Durchstarten dank Bodenhaftung

Feature | 17. Mai 2004 von admin 0

Flughafenbetrieb in München

Flughafenbetrieb in München

Höhenflüge aufgrund unrealistischer Annahmen enden häufig mit einer unsanften Landung. Auf diese Erfahrung kann die Flughafen München GmbH (FMG) gern verzichten. Der Betreiber des zweitgrößten deutschen Flughafens vertraut auf eine integrierte und flexible Unternehmensplanung mit SAP Business Intelligence (SAP BI), die sich auf harte Fakten stützt: Wie haben sich Passagieraufkommen, Umsatz und Ertrag entwickelt? Wie hoch ist der Energieverbrauch pro Passagier, und welche Kosten entstehen, wenn in der Gepäckabfertigung neue Mitarbeiter eingestellt werden? Planungsdaten wie diese sind die Grundlage, um den Flughafen bedarfsgerecht auszubauen und die Bedeutung Münchens im internationalen Luftverkehr zu stärken. Derzeit steht der Flughafen, auf dem jährlich mehr als 24 Millionen Passagiere starten und landen, auf Platz acht in Europa und auf Platz 33 weltweit.
Die FMG, getragen vom Freistaat Bayern, der Bundesrepublik Deutschland und der Stadt München, erwirtschaftete im Jahr 2003 mit ihren rund 4.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 623 Millionen Euro. Das Unternehmen muss den Ausbau des Flughafens aus eigener Ertragskraft, ohne öffentliche Mittel finanzieren. SAP BI hilft, die finanziellen Ressourcen transparent und ergebnisorientiert einzusetzen. Mit der Lösung plant und erfasst die FMG die komplexen Prozesse rund um den Betrieb der beiden Terminals sowie deren Auswirkungen auf das Unternehmen. Der Planungsprozess ist übersichtlich, die Daten sind nachprüfbar und konsistent. Die Lösung informiert darüber, wer welche Daten eingegeben hat und wer noch Informationen liefern muss. Durch die Vorgaben des zentralen Controllings, etwa zur allgemeinen Teuerungsrate, zu Kostenzielen oder Absatzerwartungen, planen sämtliche Kostenstellen auf einer einheitlichen Grundlage. Die Planwerte sind heute belastbarer als bisher, dadurch steigt die Akzeptanz im Unternehmen und ihr Nutzen als Steuerungsinstrument.
Die Geschäftseinheiten sind stärker in den Planungsprozess eingebunden. Spezielle Funktionen zeigen beispielsweise den Bereichsleitern an, welche Kosten für ihren Bereich entstehen, wenn sie neue Mitarbeiter einstellen. Da die Geschäftseinheiten automatisiert detaillierte Daten an das zentrale Controlling liefern, erhält die Geschäftsführung rasch die notwendigen Planwerte, die frühzeitig abgestimmt werden können. Unrealistische Planannahmen und -anträge werden damit schon vor dem Abschluss der Planungsarbeiten offensichtlich. Pauschalkürzungen gehören so der Vergangenheit an. Auch zwischen den Bereichen, die als Profit-Center über interne Verrechnung miteinander in Geschäftsverbindung stehen, verbessert SAP BI den Austausch und die Verständigung auf einer gemeinsamen Basis. Weil Plandaten schneller verfügbar sind und sofort für Auswertungen genutzt werden können, ist der Planungsprozess deutlich kürzer als früher.

