Die Zeichen stehen auf Offenheit

Feature | 7. Juli 2003 von admin 0

SAP und Open Source

SAP und Open Source

SAP auf Linux ist ein Erfolgsmodell. Seit SAP als erster großer Anbieter von Unternehmenssoftware im Jahr 1999 SAP R/3 4.0B auf Linux freigab, hat sich die Zahl der SAP-Installationen auf diesem Betriebssystem jährlich verdoppelt. 2002 lieferte SAP die 1.000ste Installation auf Linux aus. 2003 ist damit zu rechnen, dass Linux bei der Zahl der Neuinstallationen zu den etablierten Unix-Varianten AIX, HP-UX und Solaris aufschließt. Es werden voraussichtlich 1.000 Installationspakete für SAP-Produkte auf Linux an SAP-Kunden und Partner ausgeliefert.
Da zahlreiche Kunden Linux-Applikationsserver zusammen mit Unix-Datenbankservern und Unix-Applikationsservern betreiben, summiert sich die Zahl der auf Linux installierten SAP-Systeme auf über 2.000. Damit verfügt SAP über eine Installationsbasis auf Linux wie kaum ein anderer Anbieter von Unternehmenssoftware. Sämtliche SAP-Produkte auf Basis von SAP R/3 4.x und SAP Web Application Server laufen auch auf Linux. Als Datenbanken sind mit SAP DB, DB2, Oracle sowie Informix alle wichtigen relationalen Plattformen verfügbar.
Die Analyse der Installationsdaten zeigt, dass SAP-Kunden mit dem Open-Source-Betriebssystem hoch zufrieden sind: Eine Migration bestehender Systeme weg von Linux findet praktisch nicht statt. Die Open-Source-Datenbank der SAP, SAP DB, ist mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent auf Linux noch weiter verbreitet als SAP DB auf den sonstigen von SAP unterstützten Betriebssystemen.

Gemeinschaftliche Weiterentwicklung

Als ein technisch modernes Betriebssystem mit effektiver Hauptspeicherverwaltung und sehr gut skalierbarer SMP-Unterstützung hat Linux eine Entwicklungsdynamik, die den hohen Anforderungen der SAP-Software gerecht wird. SAP selbst trägt seit Jahren zur Weiterentwicklung von Linux bei. So leitete das Unternehmen die Implementierung des Portable Operating System Interface (POSIX) compliant Shared Memory Filesystem ein, das jetzt im Linux-Kernel standardmäßig verwendet wird. Das Vorhandensein dieser wichtigen POSIX-konformen Schnittstelle zum Betriebssystem erwies sich bei der Portierung des SAP Web Application Servers als Vorteil. Gemäß den Spielregeln der Open Source Community laufen die SAP-Systeme der Kunden mit einem “untainted” Kernel. Das bedeutet, dass alle Module, die vom Linux-Kernel geladen werden, als Open Source verfügbar sind. Auf diese Weise ist ein optimaler Support durch die gesamte Entwicklergemeinschaft gewährleistet.

SAP DB

SAP DB

Da SAP diese Erweiterung öffentlich zugänglich gemacht hat, profitieren alle größeren auf Linux verfügbaren Anwendungen davon. Die Datenbank SAP DB ist unter der GPU-Lizenz GPL (General Public License) frei verfügbar. Die Entscheidung, SAP DB gemeinsam mit MySQL, Entwickler der gleichnamigen populären Open Source Datenbank, weiterzuentwickeln und zu vertreiben, wird dazu betragen, dass sich diese Technologie noch schneller als Enterprise Open Source Datenbank in Unternehmen etabliert.
SAP-intern kümmert sich SAP LinuxLab darum, für Linux als Betriebssystemplattform ähnliche Voraussetzungen zu schaffen, wie sie für die von SAP unterstützten Unix-Varianten gelten. Im SAP LinuxLab sind die Hardware-Partner HP, DELL, IBM und Bull, die Distributoren SuSE und Red Hat sowie das Technologie-Beratungsunternehmen Realtech vertreten. Auch Sun ist dabei, im SAP-Umfeld eine Linux-Präsenz aufzubauen. Aufgabe des Teams ist es, unter der Leitung der SAP eine stabile Plattform für die Kunden und die SAP-Entwicklung bereitzustellen. Die Hardware-Partner im SAP LinuxLab zertifizieren alle frei gegebenen Hardware-Komponenten und stellen so eine hohe Qualität und Kompatibilität sicher. Das SAP LinuxLab leistet darüber hinaus Development Support für SAP-Kunden und ist unter der E-Mail-Adresse linux@sap.com für alle Arten von Fragen offen.

