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An zwei Stellschrauben gleichzeitig drehen

17. September 2015 von Thomas Kircher 0

Für den digitalen Wandel müssen die Netze ausgebaut und neue Geschäftsmodelle gefördert werden. Die DSAG befasst sich daher auch mit Fragen zur Optimierung und neuen Methoden für Infrastrukturen, die den Weg für Industrie 4.0 ebnen sollen.

Die Diskussion rund um das Thema Netzneutralität spaltet die Beteiligten aktuell in zwei Lager. Die einen, die in ihrer Aufhebung eine Benachteiligung für den privaten Verbraucher sehen. Die anderen, die für Wettbewerbsvorteile durchaus auch ein wenig mehr Geld in die Hand nehmen würden. Was meint die DSAG dazu? Otto Schell, DSAG-Vorstand Branchen/Geschäftsprozesse, im Interview.

Herr Schell, wie kommt Deutschland auf den kommunikationstechnischen Stand, um für das Internet of Things (IoT) fit zu werden?

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“Funklöcher sind keine Option im Internet-of-Things-Zeitalter.” Otto Schell, DSAG-Vorstand Branchen/Geschäftsprozesse

Tatsache ist, dass unsere Netze – Stand heute – den digitalen Wandel, den das Gros der Unternehmen aktuell anstrebt, nicht stemmen können. Sicherlich kann man sich darüber ärgern, dass hier nicht vorausschauend gehandelt wurde. Die Schaffung einer Basis jetzt quasi an Netzbetreiber auszulagern ist dennoch notwendig, wenn wir als Land wettbewerbsfähig bleiben wollen. Denn Funklöcher sind keine Option im Internet-of-Things-Zeitalter. Innerhalb der DSAG befassen wir uns daher auch mit Fragen zur Optimierung, dem Ausbau und neuen Methoden für Infrastrukturen, die den Weg für Industrie 4.0 flächendeckend ebnen sollen.

Hemmt der mangelnde Netzausbau die Innovationskraft deutscher Unternehmen?

Das steht so nicht zur Diskussion. Große Erfinder wie beispielsweise James Watt haben sich nicht darauf ausgeruht, dass es bereits Dampfmaschinen gab, die neue Wege in der Industrie ermöglichten. Er entwickelte ein andersartiges Modell, weil er in dieser innovativen Technologie Potenzial sah, das sich den Industriellen der damaligen Zeit nicht erschloss. Erst als der deutlich verbesserte Wirkungsgrad zur Realität wurde, fand seine Dampfmaschine die nötigen Investoren und ging „in Serie“.

“Ein unzureichend ausgebautes Netz darf die Innovationskraft hierzulande nicht schmälern.”

Wie lässt sich das Beispiel auf die Netz-Diskussion anwenden?

Es liegt in der Natur unserer Gesellschaft, bevorzugt das zu fördern, was seinen Nutzen in der Praxis bereits offenbart. Wenn nun fortschrittliche Geschäftsmodelle entwickelt werden, die dem Standort einen entsprechenden Vorteil versprechen, kann man sicher sein, dass dafür auch die notwendige Infrastruktur geschaffen wird. Ein unzureichend ausgebautes Netz sollte und darf die Innovationskraft hierzulande nicht schmälern. Leider gestaltet sich das in der Wirklichkeit eher verhalten. Daher ist es umso wichtiger, an beiden Stellschrauben – der Förderung neuer Geschäftsmodelle und dem Netzausbau – gleichermaßen zu drehen, um den Standort Deutschland nach vorn zu bringen.

Was bedeuten Internet der Dinge und Industrie 4.0 langfristig für den Standort Deutschland?

Nun, einer Sache sollten wir uns bewusst sein. Wir haben in Deutschland keine Bodenschätze, wir haben in erster Linie Kopfschätze. Wir können nicht wie andere Nationen bei Bedarf ein Loch in die Erde bohren und uns bedienen. Daher müssen wir es schaffen, die Verantwortlichkeiten für die Standortentwicklung nicht länger von A nach B und weiter nach C durchzureichen, sondern gemeinsam mit der Politik ein Konzept zu erarbeiten, das wir konkret umsetzen und so unseren Standort absichern können.

“Bei der M2M-Kommunikation auf Unternehmensebene (Sensorik) sind wir gut aufgestellt. Was oft noch fehlt, ist die Idee, was man daraus machen kann.”

Was braucht es, um unsere Wirtschaft in eine gute Position im Rennen um Industrie 4.0 und Co. zu bringen?

In unseren Gesprächen innerhalb der Arbeitskreise haben wir festgestellt, dass wir bei der Machine-to-Machine-Kommunikation auf Unternehmensebene, also im Bereich der Sensorik, sehr gut aufgestellt sind. Was oft noch fehlt, ist die Idee, was man daraus machen oder weiterentwickeln kann. Wie sich aus dem Einsatz neuer Technologien und zunehmender Vernetzung im Hintergrund wiederum neue Geschäftsmodelle in den Markt hinein entwickeln lassen.

Haben Sie dazu ein konkretes Beispiel?

Gute Beispiele sind aus der Autobranche in den Bereichen Wartung und Reparatur zu finden. Wenn man für den Steinschlag in der Windschutzscheibe nicht mehr extra in die Werkstatt muss, sondern die Reparatur vor Ort vorgenommen wird, ist das ein durchaus reizvolles Geschäftsmodell via Vernetzung. Und wenn eine entsprechende Bremsensensorik bei drohender Überhitzung frühzeitig eine Gefahrenmeldung und Reaktion bis hin zur Werkstatt erlaubt, lässt sich damit auch der Qualitäts-, beziehungsweise Rückrufprozess massiv beeinflussen. Möglichkeiten gibt es viele – man sollte sich nur nicht von äußeren Faktoren davon abhalten lassen, quer genug zu denken.

Weitere Informationen:

DSAG-Video: Industrie 4.0: https://www.youtube.com/watch?v=WiyOIUrrps0

DSAG-Landingpage Industrie 4.0: www.dsag.de/go/industrie_4.0

Foto: Otto Schell, DSAG-Vorstand Branchen/Geschäftsprozesse
Foto: Shutterstock

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