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Digitale Transformation: Der Faktencheck

5. August 2015 von Andreas Schmitz 0

Für Roland Berger geht es bis 2025 um eine Wertschöpfung von 1,25 Billionen Euro in Europa: In den Unternehmen dominiert hingegen das Ringen um das nötige Budget für die digitale Transformation. Denn das Ziel ist die IT der nächsten Generation.

Gewinn erwirtschaften ist an sich ganz einfach: Ein Unternehmen bringt ein Produkt auf den Markt, das der Kunde gut findet. Das spricht sich herum und immer mehr Menschen wollen diese Innovation haben. Möglichst sofort, was die Sache komplizierter macht. Denn bis dem Unternehmen klar ist, dass sich gerade ein Verkaufsschlager entwickelt, vergeht Zeit. Der Hersteller produziert so weiter wie bisher. Erst Tage oder Wochen später gibt das Unternehmen seinen gesteigerten Bedarf an seine Lieferanten. Die haben allerdings die erforderlichen Teile gerade nicht parat. Schon wieder verstreicht Zeit. Heute verhindern starre Wertschöpfungsketten noch, dass ein zweiter Lieferant einspringen und den Bedarf sofort decken kann und etwa über digitale Plattformen die Reaktionen der Kunden auf das Produkt sofort wahrgenommen und weiter gegeben werden. Nach der digitalen Transformation wartet ein Unternehmen nicht mehr auf Dienstleister, der Kunde nicht mehr auf das Unternehmen.

Das Beratungshaus Roland Berger nennt das die „Logik der Digitalisierung“. Dynamische Wertschöpfungsketten also übernehmen künftig das Kommando im Unternehmen.

IT der nächsten Generation“ wird Schlüsseltechnologie für mehr Innovation

Noch ist es nicht so weit, wie ein Blick in aktuelle Untersuchungsergebnisse von der Unternehmensberatung Roland Berger und dem Kasseler Beratungshaus Crisp Research zeigen:

1. Viele Branchen wähnen sich fit: Zwischen der eigenen Einschätzung von Unternehmen, die sich für digital reif halten und ihren eigentlichen Chancen, klafft nach Analyse von Roland Berger je nach Branche eine Kluft zwischen 12 und 28 Prozent. Die größte „Durchdringungslücke“ konstatieren die Analysten in der Energietechnik mit 28 Prozent, gefolgt von der Logistik, dem Automobilbau und dem Maschinen- und Anlagenbau mit je 18 Prozent. Selbst in gut aufgestellten Unternehmen herrscht also Nachholbedarf.

2. Wertschöpfungsverlust von über 600 Milliarden Euro droht: Entsprechend besteht die Gefahr, „Wertschöpfungspotenziale“ liegen zu lassen, sofern der Anteil der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) nicht wächst. Besonders in der Auto- und Logistikbranche habe die digitale Transformation „hohe bis disruptive Auswirkungen“, so die Studie von Roland Berger. Der IKT-Anteil müsse also durchschnittlich um 17 Prozent wachsen, da sonst ein Wertschöpfungsverlust von 350 Milliarden Euro bis 2025 drohe. In anderen Branchen ist der ITK-Einfluss geringer. Insgesamt jedoch würde die europäische Industrie über 600 Milliarden Euro liegen lassen, sofern nicht in die digitale Transformation investiert würde, wohingegen ein Zuwachs von 1,25 Billionen Euro bis 2025 potenziell möglich wäre.

3. Digitale Transformation soll sparen helfen: Größter Hemmschuh in Deutschland ist laut Roland Berger bisher die Sparpolitik der Manager in den Unternehmen. 43 Prozent der befragten Führungskräfte der hiesigen Wirtschaft gab an, dass sie mit Forcierung der digitalen Transformation vor allem eine Kostensenkung verbinden (43 Prozent) und erst nachrangig Ziele wie die Umsatzsteigerung mit neuen Produkten (32 Prozent) und die Umsatzsteigerung mit bestehenden Produkten (10 Prozent) verfolgen. Konkret halten über 80 Prozent der IT-Manager in Deutschland Budgetsteigerungen aufgrund der bevorstehenden digitalen Transformation von mindestens mehr als 10 Prozent für nötig, so die Befragung von Crisp Research. Zwischen Hoffnung und Realität klafft offenbar jedoch eine Lücke: Denn das nicht ausreichende IT-Budget belegt mit 29 Prozent Rang 1 im Hindernis-Ranking, gefolgt von einer inflexiblen IT-Organisationsstruktur (23 Prozent) und einer veralteten Rechenzentrums-Infrastruktur (20 Prozent).

4. Mehrheit ist getrieben von digitaler Transformation: Obwohl sich 93 Prozent der Befragten für mindestens gut gerüstet halten für die digitale Zukunft, zählen sich dennoch nur 39 Prozent der Befragten zu den Vorreitern, von Crisp Research „Profiteur/Gestalter“ genannt und bisher lediglich 42 Prozent haben bereits positive Erfahrung in entsprechenden Projekten gemacht. Fast zwei Drittel jedoch sind „Getriebene der digitalen Transformation“. Sie schauen noch auf die Fehler der Anderen und machen nur das, was nötig ist, um im Wettbewerb nicht abgehängt zu werden.

5. Fachbereiche treiben die IT, aber nicht die Transformation: Die Fachbereiche fordern zwar immer schnellere Ergebnisse der IT, doch treiben sie das Thema digitale Transformation selten aktiv an. Nur jeder zehnte Befragte (12 Prozent) sieht den Fachbereich als treibende Kraft, ganz im Gegensatz zur IT-Abteilung (69 Prozent) und Geschäftsführung (39 Prozent). In den Augen von Crisp Research ist das eine ideale Voraussetzung, um sich als IT wieder unentbehrlicher für das Unternehmen zu machen und eine strategisch und operativ essentielle Rolle einzunehmen. Zwei Drittel der Befragten sehen die interne IT als Ideengeber, Stratege und Umsetzer.

6. IT der nächsten Generation soll Innovation bringen: Gerade in der Innovationskraft dürfte künftig eine wichtige Rolle der IT in den Unternehmen zu erwarten sein. Die Entwicklung, Integration und der Betrieb neuer Anwendungen, aber auch die Produktentwicklung und Proofs of Concept werden künftig in stärkerem Maße auf die IT zukommen, so Ergebnisse von Crisp Research. Die IT der nächsten Generation soll das möglich machen, zu der etwa moderne Plattformen wie die SAP HANA Cloud Plattform oder neue Anwendungen wie die neue Business Suite von SAP, SAP S/4HANA, zählen. Neben Sicherheitsaspekten dominieren zwei Forderungen der IT-Manager die Anforderungen an die IT-Plattformen von morgen: Sie soll über ihre Wendigkeit und Schnelligkeit Innovationen ermöglichen. Knapp neun von zehn Verantwortlichen der Crisp-Research-Umfrage sind sich hier einig.

Lesen Sie auch Beiträge aus der SAP S/4HANA-Serie, die spezifisch auf die Möglichkeit der „IT der nächsten Generation“ aus dem Hause SAP eingehen.

Bild: Shutterstock

 

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2 comments

  1. Matthias

    Auf der Startseite http://go.sap.com/germany/index.html ist im Teaser von 1,25 “Trillionen” EUR die Rede. 😉 Wohl aus dem Englischen übernommen…

    Das nur als kleiner Hinweis.

    • Jasminka Webb

      Sehr geehrter Herr Hanel,
      herzlichen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben natürlich Recht. Ich werde die Änderung gleich veranlassen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Jasminka Webb

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