM-Lösung rationalisieren und optimieren und in ein umfassendes NSM-System umwandeln lässt. So sollten diese Unternehmen noch im laufenden Jahr ihre Daten bereinigen, eine NSM-Strategie definieren die RFID-Technologie intern bewerten. Für den Zeitraum 2005 bis 2008 könne dann die Implementierung einer RFID-Lösung und der Ausbau der Supply Chain auf ein komplexes NSM-System in Angriff genommen werden.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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