Nahtlose Integration für eine saubere Planung

Vor der Einführung von SAP BI plante die Flughafen München GmbH dezentral mithilfe mehrerer, nicht integrierter Anwendungen. Daher gab es keine einheitliche Datenbasis für die Planungsverantwortlichen. Die vorrangige Aufgabe des zentralen Controllings war es, die Teilpläne zusammenzuführen. Dieser weitgehend manuelle Prozess war nicht nur aufwändig, sondern auch fehleranfällig. Ein weiterer Nachteil: Erst nach Abschluss aller Arbeiten war es möglich, die Planungsergebnisse darzustellen. Vor allem die späte Gegenüberstellung von Kosten und Erlösen erschwerte eine effiziente Planung, auf Ebene der Geschäftseinheiten war sie überhaupt nicht möglich. Außerdem boten die heterogenen Anwendungen keine Hilfestellung, um strategische Ziele umzusetzen, da sich Maßgaben für einzelne Planungseinheiten, etwa Kostenstellen, nicht abbilden ließen.
Bei der Suche nach einer integrierten Planungslösung prüfte die FMG die Anwendungen mehrerer Anbieter. Die Wahl fiel auf SAP BI, weil die Lösung die erforderliche Funktionalität zu einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis bot und sich leicht in die SAP-Landschaft des Unternehmens integrieren ließ. Dies gewährleistet eine konsistente Datenbasis – die Voraussetzung für eine saubere Planung – ohne großen Aufwand für die Schnittstellenpflege. Für die FMG ist die Integration ein wesentliches Argument – schließlich stammen drei Viertel der Planungsdaten aus SAP-Anwendungen, der Rest kommt aus Systemen anderer Anbieter. Die FMG arbeitet seit 1993 mit SAP R/3, etwa für Finanzwesen, Controlling, Vertrieb, Materialwirtschaft, Instandhaltung und Investitionsmanagement, sowie mit diversen SAP-Eigenentwicklungen, die unter anderem die Luftverkehrsabrechnung unterstützen.

Business Content als Turbo

Bei der Einführung von SAP BI profitierte die FMG vom Business Content, den SAP mit ausliefert. Zwar modifizierte das Unternehmen die vordefinierten Prozesse, konnte sie aber zu einem beachtlichen Teil nutzen, um vor allem die Data-Warehouse-Strukturen schnell aufzubauen. Neun Monate nach Projektstart ging im Juli 2002 die unternehmensweite Kurzfristplanung produktiv. Die rund 200 Anwender kommen mit der Lösung sehr gut zurecht. Sie sei fast selbsterklärend und unter anderem auch wegen der komfortablen Planungsmappen einfach zu nutzen, so die übereinstimmende Meinung. Ein großer Vorteil ist etwa die Möglichkeit, Planwerte mit Kommentaren zu versehen. Dank dieser Funktion sind weniger Rückfragen notwendig.
Zur Kurzfristplanung einschließlich Gewinn- und Verlustrechnung kamen im Jahr 2003 die Investitions- und Personalplanung sowie die Mittelfristplanung. Inzwischen ist auch eine Langfristplanung integriert. Ein weiterer Meilenstein war das Umweltschutz-Informationssystem, das die FMG Ende 2003 mit SAP BI realisierte. Damit sammelt das Unternehmen umweltrelevante Informationen aus unterschiedlichen Quellen und wertet sie aus, um Energiesparpotenziale zu ermitteln. Das System hilft außerdem dabei, aus aktuellen Flugdaten den Nachtfluglärm zu berechnen. Im Jahr 2004 will die FMG die strategische Steuerung der Geschäftseinheiten mit einem Balanced-Scorecard-Ansatz verbessern. Er bricht die Strategie auf operative Einheiten herunter und liefert Messgrößen, mit denen sich nachvollziehen lässt, inwieweit Ziele erreicht werden. Insgesamt will die FMG das Data Warehouse von SAP zu einem Management-Informationssystem ausbauen, das auch Daten rund um die internationale Luftverkehrswirtschaft verwaltet.

Return on Investment von 182 Prozent

Die FMG fasst mit SAP BI unterschiedlichste Daten aus dem gesamten Unternehmen zusammen und kann damit schneller und qualifizierter auf Marktveränderungen reagieren. Dies verbessert die Steuerungsmöglichkeit des komplexen und anlagenintensiven Flughafengeschäfts.
Die Investition in die integrierte Planungslösung zahlt sich auch finanziell aus. Die Flughafen München GmbH erzielt mit SAP BI in einem Zeitraum von fünf Jahren einen Return on Investment von 182 Prozent. Die Amortisationsdauer liegt bei 35 Monaten. Der Nettobarwert (Net Present Value) beträgt unter Berücksichtigung eines internen Kalkulationszinses von 7,5 Prozent rund 900.000 Euro. Die mit Hilfe der Kapitalwertmethode berechneten Wertbeiträge entfallen vor allem auf optimierte Reportingfunktionen sowie die konsistente und rasche Monats- und Jahresplanung.

Udo Kessler

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