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E-Learning hat ausgedient

Blog | 27. Januar 2015 von Jenny Dearborn, SAP Chief Learning Officer 0

Setzt Ihr Unternehmen bisher überwiegend auf Präsenzschulungen und denkt gerade über ein modernisiertes Lernangebot nach? Wie wäre es mit einem neuen Modell, das auf Mobilität, sozialen Medien, kleineren Einheiten und Gamification aufbaut?

Haben Sie schon einmal versucht, jungen Kolleginnen und Kollegen die Anfänge des Internets zu erklären? Lassen Sie doch einfach mal die Begriffe „Usenet“ und „Einwählverbindungen“ fallen – und wundern Sie sich nicht über die fragenden Blicke, die Sie ernten. Genauso gut könnten Sie der Milleniumsgeneration das Zeitalter der Mainframes und Lochkarten beschreiben. Klingt wie eine Reise in die Steinzeit, dennoch halten sich einige Relikte aus dieser Ära überraschend hartnäckig – beispielsweise das E-Learning.

Gehen wir zurück zum Ende der 90er Jahre. Damals war Netscape Navigator der führende Web-Browser – und Schulungen auf CD-ROM galten als hipp. E-Mail entwickelte sich gerade zur ersten „Killer“-App des Internet-Zeitalters, und Marketingexperten hatten die tolle Idee, dass ein „E“ vor Begriffen und Produkten richtig cool klang. Als CBT Systems im Jahr 1999 den Firmennamen in „SmartForce, The eLearning Company“ änderte, geschah das mit dem Ziel, sowohl einen neuen Schulungsmodus zu definieren als auch das geistige „Patent“ für diesen neuen Begriff zu besetzen.

In der Praxis gelang E-Learning nie der große Durchbruch. In den meisten Fällen bündelten die Unternehmen lediglich Inhalte aus Präsenzschulungen zu Paketen und stellten diese online in Form von statischen Webseiten oder (später dann) als Videovorlesungen zur Verfügung. Mit viel Glück ließ sich dann vielleicht eine PowerPoint-Präsentation im eigenen Lerntempo durchblättern.

Technisch sind wir inzwischen viel weiter. Nichtsdestotrotz setzen immer noch viele Unternehmen auf das überholte E-Learning-Modell – klingt ja irgendwie immer noch modern.

Das Medium umfassend ausschöpfen

Das traditionelle E-Learning nutzt die Fortschritte der heutigen Online-Technologie allerdings auf keine Weise aus. Als Branche sollten wir aber diese Möglichkeiten für uns nutzen. Dazu bieten sich vier Ansätze:

  • Soziale Medien nutzen: Einer der Vorteile von Präsenzschulungen ist das gemeinsame Lernen mit Kollegen. Nutzen Sie daher diesen Motivationsfaktor, wenn Sie Lerninhalte online bereitstellen. Möglich machen dies soziale Plattform wie SAP Jam, denn sie regen Mitarbeiter dazu an, mit anderen zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen.
  • In kleinere Einheiten aufgliedern: Werfen Sie stundenlange Vorlesungen aus Ihrem Programm – und die 20-Minuten-Vorträge gleich mit. Um die Vorteile von Mobilität und sozialen Medien nutzen zu können, sollten Sie Ihre Lerninhalte (Videos usw.) in kleinen „Häppchen“ servieren – 2-, 5- oder 10-Minuten-Portionen, die Mitarbeiter einfach zwischendurch konsumieren können, egal wann und wo – und die sich auch in anderen Lernplattformen wiederverwenden lassen.
  • Den Benutzer in den Mittelpunkt stellen: Fast hätte ich diesen Punkt „Gamification“ genannt. Ich weiß, dieser Begriff löst regelmäßig Stirnrunzeln aus. Eigentlich besteht dazu kein Anlass. „Gamification“ von Lerninhalten hat zum Ziel, dass Benutzer Informationen am besser aufnehmen und verarbeiten können. In vielen Fällen bringen bereits einfache Spielelemente einen Teilnahmeschub. Kein Wunder, ein solches Lernprogramm spielt in puncto Spaßfaktor einfach in einer ganz anderen Liga.
Eine Stufe überspringen

Ich bin bei weitem nicht die Erste, die das Ende des E-Learnings prognostiziert. Aber warum dauert die Wachablösung so lange?

Wer wartet, bremst sich nur selbst aus. Gerade die sehr gut ausgebaute Telefoninfrastruktur war einer der Gründe, warum die USA im Vergleich zu anderen Industrienationen lange bei der Mobiltelefonie hinterher hinkte. Weniger entwickelte Länder überspringen diese Stufe einfach und bauen gleich ihre mobile Infrastruktur auf. China zählt inzwischen 1,2 Mrd. Mobilfunkteilnehmer, gefolgt von Indien mit 924 Mio. Es wird erwartet, dass dieses Jahr allein in diesen beiden Ländern zusammen über eine halbe Milliarde Smartphones gekauft werden.

Hat Ihr Unternehmen also bisher überwiegend auf Präsenzschulungen gesetzt und denkt gerade über ein modernisiertes Lernangebot nach? Dann nehmen Sie am besten gleich mehrere Stufen auf einmal und springen auf den Zug mit dem cooleren UND effektiveren Modell auf: Mobilität, soziale Medien, kleinere Einheiten und Gamification. Ihre Mitarbeiter, besonders die Millenials, werden es Ihnen nicht nur danken. Vielleicht bleiben sie einfach länger im Unternehmen.

Foto: Shutterstock

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