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Digitaler Hub für Afrika

15. Juli 2016 von Robin Meyerhoff 0

Ruanda hat sich zum wichtigsten Innovationsstandort Afrikas entwickelt. Die Wirtschaft des Landes wächst weltweit am schnellsten. Und IT spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Haben Sie Lust auf ein kleines Quiz? Welches afrikanische Land entwickelt sich derzeit am schnellsten und hat eine jährliche Wachstumsrate von etwa acht Prozent? Welches ist der zweitbeste Ort auf diesem Kontinent, um Geschäfte zu machen? Welches ist das sicherste Land Afrikas und das fünf sicherste weltweit? (Ruandas Erfolge)

Haben Sie auf Ruanda getippt? Dann liegen Sie richtig! Ruanda ist ein kleines ostafrikanisches Land. Es grenzt an Uganda, Tansania, Burundi und die Demokratische Republik Kongo.

Im Ausland wird Ruanda noch immer häufig mit dem Bürgerkrieg von 1994 in Verbindung gebracht. Aber Ruanda hat es geschafft, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Nun vertritt das Land neue Werte wie Demokratie, Gerechtigkeit, Versöhnung und Entwicklung.

Weltwirtschaftsforum Afrika

Im Mai fand das Weltwirtschaftsforum zu Afrika in Ruandas Hauptstadt Kigali statt. Das wichtigste Thema war die Vernetzung afrikanischer Ressourcen durch die Digitalisierung. Dass die Veranstaltung in Ruanda abgehalten wurde, ist kein Zufall. Schließlich gilt das Land mittlerweile als „ein regionales Hightech-Zentrum mit einer der höchsten BIP-Wachstumsraten im subsaharischen Afrika.“

Unter diesen Umständen kommt es nicht überraschend, dass die SAP die Africa Code Week im Rahmen des Forums in Kigali einläutete. Die Africa Code Week wird bereits im zweiten Jahr von der SAP und ihren Partnern veranstaltet. Ziel ist es, jungen Menschen zwischen 8 und 24 Jahren Programmierkenntnisse beizubringen. Die Initiative erreichte letztes Jahr 89.000 Jugendliche in 17 Ländern. 2016 sollen mehr als 150.000 Jugendliche in 30 Ländern ausgebildet werden.

Warum boomt Ruanda?

Die Straßen von Kigali sind sauber und wohin das Auge reicht, sieht man moderne Architektur. Abdul Musare Arsene, ein junger Journalist aus Kigali berichtet, welche Entwicklungen er in Ruanda gerade richtig spannend findet: „Ruanda entwickelt sich so schnell“, sagte er. „Es lässt seine Nachbarländer – Burundi, Kongo, Uganda – gerade ziemlich weit hinter sich. Wenn man einmal zwei Monate weg war und dann nach Kigali zurückkommt, erkennt man die Stadt kaum wieder. Neue Gebäude schießen wie Pilze aus dem Boden und das Wirtschaftswachstum geht steil nach oben.“

Der Fortschritt Ruandas ist aber kein Zufall. Mit der im Jahr 2000 veröffentlichten Vision 2020 möchte Ruanda bis 2020 ein Land der mittleren Einkommensgruppe und eine wissensbasierte Wirtschaft werden, die nicht nur regional, sondern auch international wettbewerbsfähig ist.

Für den Erfolg der Vision 2020 ist kaum etwas wichtiger als der Ausbau der technischen Infrastruktur. Dies hat großen Einfluss auf die weiteren Säulen des Programms, zum Beispiel auf eine verantwortungsvolle Staatsführung, gut ausgebildete Arbeitskräfte und einen leistungsstarken privaten Sektor.

Für die Finanzierung des IKT-Sektors hat die Regierung immer mehr Budget zur Verfügung gestellt und sich um ausländische Investitionen bemüht. Das Ergebnis: Ruanda gilt mittlerweile als ein Musterbeispiel für tiefgreifenden Wandel. Nicht nur hat das Land ein historisches Trauma überwunden, es hat zudem eine neue Rolle als technologischer Wegbereiter eingenommen. Ein Zwischenbericht über den Fortschritt der Vision belegt, dass seit 2000:

  • der IKT-Sektor um 25 Prozent gewachsen ist, die restliche Wirtschaft hingegen um etwa 7 Prozent.
  • 70 beziehungsweise 28 Prozent der Bevölkerung über Telefon- und Internetanschlüsse verfügen.
  • das Land auf dem besten Weg ist, für 98 Prozent aller ruandischen Bürger bis zum Jahr 2017 eine Netzabdeckung mit 4G/LTE bereitzustellen.
  • mehr als 5.000 Kilometer Glasfaserkabel innerhalb des Landes verlegt wurden.