Hochverfügbarkeitslösungen für Linux

Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt der Entwicklung im SAP LinuxLab auf der Einführung von Hochverfügbarkeitslösungen. Dieses Ziel erreichte SAP gemeinsam mit der Firma SteelEye, die seit Oktober 2002 Hochverfügbarkeitslösungen für SAP auf Basis des LifeKeeper anbietet. Darüber hinaus stellte das SAP LinuxLab mit Fujitsu Siemens Computers (FSC) einen Prototyp zur Serverkonsolidierung im SAP-Umfeld vor. Dieser verbindet die Vorzüge kostengünstiger Blade-Rechner mit der skalierbaren SAP-Architektur und nutzt die Fähigkeit, ein Linux-Betriebssystem, welches auf einem entfernten Rechner liegt, über eine Netzwerkkarte zu laden und zu booten. So ist eine Lösung entstanden, die größtmögliche Flexibilität bei gleichzeitig kostengünstiger Administration bietet. Alle SAP Hardware-Partner haben die Vorteile der Blade-Architektur erkannt und sind in der Lage, eine auf dem LinuxLab-Prototyp basierende SAP-Lösung auf Blade-Servern anzubieten.
Das Blade-Konzept macht sich darüber hinaus zu Nutze, dass sich eine SAP-Datenbank auf der Basis von SAN (Storage Area Network) performant und mit geringem Administrationsaufwand betreiben lässt. Gemeinsam mit der eigens zur Entwicklung fortschrittlicher Infrastrukturkonzepte geschaffenen SAP-Abteilung AIP (Advanced Infrastructure Program) entwickelt das SAP LinuxLab das Blade-Konzept durch Integration in Administrations- und Überwachungswerkzeuge als administrationsfreundliche Konsolidierungsvariante weiter.
In 2003 konzentriert sich das SAP LinuxLab in erster Linie darauf, 64bit-Lösungen auch auf Intel Itanium-basierter Hardware zur Verfügung zu stellen. Dazu startete SAP im November 2002 mit den Hardware-Partnern ein Pilotprogramm. Erste erfolgreiche Kundenprojekte wurden bereits in Zusammenarbeit mit SuSE, IBM und HP durchgeführt. Damit ist das Ziel, im Sommer, beginnend mit SAP R/3 4.6C, eine breite Palette von SAP-Anwendungen zu unterstützen, in greifbare Nähe gerückt. Insbesondere wird der liveCache, die objektorientierte zweite Datenbank innerhalb des SAP Advanced Planner and Optimizer (SAP APO), welcher als In-Memory Datenbank von 64bit-Adressierbarkeit profitiert, das Angebot von zusätzlichen SAP-Architekturkomponenten auf Linux abrunden. Mit der Verfügbarkeit auf der leistungsfähigen, Itanium-basierten Hardwaregeneration wird Linux auch für sehr große SAP-Systeme eine vollwertige Alternative.

Einfache Portierbarkeit

Mit Linux als Entwicklungsplattform stellt SAP sicher, dass SAP-Technologiekomponenten frühzeitig auf Linux verfügbar sind. Das bietet vor allem für diejenigen Kunden Vorteile, die Unix-Betriebssysteme bevorzugen: Erste Machbarkeitsstudien lassen sich im vertrauten Unix-Umfeld auf preisgünstigen Linux-Rechnern durchführen.
Da aber durch die Entwicklung auf mehreren Plattformen eine einfache Portierbarkeit der Software gewährleistet ist, profitieren letztlich alle SAP-Plattformen von dieser Strategie. Im Vergleich zu früher, als eine Windows-zentrierte Entwicklung häufig zu schwer portierbaren Produkten führte, kann SAP nun flexibler auf die Anforderungen der Kunden reagieren.

Linux – auch auf dem Desktop eine Alternative

Linux auf dem Server hat sich im SAP-Umfeld inzwischen als gleichberechtigte Plattform etabliert. Auch auf dem Desktop sehen Kunden in Linux zunehmend eine kostengünstige und investitionssichere Alternative zu Microsoft Windows. Mit KDE (K Desktop Environment) und GNOME (GNU Network Object Model Environment) stehen zwei intuitiv bedienbare Desktop-Varianten für Linux zur Verfügung, Sun bietet mit OpenOffice sowie der kommerziellen Variante StarOffice eine mächtige Office-Suite.
Die Kostenvorteile von Open Source-Lösungen im Vergleich zu kommerzieller Software sind auf dem Desktop besonders deutlich. Mit dem SAP GUI für Java bietet SAP eine auf Linux verfügbare Variante des SAP GUI, die sich inzwischen zu einer Alternative zum SAP GUI für Windows entwickelt hat. Insbesondere der öffentliche Dienst, für den SAP mächtige Lösungen anbietet, wird Linux auf dem Desktop zu einer ernst zu nehmenden Windows-Konkurrenz machen. Spätestens wenn die Bedienung der SAP-Software im Standard mit Internet-Browsern erfolgt, wird Linux auch auf dem Desktop der SAP-Anwender erste Wahl sein. Auch hier ist das Open Source-Modell, auf dem die Entwicklung der Software beruht, einer der wichtigsten Garanten dafür, dass sich Linux gegen die Konkurrenz durchsetzen wird.
Einen Überblick über das Linux-Angebot der SAP liefert die Homepage http://www.sap.com/linux, die gemäß der Linux-Philosophie ohne Einschränkungen verfügbar ist.

Dr. Manfred Stein

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