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Die neue Rolle der IT-Spezialisten in der Industrie 4.0

21. Oktober 2014 von Bernd Leukert 0

Industrie 4.0 ist Fokusthema beim diesjährigen IT-Gipfel in Hamburg. Bernd Leukert, SAP-Vorstandsmitglied Produkte und Innovation, erläutert, welche Rolle IT-Spezialisten bei der vernetzten Steuerung von Wertschöpfungsnetzwerken spielen und welche neuen Qualifikationen benötigt werden.

Auf dem diesjährigen IT-Gipfel, der heute in Hamburg stattfindet, diskutieren Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Maßnahmen zur Stärkung des IT-Standorts Deutschland. Die Arbeitsgruppe 6, der ich auf dem diesjährigen IT-Gipfel der Bundesregierung gemeinsam mit Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, vorsitze, arbeitet an der Weiterführung der Bildungsinitiativen der vergangenen IT-Gipfel und startet die Initiative „Kompetenzentwicklung 4.0“. Hier soll im Rahmen eines branchen- und disziplinübergreifenden Dialogs geklärt werden, welche schnell wirksamen Maßnahmen ergriffen werden können, um adäquate Aus- und Weiterbildungsangebote für alle Ebenen der beruflichen Qualifikation bereitzustellen. Industrie 4.0 – also die Neuorganisation und vernetzte Steuerung von Wertschöpfungsnetzwerken im Zeitalter der vierten industriellen Revolution – ist eines der Kernthemen der digitalen Agenda der Bundesregierung.

Rolle der IT-Spezialisten verändert sich

Unternehmen eröffnen sich durch Industrie 4.0 nicht nur enorme Effizienzgewinne in der Produktion, sondern auch völlig neue Geschäftsmodelle durch smarte Produkte und Services. Um Industrie 4.0 umzusetzen, kommt der IT – und damit den IT-Spezialisten – eine Schlüsselrolle zu. Doch so wie die IT die Industrie revolutioniert, so verändert die neue industrielle Revolution auch die Rolle vieler Facharbeiter und Ingenieure. Neue Qualifikationen, Kompetenzen und Formen der Arbeitsorganisation werden benötigt.

IT-Spezialisten werden im Rahmen von Industrie 4.0 im Wesentlichen zwei Rollen spielen: Zum einen werden sie weiterhin ihre klassische Aufgabe als Prozess-Enabler übernehmen – zum Beispiel, indem sie Fertigungsprozesse optimieren und so die Fabrikautomatisierung vorantreiben. Zum anderen werden sie künftig auch Partner in der Produktentwicklung sein, um mithilfe von Software intelligentere und zunehmend individualisierte Produkte zu entwerfen, die selbst in Kleinstserien gefertigt werden können. Ein Maschinenbauer hat sich in der Vergangenheit nur in Teilbereichen seiner Produkte mit Software befasst. Damit seine Produkte künftig Industrie-4.0-Szenarien unterstützen können, muss er sie umfassend und durchgängig mit Sensorik und Software ausrüsten – und braucht dafür das Know-how der IT-Fachkräfte. Wir werden also zunehmend fachkundige IT-Spezialisten in den Konstruktions- und Entwicklungsabteilungen antreffen sowie Ingenieure mit fundiertem IT-Wissen. Hier zeichnet sich ein erheblicher Fort- und Weiterbildungsbedarf ab. Informations- und Fertigungstechnologie müssen nunmehr verschmelzen, wenn Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Ausbildung verlangt zusätzliche Industriekenntnisse

Zukünftig gesucht werden daher Fachkräfte, die das Geschäft der Industrieunternehmen im Detail verstehen, und zwar nicht nur wie in der Vergangenheit von der Prozessseite her, sondern auch von der Produktseite. Hier sind Facharbeiter, Nachwuchskräfte, Unternehmen, Universitäten und auch die Politik gleichermaßen gefordert. Wer sich heute als IT-Absolvent fit für die Industrie 4.0 machen will, sollte schon während des Studiums oder Ausbildung zusätzliche Industriekenntnisse erwerben, etwa im Bereich Maschinenbau oder Fertigungstechnik.

Unternehmen können profitieren, wenn sie ihre Fabrikhallen für IT-Praktikanten und
-Doktoranden öffnen und ihre Fachleute durch Weiterbildungsangebote fördern. Berufs- und Hochschulen sind gefragt, Themen wie Fertigungstechnik, Automatisierungstechnik oder Produktentwicklung zum integralen Bestandteil ihrer Informatikausbildung zu machen. So erhält der IT-Nachwuchs das nötige Rüstzeug, um den Unternehmen den Weg zur Industrie 4.0 zu ebnen und Deutschland eine internationale Führungsrolle in der digitalen Zukunft zu sichern.

Weitere Informationen: IT-Gipfel in Hamburg

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