Die Cloud-Pläne der SAP

8. November 2013 von Karen Master 0

Photo: SAP

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Beim Thema Cloud scheint sich die Presse einig zu sein: SAP ist ein Anbieter von Unternehmenslösungen. SAP ist teuer. SAP verpasst den Anschluss an die Cloud. Nun, da sich die Übernahme von Ariba zum ersten Mal jährt, zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Mit einem umfassenden Cloud-Portfolio und einer offensiven Marketing- und Verkaufsstrategie arbeitet die SAP daran, sich als weltweit führender Cloud-Anbieter zu positionieren.

Im Interview spricht Bob Calderoni, Mitglied des SAP Global Managing Board und President der Cloud-Sparte von SAP, über diesen Wandel und die Pläne für die Zukunft.

SAP.info: Bob, vor einem Jahr haben Sie die große Aufgabe übernommen, eine einheitliche Strategie für das Cloud-Geschäft der SAP zu entwickeln und das Cloud-Portfolio der nächsten Generation zu gestalten. Wie haben sich die Dinge entwickelt?

Neues, einheitliches Gebührenmodell für die Cloud

Bob Calderoni: Wir haben ein Team zusammengestellt und die organisatorischen Strukturen geschaffen, um eine einheitliche Cloud-Vision zu formulieren und umzusetzen. Unser Ziel war es außerdem, unsere Führungsposition bei den Cloud-Angeboten für die Geschäftsbereiche Personalwesen und Talentmanagement (HCM), Beschaffung und Lieferkette (SRM) sowie Vertrieb, Service und Marketing (CRM) auszubauen. Und unsere Fortschritte können sich durchaus sehen lassen. Wir haben ein neues, einheitliches Gebührenmodell für unsere Cloud-Lösungen eingeführt, und unser neues Cloud-Erweiterungsmodell soll die Kunden mit SAP-Landschaften motivieren, in unsere Cloud-Lösungen zu investieren. Wir haben eine gigantische Cloud-Kampagne gestartet, mit der wir bei den 1,7 Millionen Kontakten in unserem Kundenstamm und über zwei Millionen potenziellen Kunden Werbung für unsere bereichsspezifischen Cloud-Anwendungen machen möchten. Dazu führen wir eine Telefonkampagne durch, präsentieren unsere Lösungen in sozialen Medien und haben eine weltweite Werbekampagne geschaltet. Außerdem haben wir eine Reihe von ambitionierten Initiativen ins Leben gerufen, um auch unsere eigenen Mitarbeiter besser zu schulen und sie für das Thema Cloud zu begeistern. Unter anderem haben wir unser Cloud-Angebot, auch die Lösungen für einzelne Fachbereiche, auf unserer offiziellen Website stärker hervorgehoben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Technologieentscheidungen nicht mehr aus der IT-Abteilung

Darüber hinaus arbeiten wir mit Products and Innovation unter der Leitung von Vishal zusammen, um unser Cloud-Portfolio zu erweitern, unseren Kunden innovative und erstklassige Lösungen bereitzustellen und auf diese Weise unsere Führungsposition auszubauen.

Salesforce.com und Workday konnten sehr starke Umsätze vermelden. In welchen Bereichen muss sich die SAP noch mehr anstrengen, um die Nummer eins zu werden? Gibt es überhaupt etwas, was diesem Ziel im Wege steht?

Calderoni: Bei der Cloud geht es nicht mehr nur um IT-Lösungen. Hier ist ein neues Zeitalter angebrochen: Wichtige Technologieentscheidungen werden heute nicht mehr in der IT-Abteilung oder vom IT-Vorstand getroffen. Einer Prognose von IDC zufolge werden bis zum Jahr 2016 bei 80 Prozent der neuen IT-Investitionen Verantwortliche aus den Geschäftsbereichen direkt am Entscheidungsprozess beteiligt sein.

