DSAG: Die Kunden-Gewerkschaft

Feature | 14. September 2010 von Christiane Stagge 0

Offener Dialog: Die DSAG vertritt die Interessen der deutschsprachigen SAP-Nutzer. (Foto: Benjamin Blaume)

Kritisch auf dem Posten: Die DSAG vertritt die Interessen der SAP-Nutzer. (Foto: Benjamin Blaume)

Ob Roadmaps zu neuen Enhancement Packages, Ansprechpartner für Neuimplementierungen oder Tipps fürs ERP-Upgrade – seit 1997 treten in der deutschsprachigen Anwendergruppe (DSAG) SAP-Nutzer für ihre Belange ein. Die DSAG ist weitaus mehr als nur ein Forum. Mit 32.570 Mitgliedern und 2.364 Mitgliedsfirmen  vertritt sie als unabhängige Vereinigung die Interessen aller deutschsprachigen SAP-Nutzer gegenüber dem Softwarekonzern –  ähnlich wie bei einer Gewerkschaft oder einem Betriebsrat. Das Besondere: In den einzelnen Gremien und Arbeitskreisen sitzen auch SAP-Mitarbeiter. So haben Kunden die Möglichkeit, ihre Wünsche und Forderungen persönlich anzusprechen beziehungsweise auf direktem Wege Informationen über geplante Roadmaps oder Softwarefunktionen zu erfahren.

Die DSAG hat ihren Hauptsitz in Walldorf direkt neben dem SAP-Hauptgebäude. Ihren größten Erfolg konnte sie im vergangenen Jahr feiern: Auf Drängen der Nutzer kehrte SAP zu seinem zweigleisigen Wartungsmodell zurück. Kunden haben nun wieder die Wahl zwischen Enterprise Support und dem weitaus preisgünstigeren Standard Support.

Derzeit setzt sich die DSAG verstärkt für folgende Ziele ein:

  • Den Marktstart von EHP 5
  • Die Integration des BusinessObjects Portfolios in Wartung und Support
  • Ein transparentes, flexibles Lizenzmodell

Lesen Sie auf den folgenden Seiten alles über:

Aufbau und Organisation

Die DSAG ist unterteilt in Vorstand, Lenkungskreise, Fachbeiräten und Arbeitsgruppen. Insgesamt besteht die deutschsprachige Anwendergruppe aus 41 Arbeitskreisen und 120 Arbeitsgruppen.

Die Arbeitskreise und Gruppen sind unterteilt in die Kategorien Branchen, Prozesse, Technologie, Mittelstand, Service und Support.

Folgende Branchen sind in der DSAG vertreten:  Automotive, Banking, Energieversorger, Fertigung, Handel, Immobilienwirtschaft, Konsumgüter, Krankenhaus, Medien, Mill Products, Professional Services, Public Sector, Telecommunications, Globalization.

Analog der Betriebsprozesse im Unternehmen existieren in der DSAG Arbeitsgruppen für: Environment, Health & Safety, Financials, Instandhaltung & Servicemanagement, Personalwesen, Product Lifecycle Management, Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Supplier Relationship Management, Supply Chain Management, Vertrieb & Marketing, Geschäftsprozessmanagement, Revision/Risikomanagement, Global Rollout & Projektmanagement.

Entsprechend der SAP-Technologien ergibt sich folgende Aufteilung der Arbeitskreise: Application Integration, Datenarchivierung, Dokumentenbasierte Prozesse, Identity Management & Security, Infrastruktur & Betrieb, Master Data Management, Plattformen, Portale, SAP NetWeaver Development: ABAP und Java, BI & CPM.

Der Mittelstand ist mit zwei Arbeitsgruppen namens „SAP im Mittelstand“ und „Business ByDesign“ vertreten.

Kosten der Mitgliedschaft

Mitglied in der DSAG können nur selbstständige Unternehmen, Institutionen oder Behörden werden, die SAP-Software einsetzen. Einzelpersonen sind von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Das Mitgliedsunternehmen bestimmt  einen Ansprechpartner, der sich um administrative DSAG-Angelegenheiten kümmert. Dieser Mitarbeiter vertritt sein Unternehmen auch bei der DSAG-Jahresversammlung.

