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Digital Business Modeling – digitale Geschäftsmodelle entwickeln

Feature | 25. Mai 2016 von Iris Nagel-Martin 35

Wie ein digitales Geschäftsmodell entwerfen, fragen sich viele Unternehmen, die den Schritt in die Digitalisierung wagen wollen. Uwe Riss, Senior Researcher bei SAP und Marco Cigaina, Service Innovation Program Manager bei SAP, haben einen systematischen Ansatz für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle erarbeitet. Das Konzept des Digital Business Modeling zielt darauf ab, die enormen Möglichkeiten der digitalen Technologie zu nutzen, um Wertschöpfung zu erzielen.

SAP News: Für Unternehmen, die auf dem neuesten Stand der Technik sein wollen, ist Digitalisierung von zentraler Bedeutung. Warum ist es so wichtig, sich mit der Digitalisierung zu befassen?

Marco Cigaina digital business modeling

Marco Cigaina, Service Innovation Program Manager bei SAP: Strukturierter Rahmen hilft Unternehmen bei der Digitalisierung

Cigaina: Die Digitalisierung gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Wirtschaft und die Gesellschaft im Allgemeinen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass digital agierende Unternehmen bessere Ergebnisse erzielen als traditionelle Unternehmen – vor allem in Bezug auf Umsatz, Rentabilität und Marktkapitalisierung. In Zukunft wird die Digitalisierung wahrscheinlich ganze Branchen umkrempeln, nicht zuletzt weil Branchengrenzen bereits verschwimmen und es sein könnte, dass die digitale Industrie einige Branchen schlucken wird. Diese Aussichten haben uns dazu bewogen, uns verstärkt dem Thema Digitalisierung zu widmen.

Was ist neu?

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Uwe Riss, Senior Researcher in St. Gallen, Schweiz: Die SAP beschäftigt sich schon Jahrzehnte mit der Digitalisierung

Riss: Bei der SAP beschäftigen wir uns schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Digitalisierung. Die bisherige Technologie diente eher dazu, interne Geschäftsprozesse zu optimieren. Sie hatte keinen wesentlichen Einfluss auf das Geschäftsmodell oder das Kundenerlebnis. Heute sehen wir, dass sich die Art und Weise, wie Kunden mit Unternehmen in Kontakt treten, grundlegend verändert hat. Sie nutzen dazu moderne Technologien wie soziale Medien. Technologie ist heute ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Durch sie rücken Geschäfte näher an den Kunden.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Unternehmen?

Cigaina: Beginnen wir mit den klassischen Value-Management-Schritten: die Führung bei Kundenlösungen, Kundennähe und Optimierung der Geschäftsprozesse. Die Digitalisierung hat Auswirkungen auf die Kundenlösungen, weil sie Firmen die Möglichkeit bietet, von Produkten auf Dienstleistungen umzustellen. Sie verhilft auch zu mehr Kundennähe, weil die Firmen sich besser mit ihren Kunden vernetzen können. Und durch die Digitalisierung werden Informationen zum zentralen Element bei der Geschäftsprozessoptimierung.

Was bedeutet Digital Business Modeling?

Cigaina: Digital Business Modeling ist eine Vorgehensweise zur Entwicklung eigener digitaler Geschäftsmodelle. Dabei wird die Art und Weise der Wertschöpfung skizziert, visualisiert, überprüft und weiterentwickelt. Für das Design von Geschäftsmodellen gibt es etablierte Konzepte, zum Beispiel die Business Model Canvas. Auf technischer Seite wollten wir ein ähnlich minimalistisches, aber semantisch dichtes Konzept schaffen, um die digitalen Funktionen – die so genannten digitalen Hauptelemente – zu beschreiben. Jedem dieser Elemente haben wir eine besondere Bedeutung gegeben: Menschen, Cloud, Business, Daten und Dinge.

Wir haben ein einheitliches Modell erstellt, das aus zwei Dimensionen besteht: den Geschäftsmodell-Komponenten und den digitalen Hauptelementen. Die verschiedenen Kombinationen haben wir digitale Werttreiber genannt. Sie beschreiben welche Auswirkungen die einzelnen digitalen Hauptelemente auf die jeweiligen Geschäftsmodell-Komponenten haben und welchen Mehrwert sie bringen.

So haben wir einen strukturierten Rahmen für das Design digitaler Unternehmen geschaffen. Damit lässt sich systematisch erkunden, wie das Unternehmen von der Digitalisierung profitieren und Wertschöpfung erzielen kann. Die einzelnen digitalen Werttreiber haben wir durch Charakterisierung, Beispiele und Schlüsselfragen erklärt.

Wie sieht die Anwendung in der Praxis aus?

Riss: Das Konzept hilft Fachleuten und technischen Experten, konstruktive Gespräche darüber zu führen, welchen Mehrwert der digitale Wandel und Geschäftsinnovationen bringen. Es sorgt dafür, dass alle Beteiligten die gleiche Sprache sprechen, was vor allem in Design-Thinking-Workshops zum Thema digitaler Wandel wichtig ist.

Bei SAP haben wir ein bewährtes Konzept für die Innovation von Geschäftsmodellen, BMDI genannt: Man beginnt mit der Analyse des bereits bestehenden Modells. Danach folgt eine Phase der Ideenfindung. Verschiedene Tests werden durchgeführt und die daraus resultierenden Ergebnisse anschließend evaluiert. Auf diese Weise entsteht dann das innovative Geschäftsmodell. Das Konzept des digitalen Geschäftsmodells beleuchtet zusätzlich die digitale Dimension des BMDI und zeigt Optionen auf, wie das Unternehmen digitalisiert werden kann. So entsteht eine Vielfalt an Möglichkeiten, aus denen man wählen kann.

Gibt es bei der Digitalisierung einen Unterschied zwischen mittelständischen und großen Unternehmen?

Riss: Unser Konzept funktioniert für beide. Aber die Möglichkeiten können unterschiedlich sein. Durch die Digitalisierung werden mittelständische Unternehmen flexibler. Sie können Märkte schneller erschließen und im globalen Wettbewerb mithalten. Große Unternehmen profitieren davon, wenn sie heterogene Partnernetzwerke integrieren und koordinieren können.

Sind die Auswirkungen auf die einzelnen Branchen unterschiedlich?

Cigaina: Genau genommen betrifft es alle Branchen. Einige haben allerdings bessere Voraussetzungen, da die Informationsverarbeitung bereits eine wichtige Rolle in ihren Unternehmen spielt. Unser Konzept offenbart die gemeinsamen Grundsätze, die über alle Branchen hinweg gelten.

Was sind die wichtigsten Vorteile, die Kunden durch die Digitalisierung haben?

Riss: Mit der Digitalisierung bekommt der Begriff Kundenorientierung eine ganz neue Bedeutung. Schaut man sich die Möglichkeiten eines jeden Kunden an – seien es Internetdienste wie Uber oder Suchmaschinen wie Google – sieht man, dass sie durch mehr Informationen schnellere und effizientere Entscheidungen treffen können. Außerdem erhalten sie so integrierte Lösungen, die gezielter ihre Bedürfnisse bedienen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Whitepaper Digital Business Modeling.

Wenn Sie mehr über Digital Business Canvas erfahren möchten, besuchen Sie: www.businessmodelgeneration.com/

Foto: Shutterstock

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