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Die virtuelle digitale Revolution

Feature | 2. Dezember 2015 von Jeff Reich 0

Virtual Reality (VR) ist dabei, die Vorstandsetage zu erobern. Der diesjährige BT Summit gewährte einen Blick in eine Zukunft, in der digitale Technologien Medienerlebnisse kreieren, die alle Sinne anregen – und bessere Entscheidungen ermöglichen.

Bei adrenalintreibenden 320 Stundenkilometern leuchtete ein, warum IT-Führungskräfte sich in schierem Überlebenswillen, jede Muskelfaser zum Zerreißen gespannt, an die Lenkstange klammerten.

Auf einer BMW-Rennmaschine rasten die Teilnehmer des SAP Business Transformation Summit (BT Summit) in atemberaubenden Tempo eine Rennstrecke entlang. Dabei maßen sie sich mit einigen der besten Motorradfahrer der Welt. Sie meisterten spektakuläre Steilkurven, Hochgeschwindigkeitsgeraden und Schikanen, die den Magen auf eine harte Probe stellten. Bemerkenswerterweise bewältigten sie sämtliche Manöver mit sportlicher Bravour – und ohne jemals das Audimax in St. Leon-Rot verlassen zu müssen. Das ganze Erlebnis war nämlich in Wirklichkeit nicht mehr als Kopfkino, inszeniert von den digitalen Schaltungen eines Virtual-Reality-Headsets.

Ein neues Medium entwächst den Kinderschuhen

BMW Motorrad hat dieses VR-Erlebnis für weitaus mehr als pure Unterhaltung entwickelt. Angesichts nachlassender weltweiter Verkäufe hatte der Motorradhersteller Möglichkeiten erkundet, wie potenzielle Kunden BMW-Motorräder ausprobieren und sich auf den ersten Blick in sie verlieben könnten. Das Ergebnis ist Eye Ride, die erste virtuelle Testfahrt der Welt. Mit Technologie von Samsung, GoPro und Oculus Rift bietet Eye Ride Neugierigen ein umfassendes Gamification-Erlebnis, das der Realität so nahe kommt, dass sie den Fahrtwind förmlich fühlen können.

Und genau diese überragende Qualität des virtuellen Erlebnisses ist das, was das Interesse von etablierten Unternehmen endgültig geweckt hat. VR wird bei der Geschäfts- und Markenstrategie von Unternehmen, die den Wettbewerb auf Distanz halten und ihren Kundenstamm ausbauen wollen, immer mehr zum Thema.

„Im Zeitalter des digitalen Wandels kann Gamification zur Schaffung und Intensivierung von Kundenbeziehungen Unternehmen helfen, eine langfristige Kundentreue aufzubauen“, erklärt Christoph Steiger, der bei der SAP den Bereich Business Transformation Services verantwortet.

Ein digitales Kundenerlebnis, das alle Sinne anspricht

Das niederländische Startup WeMakeVR entwickelt Virtual-Reality-Erlebnisse, die nicht nur realistisch, sondern auch sehr leicht zugänglich sind. Benutzer können die App des Unternehmens auf ihr Smartphone herunterladen und damit direkt auf 3D-Inhalte zugreifen. Dann können sie ihr Mobiltelefon in ein spezielles Viewing-Headset stecken, um in ein beeindruckendes VR-Rundumerlebnis einzutauchen.

Die Möglichkeiten für Geschäftsanwendungen sind unendlich. Einer der vielen Kunden von WeMakeVR, der Modegigant Tommy Hilfiger, nutzt VR, um seine Fans überall auf der Welt direkt in die Frontrow seiner Modeschauen zu versetzen. Außerdem gewährt er seinen Kunden damit einen Blick hinter die Kulissen von exklusiven Fashion-Events. Als Marketingstrategie verspricht VR den Aufbau von Markenbindung in einer Intensität, die klassische Werbung nie erreichen würde.

Empathie hervorrufen

VR bietet zudem einen weiteren einzigartigen Vorteil. Sie kann Führungskräften bessere Entscheidungen ermöglichen, da sie Empathie für die Zielmärkte, -konsumentengruppen und -communitys erzeugt.

In seiner Präsentation auf dem BT Summit bemerkte Benjamin de Wit, Partner und Leiter des Bereichs Neugeschäft bei WeMakeVR, dass Entscheidungen zu nicht weniger als 80 Prozent von Emotionen gesteuert werden. Somit werden die Unternehmen, die die stärkste emotionale Bindung zwischen Produkten und Verbrauchern erzeugen, die Nase vorn haben. Mit dem Ausreifen der VR-Technologie wird es Unternehmen gelingen, bedeutungsvollere Beziehungen zu Kunden mit einem Wirkungsgrad zu schaffen, hinter dem andere Medienformen traditionell weit zurückbleiben.

„Letztendlich steuert Empathie Entscheidungsprozesse“, meint de Wit. „Sie ist ein grundlegender Bestandteil von Design Thinking und eine notwendige Voraussetzung, wenn Sie Innovationen zum Nutzen Ihrer Anwender oder Kunden entwickeln wollen.“

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