Im Rahmen ihrer Mitgliedschaft kann die Firma eine beliebige Anzahl von Mitarbeitern für die einzelnen Arbeitskreise und Arbeitsgruppen anmelden. An den Treffen der einzelnen Gremien dürfen jedoch nur maximal zwei Mitarbeiter aus dem gleichen Unternehmen teilnehmen.

Unternehmen, die sich mit dem Gedanken tragen, DSAG-Mitglied zu werden, können eine kostenfreie Probemitgliedschaft für acht Monate betragen. Ansonsten hängen die Kosten für die Mitgliedsbeiträge  von der Mitarbeiteranzahl und dem Jahresumsatz der Firma ab. Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 250 Millionen zahlen 500 Euro. Öffentliche Institutionen sowie Hochschulen zahlen ebenfalls nur 500 Euro.

Für Unternehmen, die mehr als 250 Millionen Euro Umsatz jährlich verbuchen, kostet der DSAG-Jahresmitgliedsbeitrag 1000 Euro. Diese Summe zahlen auch alle Beratungsunternehmen, IT-Firmen und Banken mit mehr als 500 Mitarbeitern.

2009 hatten EDV-Dienstleister und Unternehmensberater mit 30 Prozent den höchsten Anteil an Mitgliedern bei der DSAG. Die Fertigungsindustrie folgt mit 8,4 Prozent, der Anteil des öffentlichen Bereichs beträgt 6,9 Prozent.

Ziele der DSAG

Einfach, mobil, stabil: SAP-Anwender erwarten eine Unternehmenssoftware, die an die individuellen betriebswirtschaftlichen Anforderungen angepasst ist und sich auf Smartphones bedienen lässt. Kunden wollen frühzeitig über Neuentwicklungen und Erweiterungspakete informiert werden und fordern, dass bestehende Investitionen geschützt sind, auch wenn neue Software im Angebot ist. Die DSAG setzt sich weiterhin für einen bedarfsgerechten, flexiblen und preisdifferenzierten Support ein.

Einmal im Jahr trifft sich die DSAG zur großen Mitgliederversammlung. 2010 findet der DSAG-Jahreskongress in Nürnberg statt. Im Jahr zuvor tagten die Mitglieder in Bremen. Der Großteil der Arbeit wird jedoch in den einzelnen Arbeitskreisen geleistet, in denen die Vertreter der einzelnen Unternehmen mit SAP-Mitarbeitern an einem Tisch sitzen.

In einem Service Level Agreement (SLA) haben beide Seiten vereinbart, dass die SAP nach Entgegennahme der Vorschläge diese innerhalb von 12 Wochen beantworten muss. Was die einzelnen Softwareprodukte betrifft, setzt sich die DSAG für folgende Punkte ein:

SAP Business Suite: Start frei für EHP 5: Im Juni 2010 sollte das fünfte Erweiterungspaket für SAP ERP 6.0 erscheinen. Doch die Freigabe von EHP5 verzögert sich. Die DSAG setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass Kunden das fünfte Enhancement Package so bald wie möglich nutzen können. Waldemar Metz, DSAG-Vorstand für das Ressort Prozesse und Anwendungen, zeigte jedoch Verständnis: Eine Verzögerung sei besser, als unausgereifte Produkte unter die Kunden zu bringen. (Quelle: Blaupause 3/2010, S. 25).

Laut aktuellem SAP-Plan können die Nutzer allerdings erst wieder in 24 Monaten auf eine Neuerung hoffen. Dieser Zeitraum sei zu lange. Und nur alle 12 Monate ein EHP anzubieten, ist für Metz ebenfalls nicht kundenfreundlich genug. Die DSAG plädiert daher für eine „Zwischen-EHP“, das ohne viel Aufwand und ohne Sandboxes installiert werden kann und keine langwierigen Regressionstests nach sich zieht. Weiterhin fordert die deutschsprachige Anwendergruppe ganzheitlich abgestimmte Roadmaps und benutzergerechte Preismodelle. Die Benutzerführung sollte über alle Komponenten hinweg vereinfacht werden und weniger kompliziert sein.

SAP ERP: Die Roadmap für die ERP-Software muss eingehalten werden. Eine neue Lizenzstruktur lehnt die DSAG ab.

