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Digitale Transformation bei KMUs: IT muss führen

27. Oktober 2016 von Jacqueline Prause 5

Welche Rolle spielt die IT-Abteilung bei der Digitalisierung? Eine jüngst veröffentlichte Studie von The Economist Intelligence Unit zeigt, wie IT-Verantwortliche von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) die digitale Strategie ihres Unternehmens mitgestalten können.

Das Marktforschungsunternehmen The Economist Intelligence Unit (EIU) führte kürzlich eine Umfrage unter 201 Top-Managern von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 250 bis 500 Mio. US-Dollar durch. Dabei wurden die Führungskräfte gefragt, wie es mit digitalen Initiativen in ihren Unternehmen aussieht und welche Rolle ihrer Einschätzung nach die IT dabei spielt. Die Umfrage wurde von SAP gesponsert.

Digitaler Wandel: Der Kunde steht im Mittelpunkt

Ähnlich wie ihre Kollegen in Großunternehmen war die überwältigende Mehrheit der Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen der Ansicht, dass der digitale Wandel ein Motor für Wettbewerbsfähigkeit ist – zwei Drittel von ihnen zählten ihn zu den höchsten Prioritäten in ihrer Organisation. Konkret nannten 22 Prozent der Befragten die digitalen Transformation als höchste strategische Priorität und weitere 42 Prozent als relativ hohe strategische Priorität. Auch die Ziele, die KMUs mit der Digitalisierung erreichen wollen, sind denen von Großunternehmen sehr ähnlich. Die am häufigsten genannten Ziele lauteten „Optimierung der Art und Weise, wie unser Unternehmen Daten und Informationen nutzt“ (42 Prozent) und „Verbesserung unserer Produkte und Services mithilfe von digitalen Technologien“ (41 Prozent).

Anders als die meisten Großunternehmen stehen KMUs jedoch enormen Herausforderungen hinsichtlich des Umfangs und der Kosten der Digitalisierung gegenüber. Zugute kommt ihnen aber ihre Fähigkeit, schneller und flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren. Außerdem können sie sich im Vergleich zu kleinen und wendigen Start-ups auf stabilere Kundenbeziehungen stützen. Es überrascht daher nicht, dass KMUs in digitale Technologien investieren, die der Festigung und Ausweitung von Kundenbeziehungen dienen.

Den Ergebnissen der Studie zufolge haben sich KMUs in den letzten drei Jahren überwiegend auf digitale Maßnahmen konzentriert, die auf den Kunden ausgerichtet sind: 64 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass ihr Unternehmen neue digitale Kanäle zum Ausbau des Kundenkontakts gestartet hätten – das sind 9 Prozent mehr als in großen Unternehmen. 63 Prozent bekundeten, dass sie neue Produkte oder Services eingeführt hätten, die erst durch digitale Technologien möglich wurden. Initiativen im Bereich soziale Medien standen bei 73 Prozent der Befragten an oberster Stelle und führten damit die Liste der häufigsten Investitionsfelder an. M-Commerce, das am schnellsten wachsende Segment des Internet-Einzelhandels, bildet einen weiteren Schwerpunktbereich für KMUs.

Digitaler Wandel braucht klare Führung

Trotz dieser Investitionen in neue Technologien laufen kleine und mittlere Unternehmen immer noch Gefahr, beim digitalen Wandel den Anschluss zu verlieren. Und dies aus einem einfachen Grund: Digitale Initiativen in KMUs bringen keine optimalen Ergebnisse. So zeigt die Umfrage, dass die Führungskräfte in KMUs mit ihren digitalen Maßnahmen nicht sehr zufrieden sind. Nur 17 Prozent der Teilnehmer konnten bestätigen, dass die Initiativen in ihrem Unternehmen „hoch effektiv“ sind – in größeren Unternehmen bekundeten dies 27 Prozent.

Die Gründe hierfür sind so vielfältig wie die KMUs selbst, doch einige Faktoren ziehen sich durch alle Antworten durch. So fehlt es in KMUs beispielsweise oft an einer strategischen Aufsicht über digitale Projekte, häufig sogar an einer klaren Digitalisierungsstrategie. Erschwerend kommt hinzu, dass digitale Initiativen in KMUs meist von einzelnen Abteilungen geleitet werden und nicht von der IT-Abteilung. Das gaben 32 Prozent der Führungskräfte an.

Die Befragten äußerten ganz klar den Wunsch, dass die IT-Abteilung eine aktivere Führungsrolle im Unternehmen übernimmt. Hier einige Kernaussagen:

  • 39 Prozent der Top-Manager in KMUs sind der Meinung, dass die IT-Abteilung aktiver zur Verbesserung der Flexibilität des Unternehmens beitragen sollte – jedoch nur 9 Prozent von ihnen können bestätigen, dass ihre IT-Abteilung hierbei eine aktive Führungsrolle übernimmt.
  • 40 Prozent meinen, dass ihre IT-Abteilung die Auswahl, Implementierung und Integration von digitalen Technologien in die Hand nehmen sollte – doch nur 14 Prozent geben an, dass dies tatsächlich der Fall ist.
  • 29 Prozent erwarten von ihrer IT-Abteilung, dass sie in puncto Innovationschancen eine Vorreiterrolle einnimmt – aber nur 3 Prozent können bestätigen, dass sie dieser Erwartung gerecht wird.

Die Schlussfolgerung der EIU aus diesen Einschätzungen: „Der wertvollste Beitrag, den IT-Führungskräfte in KMUs zur digitalen Zukunft ihres Unternehmens leisten können, ist, im intensiven Austausch mit ihren Fachkollegen eine Strategie für den digitalen Wandel auszuarbeiten, die ein für das ganze Unternehmen umsetzbares Modell für funktionsübergreifende Zusammenarbeitet bietet.“

Allerdings legen die EIU-Analysten Wert auf die Feststellung, dass die IT-Abteilung alleine den digitalen Wandel nicht bewerkstelligen kann – es geht nicht ohne eine unterstützende Unternehmenskultur. Damit KMUs von der Erfahrung und Fachkompetenz der IT-Abteilung wirklich profitieren können, muss sich zuerst das Unternehmen als Ganzes weiterentwickeln.

Den vollständigen Bericht der EIU (in englischer Sprache) finden Sie unter Digitising IT: Catalysts for Growth.

Bild: Shutterstock

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