Echtzeitanalysen für die Gesundheit

11. November 2013 von Aritraa Mitra 0

Foto: Shutterstock

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Die elfjährige Neena ist eine von 1,5 Millionen Schülern im indischen Bundesstaat Uttarakhand. Vor kurzem wurde sie stolze Besitzerin einer Aadhaar-Karte. Aadhaar bedeutet „Basis“ oder „Unterstützung“ und steht für eine persönliche Identifikationsnummer, die die indische Regierung seit September 2011 an alle Bürger ausgibt. Jede Aadhaar-Karte ist mit den demografischen und biometrischen Daten des Inhabers verknüpft. Mit der Karte können sich indische Staatsbürger überall im Land identifizieren und verschiedenste Leistungen und Services, etwa im Bildungs- oder Beschäftigungssektor, nutzen oder ein Bankkonto eröffnen.

Von den über 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens leben 72 Prozent in Dörfern – auch Neena. Um den medizinischen Bedürfnissen dieser großen Zahl von Menschen gerecht zu werden, hat der Staat ein Netzwerk aus Gesundheitseinrichtungen mit rund 30.000 Gesundheitszentren geschaffen. Schwierige geografische Bedingungen, die Abgelegenheit vieler kleiner Dörfer und der Mangel an Ärzten führen jedoch dazu, dass viele Bürger immer noch unterversorgt sind. Neena und ihre Mutter brauchen zwei Stunden, um einen Arzt aufzusuchen. „Wir müssen eine Stunde zu Fuß gehen und dann noch eine Stunde mit dem Bus fahren“, erklärt sie. Man benötigte also spezielle Programme zur Versorgung der hilfsbedürftigen Bevölkerung in ländlichen Gegenden.

Gesundheitskarte für jeden Schüler

Gerade die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist ein großes Problem in Indien. Die Regierung hat daher das nationale Kindergesundheitsprogramm „Rashtriya Bal Swasthya Karyakram“ ins Leben gerufen, bei dem Ärzte und Apotheker sämtliche Schulen besuchen, um die Schüler untersuchen. Die Schüler erhalten eine Gesundheitskarte und werden an eines der Gesundheitszentren überwiesen, falls sie weiter behandelt werden müssen. Im Rahmen dieses Projekts war es notwendig, eine Vielzahl von Daten – vom einzelnen Schüler bis zu Statistiken auf bundesstaatlicher Ebene – zu verwalten. Keine leichte Aufgabe, angesichts der Größenordnung des Problems und der Bedeutung von Datensicherheit und Datenintegrität.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie Ärzte erste Anzeichen von Epidemien erkennen Ein Team der SAP Labs Indien beschloss, eine Software zu entwickeln, mit der sich die medizinische Versorgung verbessern lässt. Die Software mit dem Namen TracOHealth identifiziert Schüler über eine eindeutige Identifikationsnummer und verwaltet die Krankenakten in einer Datenbank. Diese Informationen lassen sich zentral abrufen. Auf diese Weise stellen die Behörden fest, ob ein Schüler an eine Gesundheitseinrichtung überwiesen wurde oder nicht. Die Ärzte an zentralen Standorten sind so in der Lage, den Gesundheitszustand der Schüler zu überwachen und sie gegebenenfalls daran zu erinnern, dass sie weiter behandelt werden müssen. Mit den Analysewerkzeugen können Mediziner erste Zeichen von Epidemien entdecken und wirksame Strategien zur Eindämmung planen. Außerdem lässt sich ermitteln, in welchen Gegenden intensivere medizinische Hilfe benötigt wird. Zudem ist es möglich, den Erfolg des gesamten Programms zu bewerten.

„Ich hatte in verschiedenen Zeitungsartikeln gelesen, dass der Gesundheitsindikator in manchen Teilen Indiens schlechter als in Ländern Nordafrikas ist“, erklärt Projektleiter Puneet Gupta. „Ich war der Meinung, dass man diese Situation durch eine bessere Planung und geeignete Berichte verbessern könne.“ Zu dieser Zeit wurde gerade die Aadhaar-Karte als neuer persönlicher Ausweis von der Regierung eingeführt. „Wir erkannten, dass damit wichtige Leistungen für die unteren sozialen Schichten erbracht werden können. Wir überlegten also, eine Datenbank für Krankenakten zu entwickeln, die mit der Aadhaar-Karte verknüpft ist. Mithilfe von SAP HANA können wir die Daten in dieser riesigen Datenbank in kürzester Zeit verarbeiten, um Analysen und Berichte zu erstellen, mit denen Behörden wirksame Strategien planen und festlegen können.“

SAP HANA in der Pilotphase: TracOHealth verwaltet Daten von 48.000 Schülern

In der aktuellen Pilotphase werden mit TracOHealth bereits die Datensätze von über 48.000 Schülern aus 1.100 Schulen in drei Bezirken des Bundesstaats Uttarakhand verwaltet – von Schülern wie Neena. Da die Schüler über ihre Aadhaar-Kennung eindeutig identifiziert werden, gibt es selbst bei einem Umzug keine doppelten Datensätze. Während der Pilotphase steht ein Mitglied des Entwicklungsteams jedem Gesundheitsteam zur Seite, um die Ärzte in der Bedienung der Anwendung zu unterweisen und an Ort und Stelle Fehler zu melden und zu korrigieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Gesundheitszustand von 1,5 Millionen Schülern in Echtzeit überwachen

Shri Piyush Singh, Direktor des Gesundheitsprogramms National Rural Health Mission (NHRM) in Uttarakhand freut sich über das Pilotprojekt. Er ist zuversichtlich: „Mit dieser Lösung verfügen wir bald über Echtzeitanalysen und -berichte zum Gesundheitszustand von unseren 1,5 Millionen Schülern.“

Für die beteiligten Entwickler wie Rakshetha J. N. war es eine wertvolle Erfahrung, an dieser Software zu arbeiten. „Wenn ich jetzt etwas über das indische Gesundheitswesen lese, stellt sich bei mir ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Wir haben eine Lösung entwickelt, die die jetzigen Zustände in den nächsten Jahren verändern kann.“

Echtzeitanalysen von 1,5 Millionen Schülern

Und Neena? Der Weg zum Arzt ist immer noch weit, aber dank regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen und dokumentierter Ergebnisse wissen sie und ihre Mutter sich jetzt in guten Händen.

Der Beitrag erschien erstmals im elektronischen Magazin SAP Milestones.

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