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Digitale Transformation: Wettlauf mit der Zeit

31. Mai 2016 von Gabriele Middendorf 0

Bestandsaufnahme auf dem Global Digital Leaders Summit in Berlin: Digitalisierungsexperten, CEOs und IT-Entscheider zeigen, wohin die Reise geht.

Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Unternehmen weltweit haben erkannt, dass ihr Erfolg davon abhängt, ob ihnen der Wandel zum digitalen Unternehmen gelingt. Und viele haben bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen.

Aber wo stehen sie bei diesem Prozess? Welche Schritte müssen sie als nächstes angehen? Und liegen sie mit ihrer Strategie richtig, um auf Dauer im Wettbewerb zu bestehen? Diesen und weiteren Fragen widmen sich zurzeit Unternehmenslenker, Experten aus der Digitalwirtschaft und IT-Chefs auf dem Global Digital Leaders Summit 2016 in Berlin. Die vom Management Circle veranstaltete zweitägige Konferenz findet bereits zum zweiten Mal statt. Neben zahlreichen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und themenbezogenen Arbeitsgruppen bietet sie Teilnehmern vielfältige Möglichkeiten zum Austausch und Networking.

Berlin

Strategien zur digitalen Transformation diskutierten Unternehmenslenker, Experten aus der Digitalwirtschaft und IT-Chefs auf dem Global Digital Leaders Summit 2016 in Berlin. (Foto Management Circle)

Social Media und mobil

“Wer nicht mobil ist, hinkt total hinterher” , so skizzierte Gary Wheelhouse, Chief Digital Officer der australischen Elektronikkette Harvey Norman, die Entwicklung in der Einzelhandelsbranche in seinem Vortrag. Alte Einkaufsgewohnheiten verschwänden immer mehr. Kunden erwarteten ein personalisiertes Einkaufserlebnis und zwar auf allen Kanälen. Immer mehr Käufe würden über Mobilgeräte abgewickelt – rund 50 Prozent sind es bereits bei Harvey Norman. Und auch der Abschluss von Finanzierungsverträgen per Mobilgerät bewege sich inzwischen in der gleichen Größenordnung. Social Media spielten eine immer größere Rolle. Dennoch sei es für Unternehmen immer noch ein Wettbewerbsvorteil, auch Ladengeschäfte zu haben. Laut Wheelhouse sollte die digitale Strategie eines Einzelhändlers sich auf folgende Dinge konzentrieren: die Läden und deren technologische Ausstattung, die Verbesserung des Einkaufserlebnisses auf allen Kanälen und die Messung dieser Verbesserungen sowie nicht zuletzt die Mitarbeiter, die mit ins Boot geholt und genauso mobil werden müssten wie die Kunden.

Schnelligkeit zählt

Auch die Medienbranche erlebe durch den digitalen Wandel eine Neuausrichtung, erklärte Christian Graggaber, Chief Digital Officer bei Hubert Burda Media in Russland, in seinem Beitrag. Kaum ein Kunde sei noch bereit, für journalistische Inhalte Geld zu bezahlen. Hubert Burda Media habe deshalb bereits 2002 begonnen, sein Geschäftsmodell zu ändern, um neue Einnahmequellen zu erschließen. Man habe in E-Commerce und Start-up-Unternehmen investiert. Heute erwirtschafte das Unternehmen etwa 60 Prozent seines Umsatzes im Digitalbereich. „Man geht davon aus, dass die digitale Revolution die gleichen Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wird wie die industrielle Revolution“, sagte Graggaber. Da sich die digitale Revolution in einem enormen Tempo vollziehe, müssten sich die Unternehmen ebenso schnell wandeln, um ihr Überleben zu sichern. Insbesondere müssten sie sich in Bezug auf ihr Change Management Fragen stellen wie: Soll man Unternehmen zukaufen oder bestehende Unternehmensteile verkaufen? Ist es vorteilhafter, mit neuen Wettbewerbern zusammenzuarbeiten oder sich stattdessen zu bekriegen? Soll ein separates digitales Business aufgebaut oder dieses vielmehr in die bestehenden nicht-digitalen Unternehmensbereiche integriert werden? Eines sei auf jeden Fall sicher: Wer nicht offen für Innovation sei, werde nicht überleben.

Gute Ansätze sind bereits zu erkennen

Bei einer anschließenden Bestandsaufnahme im Rahmen eines Think Tanks zeigte sich: Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen haben sich inzwischen auf den Weg gemacht und erste Schritte unternommen. So haben sie bereits erste Richtlinien für ihren digitalen Wandel erarbeitet. Darüber hinaus messen sie die Kundenorientierung ihrer kundennahen Abteilungen und haben sich vom Silo-Denken verabschiedet. Gleichzeitig haben sie erkannt, dass digitale Transformation ein vielschichtiger, ganzheitlicher Prozess ist, der eine zentrale Steuerung durch das Business erfordert. Nicht zuletzt deshalb haben viele Unternehmen die Funktion des Chief Digital Officer eingeführt, der alle Fäden der digitalen Strategie in der Hand hält und unter anderem auch mit der IT-Abteilung als Teilbereich des digitalen Wandels zusammenarbeitet.

Mitarbeiter  müssen mitziehen

Stolpersteine sind in vielen Unternehmen die Genehmigungsprozesse für Änderungen, die immer noch als viel zu langwierig empfunden werden. Das größte Hindernis sehen viele Teilnehmer aber in den Mitarbeitern selbst, die häufig noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind. „Letztendlich hängt alles von den Mitarbeitern ab“, erklärte Dr. Claudine Perlet, Head of Digital Strategy and Transformation Office bei Allianz SE. Die Mitarbeiter müssen hinter der Transformation stehen, die erforderlichen technischen Kenntnisse haben und verstehen, welchen Nutzen ihnen der digitale Wandel bringt. Denn der digitale Wandel kann nur dann gelingen, wenn alle Beschäftigten im Unternehmen an einem Strang ziehen und „digitales Denken“ in ihrem Arbeitsalltag umsetzen.

Foto: Shutterstock

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