SAP NetWeaver Plattform: Da die Betriebe unterschiedliche Technologien wie ABAP und Java nutzen beziehungsweise verschiedene NetWeaver-Versionen (7.0, 7.1, 7.2) verwenden, können Erweiterungspakete  nicht einheitlich eingespeist werden. Das ist nicht nur kompliziert, sondern auch teuer. SAP-Kunden sollten daher rechtzeitige und eindeutige Informationen über die Entwicklung der NetWeaver-Plattform erhalten. Die DSAG setzt dabei auf bewährte Standards: Eine zentrale, stabile, in ABAP programmierte NetWeaver Plattform, auf der alle Business Suite-Anwendungen laufen. Eine Java-Plattform sollte zudem den nötigen Raum für Weiterentwicklungen geben. Master Data Management und Identity Management sollen zudem zu echten Komponenten von SAP NetWeaver werden.

BusinessObjects/SAP NetWeaver Business Warehouse: Für 2010 hat die DSAG sich zum Ziel gesetzt, die Integration der BusinessObjects-Produkte in den Service und Support voranzutreiben. Seit dem Kauf von BusinessObjects 2007 sind immernoch viele Fragen nach Preismodellen, Architekturen und Migrationsstrategien offen geblieben. Die DSAG setzt sich dafür ein, dass die alten BI-Tools in SAP NetWeaver Business Warehouse weiterhin vom Support abgedeckt werden und fordert  für das BusinessObjects-Portfolio verlässliche Roadmaps.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: SAP Solution Manager, Support und Lizentmodelle

Support: Im Bereich Service und Support landete die DSAG einen Erfolgstreffer: SAP gab den Forderungen der Kunden nach und kehrte Anfang 2010 wieder zum alten Support Modell zurück. Das bedeutet, dass Nutzer weiterhin die Wahl zwischen einem einfachen Wartungsmodell, dem Standard Support und einem erweiterten Wartungsmodell, dem Enterprise Support, haben. Die Haltung der DSAG bleibt klar: Standard Support muss weiterhin preiswerter bleiben als Enterprise Support.

SAP Solution Manager: Der SAP Solution Manager ist ein Werkzeug, das Unternehmen dabei helfen soll, Neuimplementierungen zu steuern und zu verwalten. Anwender beklagen jedoch,  dass sie diesen Service auf Grund von fehlendem Wissen häufig nicht nutzen können. Oftmals fehle die Anbindung an SAP-Fremdsoftware. Der Solution Manager lässt sich zudem nur schwer bedienen.

Lizenzmodell/Pricing: Die DSAG kritisiert die Intransparenz und Komplexität der Preis- und Lizenzmodelle. Die Vertragslaufzeiten seien zu lang,  binden den Anwender für mehrere Jahre und rauben ihm somit die Flexibilität. Lizenzen sollten daher besser an die betrieblichen Prozesse angepasst sein. Nutzer sollten die Möglichkeit haben, anhand von Vorgänger-Preislisten vergleichen zu können.

SAP Business ByDesign und Branchenlösungen: Seit Juli 2010 ist Business ByDesign mit konkreten Preismodellen und Einsteiger-Paketen auf dem Markt. Die Arbeitsgruppe beobachtet, ob die Software die Bedürfnisse des Mittelstands abdeckt. In Kooperation mit den Branchenverbänden arbeitet die DSAG zusammen mit der SAP an einer Weiterentwicklung der Branchenlösungen.

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2 comments

  1. Bernd Oestreich

    So ist das mit Umsatz und Gewinn!
    Selbst in diesen “hochgelobten Kreisen” sind das manchmal Faktoren die gerne wild gemischt werden!
    Meine konkrete Frage hinsichtlich der Mitgliedsbeiträge:
    Wenn eine Firma mehr UMSATZ als 250 Mio. hat, aber weniger GEWINN als 250 Mio., welchen Mitgliesbeitrag hat diese Firma bei der DSAG zu zahlen?

  2. Angelika Jung (DSAG)

    Der Mitgliedsbeitrag errechnet sich nach dem Umsatz und NICHT nach dem Gewinn. Bei mehr als 250 Mio. Euro Umsatz kostet die Mitgliedschaft bei der DSAG 1.000 Euro.

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