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Digitalisierung: Technologien und Strategien zusammenbringen

Feature | 23. Februar 2016 von Andreas Schmitz 0

Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren mithilfe von Smart Data, Umsatzverbesserungen durch digitale Services: SAP, BMW, VW und HILTI zeigen auf den Hamburger IT-Strategietagen, wie DAX-Konzerne die nötige digitale Transformation angehen – und worauf es ankommt.

„Technologie ist nicht mehr der limitierende Faktor“, sagte Helen Arnold, CIO der SAP auf den Hamburger IT-Strategietagen Ende Februar 2016. Wenn Robert Bosch täglich fünf Millionen Sensoren in seinen Geräten verbaut, BMW seine Autos bereits auf 95 Prozent der Autobahnstrecken autonom fahren lassen kann und Siemens als eine zusätzliche strategische Säule nun die Digitalisierung neben der Automatisierung und Elektrifizierung etabliert hat, zeigt das: Die Transformation ist nicht nur bereits im Gange, sondern es gibt bereits eine Unzahl von Ansätzen, die zeigen, wie Innovation durch Digitalisierung in den Unternehmen möglich wird. 

SAP: Start-up-Mentalität im Konzern etablieren

Beispiel TwoGo: Mitarbeiter der SAP waren unzufrieden darüber, dass der Weg zur Arbeit in Walldorf durch die Menge an Autos immer wieder recht zäh wurde. Sie schlossen sich zusammen und entwickelten eine App, durch die inzwischen weltweit 44.000 Fahrgemeinschaften gebildet und über eine Million Fahrkilometer eingespart wurden. Eine Start-up-Mentalität trotz Konzernstrukturen zu etablieren, ist eine wichtige Aufgabe beim Softwarehersteller SAP. Prototypen entwickeln und schnell in die Anwendung bringen lautet das Ziel der SAP. Damit das gelingt, ist die Nähe zwischen Fachbereichen und der IT unerlässlich. Denn die IT spielt nach Ansicht von CIO Arnold eine Vorreiterrolle im Wandel in den Unternehmen: „Themen wie Big Data und Algorithmen sind inzwischen derart wichtig, dass sie im Vorstand der Unternehmen diskutiert werden müssen.“ Den besten Beweis dafür liefert Michael Nilles, der seit kurzem als Chief Digital Officer beim Aufzugshersteller Schindler die digitalen Belange im Vorstand vertritt – eine Aufwertung der Funktion des Ex-CIO.

IOT in Korea: Verkehrssündern wird die Strafgebühr sofort vom Konto abgebucht

In der Automobilindustrie zeichnet sich heute bereits ab, dass das Auto der Zukunft künftig mehr „Device Carrier“ als ein herkömmliches Fahrzeug ist, das also neben dem reinen Fahren diverse elektronische Services anbietet – von gestreamter Musik über die Gestensteuerung bis hin zum autonomen Fahren. „Das Auto ist Teil des World Wide Web“, erläutert Elmar Frickenstein, Bereichsleiter bei BMW, der mit seinem i8 Spider selbst kürzlich weitgehend autonom von München nach Ingolstadt gefahren ist – als persönlicher Test. Auf der CES in Las Vegas kürzlich vorgestellt ist der i8 Spider in der Lage, wahlweise während der Fahrt auf den Videokonferenz-Modus umzustellen. Das Fahrzeug übernimmt die Weiterfahrt und der Fahrer kann sich auf die Konferenz konzentrieren. In Korea ist die Vernetzung sogar noch einen Schritt weiter: „Fährt ein Auto schneller als erlaubt, wird gleich die entsprechend fällige Strafgebühr vom Konto abgebucht“, so Frickenstein.