Unternehmen sehen in der Cloud heute eine Triebkraft für Innovation und schnelles Agieren. Im Gegensatz zu unseren kleineren Mitbewerbern können wir in dieser Hinsicht mit einem überzeugenden Angebot aufwarten. Seit über 40 Jahren arbeiten wir erfolgreich mit Unternehmen auf der ganzen Welt zusammen, von denen einige zu den wichtigsten Akteuren auf dem Markt zählen. Während andere Anbieter versucht haben, sich Nischenmärkte zu erschließen, sind die Lösungen von SAP ein zentrales Element der Systemlandschaft von Unternehmen und unterstützen dort sämtliche Geschäftsvorgänge. Unsere Kunden vertrauen uns seit vielen Jahren.

Social-Software-Plattform mit zehn Millionen Nutzern

Die Cloud-Lösungen von SAP sind „wie geschaffen fürs Geschäft“, und unsere Erfolge zeigen, dass wir diesem Anspruch auch gerecht werden:

  • Mit über 30 Millionen Nutzern verfügen wir branchenweit über den größten Nutzerkreis im Bereich Cloud-Lösungen. In den Unternehmen arbeiten mehr Nutzer mit den Cloud-Lösungen von SAP als mit Lösungen anderer Anbieter.
  • Wir verfügen über das umfassendste Cloud-Angebot für alle Fachbereiche, das die Anforderungen vom Kunden bis hin zu den Lieferanten abdeckt.
  • Über unsere führende Social-Software-Plattform arbeiten mehr als zehn Millionen Nutzer in Unternehmen zusammen. Das sind mehr Nutzer, als Chatter, Yammer und andere vorweisen können.
  • Wir betreiben das weltweit größte Geschäftsnetzwerk, über das mehr als eine Million Unternehmen jährlich Geschäfte im Wert von über 465 Milliarden US-Dollar abwickeln.
  • Die größten Cloud-Implementierungen der Welt, die teilweise von mehr als zwei Millionen Anwendern genutzt werden, arbeiten mit unserer Technologie.
  • Unser Anwendungsportfolio für die öffentliche Cloud ist in den Bereichen Personalwesen, Geschäftsnetzwerke und Zusammenarbeit über soziale Netzwerke führend. Auch unsere private Cloud-Umgebung ist führend im Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit.
  • Mit unserer Cloud-Plattform verfügen Unternehmen über den nötigen Handlungsspielraum für Innovationen und eine schnelle Anpassung ihrer Geschäftsprozesse.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie Unternehmen sich zum „Predictive Business“ entwickeln

Damit verfügen wir über das richtige Angebot, doch das ist noch längst nicht alles. Mit dem jetzigen Cloud-Team ist die SAP ein Jahr nach der Übernahme von Ariba und eineinhalb Jahre nach der Übernahme von SuccessFactors definitiv nicht mehr die SAP, die man von früher kennt. Wir sind ein Unternehmen, das über hervorragende Mitarbeiter, eine schlagkräftige Führungsmannschaft und Innovationsstärke verfügt und dessen Lösungen sich bei zahlreichen Kunden bewährt haben. Wo sonst auf der Welt sind so viele Spitzenkräfte in einem Unternehmen versammelt?

Das größte Hindernis für einen beispiellosen Erfolg in der Cloud sind also nur wir selbst. Wir haben alles, was wir für diesen Erfolg brauchen, und sogar noch mehr – wir müssen nur daran glauben und stärker als alle anderen an der Umsetzung unserer Ziele arbeiten.

SAP.info: Wie sieht die Zukunft der Cloud und damit auch die Marktposition von SAP aus?

Calderoni: In unserer permanent vernetzten Welt von heute können wir alles sehen und von allen gesehen werden, wir können mit allen kommunizieren, und die ganze Welt kann über uns kommunizieren. Wir können besser als je zuvor mit Kollegen und Partnern ein paar Häuser weiter oder am anderen Ende der Welt zusammenarbeiten und uns mit ihnen austauschen. Wir können Informationen aus unterschiedlichsten Netzwerken auswerten und Erkenntnisse daraus ableiten. So können wir aus der Vergangenheit lernen, dieses Wissen in der Gegenwart gewinnbringend nutzen und den Erfolgskurs für die Zukunft festlegen – und dies alles in Echtzeit. Die Geschäftswelt ist jedoch auch schnelllebiger als je zuvor. Und die SAP muss sich an dieses Tempo anpassen und den Unternehmen helfen, sich nicht nur an der Gegenwart zu orientieren, sondern sich auf die Zukunft auszurichten und diese aktiv zu ihrem Vorteil zu gestalten.

