Die Bank gewinnt (1)

Feature | 20. Januar 2003 von admin 0

Profil

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Die Jahre vor der Jahrtausendwende waren für die Zuger Kantonalbank sehr erfolgreich. In einem positiven Geschäftsumfeld vermeldete das Geldinstitut jedes Jahr wachsende Erträge bei stabilen Kosten. Die steigenden Umsätze wurden jedoch IT-seitig mit vergleichsweise alten, weitgehend eigen entwickelten Host-Anwendungen erwirtschaftet, die nicht mehr ausbaufähig waren und sich dem Ende ihres Lebenszyklus näherten. Zudem zeichnete sich ab, dass der Bankenmarkt der Zukunft auch für die Zuger Kantonalbank große Herausforderungen bereithält.
Der moderne Bankkunde ist anspruchsvoller, informierter, technisch versierter und verfügt im Schnitt über ein höheres Bildungsniveau. Um seinen Bedürfnissen zu entsprechen, benötigt der Bankbetrieb hocheffiziente IT-Lösungen, moderne Führungsinstrumente sowie individuelle Kundenlösungen. Die Systeme müssen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche verfügbar sein. Zudem gilt es neue Vertriebskanäle zu integrieren und die erhöhten Anforderungen an die Corporate Governance zu erfüllen. Will eine Bank im Wettbewerb die Nase vorn haben, muss sie all diesen Herausforderungen mit immer geringeren Kosten begegnen und die Time-to-Market neuer Lösungen verkürzen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, entschloss sich die Zuger Kantonalbank (ZGKB), ihre bestehenden IT-Systeme durch zukunftsgerichtete neue Anwendungen zu ersetzen.

Eigenentwicklung kommt nicht in Frage

Bei der Evaluierung der Möglichkeiten wurde den Verantwortlichen rasch klar, dass eine kleinere Bank wie die ZGKB eine solche Plattform nicht aus eigener Kraft entwickeln kann. Die meisten angebotenen Lösungen von Kooperationen oder grösseren Bankinstituten schieden ebenfalls aus. Sie beruhten auf Konzepten, die in den siebziger oder achtziger Jahren entwickelt wurden.
Die Überlegungen der ZGKB mündeten im Jahr 2000 in den folgenden Kernsatz für die IT-Strategie: “Die ZGKB will innert fünf Jahren auf eine neue IT-Plattform, welche modular und offen ist und auf Standard-Software basiert.” Da die ZGKB bereits gute Erfahrungen mit SAP R/3 im Rechnungswesen und im Controlling gemacht hatte, fiel die Entscheidung zugunsten einer Bankenlösung von SAP. Außerdem sagte SAP verbindlich zu, die in Deutschland schon im Einsatz befindlichen Systeme für das Core Banking an Schweizer Verhältnisse anzupassen und weiterzuentwickeln. Als Pilotkunde sah die ZGKB hier die Chance, diese Weiterentwicklung wesentlich zu beeinflussen.

Starke Partnerschaften

Für die Umsetzung des Projekts, sah sich die ZGKB zunächst nach geeigneten und erfahrenen Partnerunternehmen um. Die Wahl des Implementierungspartners fiel auf CSC Ploenzke (heute CSC). Ausschlaggebend hierfür war zum einen, dass CSC seit 1999 im Outsourcing die IT-Entwicklung der ZGKB betreibt. Seitdem bestehen enge Beziehungen zwischen der Bank und dem Beratungsunternehmen. Zum anderen konnte CSC bereits Erfahrung mit ähnlichen Implementierungsprojekten in Deutschland vorweisen. Als dritter Partner nach SAP und CSC kam im Verlauf des Projekts die IBM hinzu, die am Standort Winterthur die UNIX-Systeme der ZGKB hostet. An der Seite dieser Partner startete die ZGKB im März 2000 das Projekt “fit.com”. Im Sommer 2001 nahm das Geldinstitut zunächst einige SAP-Module sowie die Infrastruktur bei der IBM in Winterthur in Betrieb.

Komplette Plattform erfolgreich eingeführt

Übersicht Bankenplattform

Übersicht Bankenplattform

Im April 2002 ging die Bank mit der kompletten Plattform live. Die ZGKB verfügt damit über eine der modernsten Bankenplattformen auf dem Markt. Den Kern der Lösung bilden die SAP-Komponenten Zentraler Geschäftspartner ZGB mit den Kundendaten, die Kontoführung mit BCA (Bank Customer Accounts) das Rechnungswesen mit FI/CO und das Controlling mit SAP SEM. Dieser Kern wird durch die SAP-Komponenten für die Geld- und Devisenhandelsabwicklung FX/MM und das SAP Business Information Warehouse (SAP BW) ergänzt. Der Unix-basierte, zentrale Bewegungsdatenbus ADD von CSC bildet die Buchungslogik ab, übernimmt das Formatmapping und die Leitwegsteuerung des Zahlungsverkehrs. Da alle Bewegungen der Plattform über diesen ADD geleitet werden, konnte die ZGKB darauf verzichten, unzählige Punkt-zu-Punkt-Verbindungen herzustellen. Die Plattform ist dadurch modular, offen und flexibel. Als Archivlösung führte die Zuger Kantonalbank eine SAP-zertifizierte IXOS-Applikation ein. Die Implementierung der neuen Plattform erschöpfte sich jedoch nicht in der Einführung von SAP-Komponenten. Eine der Herausforderung des Projekts bestand darin, die neuen Anwendungen in eine Vielzahl bestehender Bankapplikationen zu integrieren. Das Projektteam konnte den komplexen Systemwechsel in der relativ kurzen Zeit von zwei Jahren bewältigen. Der Produktivbetrieb lief anschliessend sehr erfolgreich an.
Nach einem halben Jahr Betrieb zeigt sich, dass die Lösung eine hohe Stabilität aufweist und von den Anwendern sehr geschätzt wird. Mit dem abgeschlossenen Projekt fit.com wurden jedoch nur die Basisanwendungen der Bank erneuert. In den kommenden zwei bis drei Jahren, löst die ZGKB die heute noch bestehenden Hostsysteme für Wertschriften, Kredit und Kartenverwaltung ab.

Manfred Philipp

Manfred Philipp

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