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Die sechs Digitalisierungs-Trends

13. März 2014 von Elisabeth Peternek 0

Es sind nicht mehr nur kleine, wendige Start-Ups wie Instagram, Twitter und Zipcar, die von Innovationen durch Digitalisierung profitieren und bisherige Geschäftsmodelle umwerfen. Große Unternehmen sind zurück im Rennen. Procter & Gamble, Tesco, Disney, GE sind nur einige Namen der etwa 2000 globalen digitalen Aufsteiger. Sie profitieren dabei aufgrund ihrer Größe von Skills- und Skaleneffekten.

So lautet das Ergebnis der Studie „Technology Vision 2014“ des Management Consulting-, Technologie-Services und Outsourcing-Unternehmens Accenture. Laut der Studie verfolgen alle High-Performance-Unternehmen eine digitale Strategie, um die Vorteile von Mobility, Datenanalyse und Cloud Computing für sich zu nutzen. So profitieren sie von verbesserten Geschäftsprozessen, von Informationen in Echtzeit, erweitern die Grenzen der traditionellen Belegschaften und verändern die Art und Weise, wie Daten verwaltet und genutzt werden.

GE und AT&T mischen im digitalen Geschäft mit

Mehr und mehr Firmen außerhalb der IT-Industrie übernehmen die Führung im digitalen Geschäft. So macht General Electrics (GE) mit dem Start-Up Relay Rides der Leihwagenindustrie Konkurrenz. Die Idee: GE nutzt das Smartphone, um Carsharing zu erleichtern. Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T entdeckt den Haussicherheitsmarkt mit seinem Digital Life Service, der es Kunden erlaubt, aus der Ferne ihre Geräte zu Hause zu kontrollieren.

Accenture nennen sechs Technologieentwicklungen, die innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre den größten Einfluss auf Unternehmen haben werden:

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Foto: Accenture Technology Vision 2014

1. Hyperscaling führt Hardware zu neuer Bedeutung

Die rasante Entwicklung von Software und dem weltweiten Netz zu bewältigen, ist mit der bisher eingesetzten Hardware undenkbar. Der Bedarf an größeren und schnelleren Rechenzentren steigt. Google führt die Liste mit weit über einer Million Servern mit einem Leistungsverbrauch von um die 260 Millionen Megawatt an – etwa ein Viertel der Energie, die von einem Kernkraftwerk produziert wird. Neue Hyperscaling­-Ansätze müssen die bisherigen Beschränkungen überwinden. Dies bedeutet Computing-Aufgaben zu ermöglichen, die eine geringe Rechenleistung benötigen. Herkömmliche Rack-Server mit CPUs mit hohem Energiebedarf sind für einfache Aufgaben überdimensioniert. Zudem sind sie aufgrund der hohen Kosten bei Anschaffung und Betrieb für diesen Einsatzzweck ungeeignet.

Doch nicht nur Internetunternehmen erreichen mit ihren vernetzten Geräten, Sensoren und Datencentern das Hyperscale-Level. Vertreter der Versorgungs-, Öl-, Gas- und Automobilindustrie wie GE, General Motors und Toyota sind ihnen dicht auf den Fersen.

 

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Foto: Accenture Technology Vision 2014

2. Das Geschäft mit Applikationen [Apps]

Die Entwicklung von Applikationen war ursprünglich für private Nutzer gedacht. Apps haben den Vorteil, dass sie simpel, kompakt und weitestgehend eigenständig sind. Shazam beispielweise erkennt Lieder, die gerade im Café gespielt werden. In Unternehmen gestaltet sich die Problemlösung weitaus komplizierter. Eine Vielzahl an Applikationen ist notwendig um komplexe Geschäftsprozesse über mehrere Zeitzonen, Länder und Mitarbeiter abzudecken.  Der Trend geht in Richtung ganzer Bibliotheken oder „Ökosystemen“ für Applikationen.

In Zukunft heißt es: “There’s an App for that.” [„Dafür gibt es eine App“]

Das Analystenhaus Gartner prophezeit, dass bis 2017 etwa ein Viertel aller Unternehmen einen App-Store zur Verwaltung unternehmenseigener Applikationen für PCs und mobiler Geräte haben wird.

Applikationen werden nicht nur kleiner und schneller, sondern omnipräsent: Die Bandbreite an Branchen, die Applikationen als Verbindung zum Kunden entdeckt haben, wächst rasant. Mit der App uChek können Patienten zum Beispiel ihren Gesundheitszustand überwachen, in dem ihr Smartphone eine Urinprobe analysiert. Durch den Vergleich chemischer Teststreifen mit digitalen Farbskalen kann der Nutzer Diabetes, Nieren- oder Leberleiden frühzeitig und selbstständig erkennen.

