“Die Zukunftsmärkte liegen in den Bereichen Web-Services, Knowledge- und Human-Resources-Management”

Feature | 24. Februar 2003 von admin 0

Ernst Raue

Ernst Raue

Welche Schwerpunkte setzt die CeBIT im internationalen Vergleich zu anderen Messen für Informationstechnik und Telekommunikation und was macht sie so erfolgreich?

Raue: Der Erfolg der CeBIT liegt in ihrer Einzigartigkeit. Sie ist die einzige Messe weltweit, die wirklich das vollständige Angebot an Informationstechnik, Telekommunikation und Software an einem Ort darstellt. Es gibt keine vergleichbare Veranstaltung, die eine solche Informationsdichte bereithält und ähnlich hohe Aussteller- und Besucherzahlen aufweist. Darüber hinaus ist die CeBIT ein Medienereignis ersten Ranges: Über 11.000 Journalisten aus 70 Ländern wurden zur vergangenen CeBIT akkreditiert.

Wie groß ist der Druck, der angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage in der IT-Branche im Jahr 2003 auf der Veranstaltung lastet?

Raue: Die derzeitige wirtschaftliche Lage wirkt sich natürlich auch auf die CeBIT aus. Das vergangene Jahr gilt als das kritischste in der bisherigen Geschichte der deutschen ITK-Branche. Erstmals verzeichnete diese Branche ein Minuswachstum. Viele Unternehmen haben ihre Marketingbudgets drastisch reduziert und prüfen ihren Messeauftritt wesentlich genauer als in Zeiten des ITK-Booms. Angesichts dieser Faktoren steht die CeBIT 2003 sehr gut da. Die Präsenz von rund 6.500 Ausstellern aus über 60 Ländern macht deutlich, dass die Branche an ihrer Leitmesse festhält und sie dazu nutzt, der Konjunktur zum Aufschwung zu verhelfen.

Zu welchen Themen erwarten Sie die meisten Aussteller?

Raue: Die meisten Aussteller erwarten wir im Schwerpunkt “Software & Services”, gefolgt von den Bereichen “Telecommunications & Networks” sowie “IT Equipment & Systems”.

Welche IT-Bereiche sind mit neuen Ausstellern hinzugekommen und warum sind diese an der Messe interessiert?

Raue: Neu hinzugekommen ist das ganze Spektrum digitaler Produkte des Home-Automation-Bereichs. Das Angebot reicht von digitalen Fernseh- und Videogeräten über Systeme und Geräte aus den Bereichen Audio, Hi-Fi und Car Audio bis hin zu Home Security und Steuerungssystemen für die Gebäudeautomation. Diese Aussteller kommen zur CeBIT, weil sie hier ihre Absatzmärkte treffen – Händler und Distributoren aus aller Welt.

Neu ist auch der Bereich “Human Resources”, der erstmals auf der CeBIT als separater Schwerpunkt in Halle 9 ausgeflaggt wird, um der wachsenden Bedeutung von Informationstechnologien für Zeit- und Personalmanagement Rechnung zu tragen. Als Ergänzung dazu wird ebenfalls in der Halle 9 der “CeBIT Job & Career Market” durchgeführt (vormals Halle 10).

Gibt es neue, aufstrebende IT-Länder?

Raue: Die größten Zuwächse verzeichnen wir in diesem Jahr aus den osteuropäischen Ländern. Erstmals haben sich mehr als 300 Unternehmen aus dieser Region angemeldet. Die stärksten Nationen sind Russland, die Ukraine, Polen und die Tschechische Republik.

Eine ganze Halle ist dem Branchenthema Finanzdienstleistungen gewidmet. Warum wird speziell auf diese Branche fokussiert?

Raue: Der Bereich Finanzdienstleistungen wird für die ITK-Branche zunehmend wichtiger. Online-Banking spielt nicht nur bei der “klassischen” Bankabwicklung eine bedeutende Rolle. E-Business ist ohne elektronischen Zahlungsverkehr – und den damit verbundenen Softwarelösungen – gar nicht möglich. Informationen rund um das Thema Bank- und Finanzdienstleistung bietet zum Beispiel die Veranstaltung “BANK-FINANZ-SYSTEME” in Halle 18. Leitthema in diesem Jahr ist “Mobile Business in Financial Industries”. Innerhalb der Präsentation werden zwei Sonderschauen veranstaltet: “EMV – Internationaler Standard für die Karte mit Chip” und “Solution City” mit innovativen Einzellösungen.

Wie lauten Ihre Schätzungen für die kommende CeBIT 2003 bezüglich Aussteller- und Besucherzahlen, und welche Fakten sind für die Schätzung von Wichtigkeit?

Raue: Wir erwarten rund 6.500 Aussteller. Was die Besucherzahlen betrifft, ist es schwierig, eine Prognose abzugeben. Im vergangenen Jahr kamen 674.000 Besucher zur CeBIT. In diesem Jahr dürften es kaum mehr werden, da vor allem die europäischen und amerikanischen Unternehmen ihre Marketingbudgets drastisch reduziert haben und sicherlich auch bei den Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter sehr restriktiv vorgehen. Im Hinblick auf die Qualität der Besucher sind wir uns jedoch sicher: Die Personen, die zur CeBIT kommen, werden die “Richtigen” sein – hochrangige Firmenvertreter, die Investitionsentscheidungen in den Unternehmen tätigen.

Welche sind für Sie die wichtigsten IT-Trends von morgen?

Raue: Wichtige Zukunftsmärkte bilden vor allem die Bereiche Web-Services, Knowledge- und Human-Resources-Management sowie Sprachsteuerung – alles Themen, die umfassend auf der CeBIT 2003 dargestellt werden.

Was ist Ihr persönliches Motto?

“Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen.” (Theodor Fontane) oder auch “Wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt.” (Mark Twain).

Weitere Informationen:

Heise online
Financial Times Deutschland
Spiegel online
Manager Magazin

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