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Digitale Transformation bei Bayer

4. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Eine Crowd-Plattform, DNA-Analyse per In Memory und ein Digital Council, das die Themen eines Chief Digital Officers (CDOs) abdeckt: Pharmakonzern Bayer setzt mitten in der digitalen Transformation auf dezentrale Ideenvielfalt. Fragen an Daniel Hartert, CIO des Bayer-Konzerns und Geschäftsführer der Bayer Business Services.

Herr Hartert, seit einem Jahr haben Sie mit Jessica Federer eine Kollegin auf Konzernebene, die sich mit der digitalen Agenda von Bayer beschäftigt. Passen CIOs nicht mehr ins Zeitalter der Digitalisierung?

Ich sehe keinen Konflikt. Jessica Federer leitet und organisiert den Digital Council der Bayer-Gruppe. Innovationsvorstand Kemal Malik sitzt dem Council vor, in dem zudem Vertreter aus den Business-Units Healthcare, Crop Science und Bayer Business Services als Team vertreten sind. Aufgabe des Digital Councils ist es, digitale Aktivitäten im Konzern zusammenzufassen und zu steuern und zu sehen, was auf Konzernebene noch dazu getan werden kann, um unsere Geschäft in Hinsicht auf die digitalen Aktivitäten zu stärken. Da das Portfolio in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich ist, macht es jedoch keinen Sinn, dem Council konzernweit den digitalen „Hut“ aufzusetzen. Die Bereiche Crop Science, Pharma, Consumer und Animal Health haben dafür zu individuelle Anforderungen an ihr Geschäft. Auf der anderen Seite sollte es wo nötig, schon konzernweite Vorgaben geben. Ich denke hier an eine gemeinsame Plattform für die Daten, eine gemeinsame Infrastruktur, interne wie auch jene etwa für die „Consumer-Connection“ und daran, die richtigen Fähigkeiten über digitale Technologien und Geschäftsmodelle an Bord zu haben. Wir sprechen hier von „Enabling-Elementen“. Immerhin beschäftigt Bayer ja 120.000 Menschen, die künftig digital denken und handeln sollen.

Wie weit ist die digitale Transformation vorangeschritten bei Bayer?

Das Thema wird ja derzeit dermaßen gehypt, dass man meinen könnte, wer nicht mitmacht, sei verloren. Das erinnert mich ein bisschen an den Beginn des Jahrtausends, als jeder meinte, er müsse seinen Bleistift übers Internet verkaufen. Allerdings hat Bayer schon in der Vergangenheit neue technologische Wellen immer mitgemacht. Das ist auch einer der Gründe, weswegen Bayer so erfolgreich ist.

Gibt es konkrete Projekte, die ohne digitale Weiterentwicklung der letzten Jahre nicht möglich gewesen wären?

Im Forschungs- und Entwicklungsbereich ist das etwa das „Omics“-Projekt. In der Vergangenheit wurde hier sehr klassisch an Molekülen geforscht. Im Projekt „IT4omics“ stellen wir von IT-Seite Wissenschaftlern Software mit Algorithmen zur Verfügung. Jetzt ist es möglich, Daten für Simulationen zu nutzen und als „Enabler“ einzusetzen, um etwa Effekte von neuen Molekülen auf den menschlichen Organismus ein Stück weit vorhersagen zu können. Anders als aus der herkömmlichen IT bekannt, gibt es keinen Entwicklungs-, Test- und Produktionszyklus mehr. Heute sind wir mit reellen und sehr großen Datenmengen in Echtzeit unterwegs. Das wird die Welt des Forschens im Life-Science-Bereich in den nächsten Jahren revolutionieren.

Ein Entwickler wittert über IT4Omics.

Ein Entwickler twittert über IT4Omics.

Zudem setzen wir unter dem Motto „Bayer Grants4Apps“ auf Crowdsourcing: Wir animieren Start-ups, Apps zu entwickeln, die für den Gesundheitsbereich sinnvoll sein können – und zwar ohne ein konkretes Briefing. So ist etwa eine App entstanden, die Patienten daran erinnert, ihre Medikamente einzunehmen. Jeder externe Entwickler oder jedes Startup, das eine ähnlich gute Idee wie den genannten „Pill Reminder“ hat, wird von uns eingeladen, über ein halbes Jahr hinweg unsere Infrastruktur vor Ort zu nutzen und dort direkt mit den Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten und vom Wissen der Experten zu profitieren. Diese Start-ups unterstützen wir zudem finanziell.

SAP HANA: der technologische Durchbruch

Können Sie Beispiele nennen, in denen besonders auch Technologie von SAP neue Geschäftsmodelle ermöglicht hat?

Die In-Memory-Technologie SAP HANA ist für uns ein technologischer Durchbruch. Wir waren beispielsweise zusammen mit SAP in Potsdam am Hasso Plattner Institut, dem Geburtsort von SAP HANA, und im kalifornischen Palo Alto, denn es war klar, dass gerade der Bereich Forschung und Entwicklung durch „digital“ transformiert werden wird. Nehmen Sie die Wirkungsweise von Medikamenten. Bei einigen schlagen sie gut an, bei anderen schlechter. Über die Datenanalyse der DNA-Charakteristik eines Menschen lassen sich bereits in vorklinischen Studien unterschiedliche Profile herausarbeiten und so ein Stück weit individuellere Medikamente finden. Das war vor 15 Jahren undenkbar, als man noch mit Mühe und Not 700 Megabyte auf eine Musik-CD bekommen hat. Heute sequenzieren Sie die gesamte DNA eines Menschen – und damit mehrere Terabyte an Daten – für 1000 Dollar, und analysieren dieses Genmaterial weitaus schneller auf Wechselwirkungen als vor wenigen Jahren. Da sind plötzlich ganz andere Geschäftsmodelle denkbar. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Die gesamte Office-Umgebung in die Cloud zu bringen, ist keine digitale Strategie, sondern lediglich eine Verlagerung von Aufgaben. Bringt man jedoch etwa Patienten dazu, ihre Fitness-Daten regelmäßig gesichert in der Cloud hochzuladen, könnte der Arzt dort etwa sehen, ob eine Therapie anschlägt. Die Cloud ist hier für eine solche neue Geschäftsidee schlicht erforderlich. Auch andere Dienstleister wie etwa ein Pharmaunternehmen, dessen Medikament in der Therapie verwendet wird, oder Versicherer könnten hier wichtige Erkenntnisse gewinnen, die dann dem Patienten zugute kommen – und letztlich ebenso von dem Cloud-Ansatz profitieren.

Eine digitale Transformation im Unternehmen geht nur zusammen mit der IT-Industrie. Was erwarten Sie von Ihrem IT-Partner?

Eine Wechselwirkung zwischen IT- und Anwenderindustrie ist essentiell. Nur so entstehen neue Technologievorschläge. Mit SAP etwa arbeiten wir sehr eng zusammen, entwickeln gemeinsam neue Ideen. Irgendwann wird aus dieser Co-Innovation ein Produktbestandteil werden – wie in der Vergangenheit etwa für die Lieferkette oder die Beschaffung. Wenn sich SAP auf die Fahnen schreibt, mehr Einfachheit in die Prozesse zu bringen, ist das eine wertvolle Erkenntnis, die uns zeigt, dass daran gearbeitet wird, Komplexität herauszunehmen. Die neue Flexibilität durch SAP HANA etwa hat gezeigt, dass SAP schon eine Menge in Richtung Transformation getan hat. Noch dazu hilft uns das in unserem eigenen Geschäft gewaltig.

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Foto: Bayer AG

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