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Foto: Accenture Technology Vision 2014

3. Internet der Dinge lässt Linie zwischen digital und physisch verschwimmen

Das Internet der Dinge ändert Lebensgewohnheiten und unsere Arbeitswelt: Jogger können mit Fitness-Monitoren um den Arm ihren Trainingserfolg überprüfen, Funkchips und Sensoren lassen Maschinen miteinander kommunizieren und laut Google und Nissan ist das fahrerlose Auto nur noch fünf bis sechs Jahre entfernt. Unternehmen nutzen Daten, um schneller und intelligenter auf Marktveränderungen zu reagieren. Philips und Accenture haben beispielweise ein Konzept für den Einsatz von Google Glass im Krankenhaus vorgestellt. Ein Arzt mit der Datenbrille kann die Vitaldaten seines Patienten überwachen und gleichzeitig auf Entwicklungen bei einem chirurgischen Eingriff reagieren – ohne sich vom Patienten oder vom Operationstisch abwenden zu müssen.

Die Masse an intelligenten Geräten wächst, während die Preise gleichzeitig fallen. Smartphones machen ihre Nutzer zu digital erweiterten Versionen ihrer selbst. Unternehmen eröffnet dies völlig neue Türen: Sie gewinnen einen Vorsprung gegenüber der Online-Konkurrenz, indem sie ihre Kunden ihre Umwelt neu erfahren lassen. Darüber hinaus haben sie nicht nur die Möglichkeit neue Markteinblicke zu bekommen, sondern auch eine neue Basis für geschäftspolitische Entscheidungen. Dafür müssen Technologie und Wirtschaftsführer im Unternehmen gemeinsam überlegen, wie Kunde und Geschäft in einer barrierefreien vereinbar sind.

 

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Foto: Accenture Technology Vision 2014

4. Grenze zwischen Kund- und Belegschaft löst sich auf

Bisher haben Marketingabteilungen nach den Wünschen und Vorlieben der Verbraucher geforscht. Doch Kunden arbeiten zukünftig direkt an den Produkten mit, indem sie über Netzwerke ihre Ideen beisteuern. Die Grenze der traditionellen Belegschaft löst sich auf und Unternehmen haben Zugriff auf einen scheinbar endlosweiten Pool von menschlichen Ressourcen.

Videokonferenzen, Kurznachrichten, Blogs, Wikis und Activity Streams sind mögliche Maßnahmen, um die globale Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu fördern. Diese gehen allerdings dank Twitter, Yelp und Wikipedia über den Arbeitsplatz hinaus und verbinden immense Menschenmassen. Beinahe grenzenlose Kommunikation ist für jeden möglich, der mit dem Internet verbunden ist – egal ob beruflich oder privat. Immer mehr digitale Plattformen bieten Unternehmen daher eine Art „digitalen Arbeitsmarkt“.

Von Workforce zu Crowdforce: Die Macht der Masse  

General Electrics, Master Card und Facebook machen es vor: Sie wenden sich an Unternehmen wie Kaggle, einem globalen Netzwerk aus Computer-Spezialisten, Mathematikern und Daten-Wissenschaftlern, die gemeinsam Lösungen von der Fluglinien-bis zur Standortoptimierung entwickeln. Andere greifen auf Foren wie Crowdsourcing zurück, um Projekte zu finanzieren oder Markteinblicke zu bekommen

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Foto: Accenture Technology Vision 2014

5. Daten werden unternehmensweit integriert

Trotz ausgereifter Tools zum Datenmanagement bleiben manche Daten in vielen Unternehmen ungenutzt. Nach einer Studie von Gartner sind 85% der „Fortune 500“-Unternehmen bis 2015 nicht in der Lage ihre Datenmassen zu ihrem eigenen Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Unternehmen implementieren immer mehr Tools zur Verarbeitung von Big Data, investieren in neuste Analyse-Anwendungen und Data Service-Plattformen. Die Folge davon sind komplexe Datenlandschaften und Datensilos. Um deren Wert voll auszuschöpfen, müssen Unternehmen anfangen, Daten wie „Produkte“ in einer „Lieferkette“ zu behandeln, damit diese durch das komplette Unternehmen fließen können. Seit Google seine Programmierschnittstellen geöffnet hat, arbeiten mehr als 800.000 Webseiten mit Daten aus Google Maps.

 

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Foto: Accenture Technology Vision 2014

6. Widerstandsfähige IT-Architektur

Auch Unternehmen können aus Fehlern lernen. Der Online-Videoanbieter Netflix macht es vor: Die IT-Abteilung des Unternehmens arbeitet mit einem automatisierten Testprogramm, das sich ständig selbst angreift und die Angriffe beobachtet und abwehrt. Weitere Firmen wie Amazon, Flickr, Yahoo, Facebook und Etsy arbeiten mit ähnlichen Ansätzen.

Kunden erwarten, dass Systeme rund um die Uhr einsatzbereit sind. Cyber-Attacken müssen an den Systemen also abprallen. Systemausfälle können enorme ökonomische Risiken mit sich tragen – vor allem für digitale Unternehmen mit internet-basierten Geschäftsmodellen. Ein nur fünfminütiger Ausfall im August 2013 kostete Google $545,000 Einkommenseinbußen. Eine Studie des Ponemon Institut ergibt durchschnittliche Kosten von  $7000 pro Minute durch Datencenter-Stillstände.

Zur kompletten Studie geht es hier.

 

Titelbild: Shutterstock

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