Künstliche Intelligenz bei VW: 2030 produzieren und fertigen die Systeme eigenständig

Auch Wettbewerber VW testet bereits entsprechende Technologien. Für Martin Hofmann ist die künstliche Intelligenz das Thema, das für die Zukunft der Entwicklungen immer wichtiger wird. „Das Auto muss aufgrund von Daten in Bruchteilen einer Sekunde entscheiden, was es tun soll“, erläutert der Group-CIO des Wolfsburger Autokonzerns VW. „Springt ein Fußball von der Seite auf die Windschutzscheibe, muss das Auto die Möglichkeit mit einbeziehen, dass ein Kind auf die Straße läuft, um den Ball zu holen“, so Hofmann. Eine Vollbremsung wäre dann also eher angesagt als etwa „nur“ leicht abzubremsen. Zu einer derartigen Differenzierung in der Entscheidung muss ein IT-System auf Basis von Big Data in der Lage sein. Sind es heute noch Analysen, teilweise Vorhersagemodelle und sogar Mustererkennungen auf Basis von Big Data, so wird es künftig seiner Ansicht nach um selbstlernende Algorithmen gehen. „Etwa 2030 werden selbstlernende Systeme zum Einsatz kommen, die nicht nur das Fahren, sondern auch die Entwicklung und die Produktion von Fahrzeugen autonomisiert“, ist Hofmann überzeugt.

HILTI: Indirekte Umsatzverbesserungen durch die Digitalisierung

Auch bei HILTI ist die Digitalisierung längst angekommen. Und doch kann Michael Petry, CIO bei dem Befestigungsspezialisten aus Liechtenstein, das Wort und den Hype um das Thema nicht mehr hören. „Das ändert nichts daran, dass die Digitalisierung kommt und auch bleibt“, so Petry, der inzwischen interne Geschäftsprozesse angepasst hat, individuelle Kundenangebote ermöglicht und digitale Kundenschnittstellen etabliert hat. Trotz aller innovativer Services und Initiativen in Richtung Digitalisierung und Transformation ist für ihn klar, dass HILTI auch in der Zukunft weiter Dübel verkaufen wird und keine Software. „Messen, Bohren, Dübel rein, Loch zu“, beschreibt Petry etwas vereinfacht, was HILTI im Kern macht. „Mit Hilfe der Digitalisierung werden wir indirekte Umsatzverbesserungen erreichen“, erläutert Petry, „denn für zusätzliche Services wie Apps will ja kein Kunde Geld ausgeben.“ Die Chance für das Unternehmen sieht er also gerade darin, durch noch besseren Service neue Kunden zu gewinnen.

Helen Arnold, CIO bei SAP: „Vom Bootcamp in die Produktisierung“

Bild: SAP

“Neue Umsatz- und Denkmodelle werden nötig sein”, sagte Helen Arnold, CIO der SAP auf den Hamburger IT-Strategietagen.

Das sieht auch Arnold so: „Neue Umsatz- und Denkmodelle werden nötig sein“, erläutert die Managerin von SAP – und sie werden immer häufiger erforderlich. „Vom Bootcamp direkt in die Produktisierung“ beschreibt Arnold das Vorgehen bei SAP, das nicht zuletzt durch die Entwicklungen rund um die In-Memory-Plattform SAP HANA mit dazu beitragen, dass sich Entwicklungszyklen verkürzen und Einführungen beschleunigen. Im Digital Boardroom sehen Entscheider von SAP inzwischen die sekundenaktuellen Umsatzentwicklungen, wenn nötig auf Länder, Geschäftsbereiche und Produkte heruntergebrochen. Das beschleunigt wiederum nötige Managemententscheidungen – die beste Grundlage also für weitere Veränderungen und Anpassungen im Unternehmen.

Digitale Transformation erfordert systematisches Management der Veränderung, wie Carsten Linz, Business Development Officer und Leiter des CIO Center for Digital Leadership der SAP, erläutert: „Ein Digital Transformation Framework, das sowohl den aktuellen digitalen Reifegrad ermittelt als auch die digitale Ambition des Top-Managementteams festlegt, hilft einen einzigartigen strategischen Pfad festzulegen und die Organisation hinsichtlich Führung, Prozessen, Plattform, digitaler Basis, Kompetenzen und Kultur systematisch weiter zu entwickeln.“

Auf der Cebit 2016 in Hannover zeigt SAP, wie die Plattform SAP HANA zum Ausgangspunkt des Wandels in den Unternehmen wird.  Weitere Informationen.

Aufmacherbild: Shutterstock

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