Flexibilität der Cloud mit Geschwindigkeit von In-Memory verbinden

Um sich einen Wettbewerbsvorsprung zu verschaffen und diesen auch zu behaupten, müssen Unternehmen durch die Analyse riesiger Datenmengen Risiken und Marktentwicklungen vorhersehen, ihren optimalen Kurs finden und diesen vor der Konkurrenz erfolgreich umsetzen. Sie müssen sich zu einem „Predictive Business“ weiterentwickeln. Das erfordert vier Dinge: den Bedienkomfort und die Flexibilität der Cloud, die Vernetzungs- und Analysemöglichkeiten sozialer und geschäftlicher Netzwerke, die Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit von In-Memory-basierten Datenbanken und Analyselösungen sowie die Zugriffsmöglichkeiten von mobilen Lösungen. Und die SAP ist das einzige Unternehmen, das in allen vier Bereichen gut aufgestellt ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Mit Social-Media-Analyse neuen Umsatz in Milliardenhöhe gemacht

SAP.info: Das klingt ein wenig nach einer Zukunftsvision. Wollen unsere Kunden das zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt?

Calderoni: Sie brauchen solche Lösungen. Unternehmen, die die Wünsche ihrer Kunden nicht präzise vorhersagen können, laufen Gefahr, dass die von ihnen entwickelten Produkte an den Bedürfnissen der Kunden und den Anforderungen des Marktes vorbeigehen. Wer mögliche Risiken in Zusammenhang mit Märkten, Rohstoffen und Lieferanten in seinen Lieferketten nicht erkennt, sieht sich nicht nur mit höheren Kosten konfrontiert, sondern auch mit entgangenen Geschäftschancen. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke müssen Unternehmen, die bei der Überwachung der Mitarbeiterleistung, bei der Unternehmenskommunikation und bei der Zusammenarbeit auf herkömmliche Methoden setzen, nicht nur mit einer verringerten Leistung, sondern auch mit dem Abwandern von Kunden rechnen. Unternehmen, die ihre Ausgaben nicht lückenlos analysieren können, sind weniger gut in der Lage, ihre Kosten zu senken und damit ihr Finanzmanagement besser zu steuern.

Ein „Predictive Business“ kann diese Risiken vermeiden und sich einen Vorsprung vor seinen Mitbewerbern verschaffen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Cisco. Die für das strategische Marketing des Unternehmens zuständige Abteilung wertete historische Daten und Kommentare in sozialen Medien aus, die von Kunden mit Kaufneigung und hoher Kaufbereitschaft veröffentlicht worden waren. Anhand dieser Auswertungen konnte die Vertriebsmannschaft den Umsatz um 4,2 Milliarden US-Dollar steigern.

Künstler gezielt in den Hitparaden platziert

EMI Music, die heutige Universal Music Group, analysierte Tausende von Datenpunkten, die täglich für die bei dem Plattenkonzern unter Vertrag stehenden Künstler erzeugt wurden und Aufschluss darüber geben, wie diese Künstler bei bestimmten Kundensegmenten ankommen. Auf diese Weise konnte ermittelt werden, welche relativ unbekannten Künstler besonders großes Marktpotenzial haben, und die Interpreten konnten durch entsprechendes Marketing in den Hitparaden platziert werden.

Unser Ziel ist es, Unternehmen weltweit zu besseren Abläufen zu verhelfen. Wir müssen es den Unternehmen daher ermöglichen, nicht nur in die Zukunft zu blicken, sondern bereits heute wie das Unternehmen von morgen zu agieren.

Autorin Karen Master ist Vice President des Bereichs SAP Cloud Communications.

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