Code ist die Sprache der Zukunft

In Ruanda sind 43 Prozent aller Einwohner jünger als 16 Jahre. Nachhaltiges Wachstum kann also nur erreicht werden, wenn junge Menschen technische Fähigkeiten erwerben und zum Unternehmertum inspiriert werden. Dies ist einer der Gründe, warum Regierungsvertreter die Africa Code Week unterstützen. Beispielsweise Jean Philbert Nsengimana, der ruandische Jugend- und IKT-Minister: „Die Africa Code Week eröffnet allen neue Möglichkeiten“, betonte Minister Nsengimana. „Wir erkennen daran, dass Code die Sprache der Zukunft ist und vor allem die Jugend das Recht darauf hat, diese im 21. Jahrhundert zu erlernen. Wir stehen auch vor der Herausforderung, dass man die Schulen besser ausstatten muss. Während einige Menschen Zugang zu der besten Infrastruktur des Landes haben, haben gerade in den ländlichen Gebieten nur wenige die Gelegenheit, Technologie zu nutzen. Diese Lücke müssen wir schließen.“

Africa Code Week: Innovation fördern

Auch der wachsende private Sektor wirkt bei der Africa Code Week tatkräftig mit. Der Jungunternehmer Aphrodice Mutangana hat bereits einige Projekte ins Leben gerufen, unter anderem eine Plattform, die mit Crowdsourcing ältere Überlebende des Völkermordes unterstützt. Zudem entwickelte er eine mobile Lösung, über die man Informationen zu verschreibungspflichtigen Medikamenten in Afrika abrufen kann.

Mutangana beteiligt sich als ruandischer Botschafter an der Africa Code Week 2016 und hilft, Ausbilder, Studenten und Partner im privaten und öffentlichen Sektor für das Programm zu gewinnen. Zudem ist er Geschäftsführer von kLabs, einem innovativen Zentrum, das junge IT-Unternehmer und erfahrenere Mentoren vernetzt.

An dem folgenden Beispiel wird deutlich, wie Mutangana und kLabs junge Ruander zu innovativen Ideen inspirieren. Der 20-jährige Unternehmer Eric Kubwumucunguzi gründete eine Firma, die die Benutzerfreundlichkeit von Software verbessert. Er wird von kLabs unterstützt. Im Gegenzug hilft Kubwumucunguzi seinem 14-jährigen Bruder. Dieser möchte mit der Technologie des Internets der Dinge (Wearables und Sensoren an Motorrädern) „Mototaxi“-Unfälle reduzieren. Motorradtaxis sind das wichtigste Transportmittel in Kigali und gleichzeitig sehr gefährlich. Solch eine Lösung könnte das Leben vieler Menschen retten.

Damit die IKT-Organisationen ihre Ziele schneller erreichen, schickt die SAP im Juli freiwillige Helfer nach Ruanda. Zum Beispiel zu dem Mobiltechnologie-Unternehmen HeHeLabs und zur IKT-Kammer von Ruanda, die neue technologieorienterte Unternehmen und Unternehmer unterstützen – beispielsweise kLabs.

Bildung hat Priorität in Ruanda

Es ist wirklich unglaublich, welchen Wandel Ruanda vollzogen hat. 1994 tobte in dem Land ein Völkermord, bei dem extremistische Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa eine Million Menschen der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutus töteten. Dies geschah alles im Verlauf weniger Monate. Ruanda ist jedoch nun auf dem besten Weg, ein Vorbild für erfolgreiche Entwicklung und den digitalen Wandel zu werden.

Was können andere afrikanische Nationen nach Meinung von Minister Nsengimana von Ruanda lernen? Aus seiner Sicht liegt der Unterschied darin, Bildung zur Priorität zu machen und bereit zu sein, dafür Opfer zu bringen. „Die Lage ist schwierig. Jeder Sektor braucht dringend finanzielle Mittel und man muss sich genau überlegen, wo man das Geld hineinsteckt. Ruanda hat sich dafür entschieden, auf Ausbildung zu setzen und dadurch in die nächste Generation zu investieren. Das ist unser Weg.“

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