„Eclipse bietet Potenzial für Softwareunternehmen und IT-Abteilungen“

Feature | 11. Oktober 2004 von admin 0

Mike Milinkovich

Mike Milinkovich

Obwohl sich Eclipse seit der Gründung vor etwa zwei Jahren bereits sehr stark etabliert hat, bleibt etwa unklar, wie die mehr als 50 Mitglieder in dem Konsortium zusammen arbeiten. Könnten sie das Beteiligungsmodell erläutern?

Milinkovich: Eclipse ist ein Konsortium, das von der Gemeinschaft lebt, und viele unterschiedliche Firmen verschiedener Größen beteiligen sich aktiv daran. Eine Beteiligung kann mehrere Formen annehmen – etwa eine aktive Beteiligung in unserem Marketing-Komitee, die Entwicklung von Plug-Ins oder das Beisteuern von Ressourcen für die Open-Source-Entwicklung. Eclipse kennt verschiedene Stufen der Mitgliedschaft. Ein Großteil unserer Mitglieder besteht aus Add-In-Providern. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise die Unternehmen Instantiations, Genuitec, Innoopract, Borland und Oracle. Add-In-Provider sind üblicherweise Softwareunternehmen oder Plattformfirmen, die Eclipse erweitern, indem sie kommerziell erhältliche Plug-Ins entwickeln, die mit Eclipse arbeiten. Auf der Stufe des Eclipse Boards gibt es derzeit fünf strategische Anwender (Ericsson, HP, Monta Vista, SAP und Serena) und vier strategische Entwickler (Actuate, IBM, Intel und QNX). Die strategischen Anwender haben massiv Geld in Produkte investiert, die auf Eclipse aufsetzen. So bildet Eclipse zum Beispiel die Grundlage für das SAP NetWeaver Developer Studio. Die strategischen Entwickler sind Unternehmen, die sich über Investitionen in Produkte, die auf Eclipse basieren, hinaus, in erheblichem Maße an den Open-Source-Entwicklungsprojekten von Eclipse beteiligen.

Mit Sun Microsystems und BEA Systems haben es zwei Java-Anbieter abgelehnt, im Eclipse-Konsortium mitzuwirken. Besteht Grund zum Optimismus, dass sich diese und andere Anbieter doch noch an dem Projekt beteiligen, wenn Eclipse die Unabhängigkeit und Leistungsfähigkeit seiner Technologie unter Beweis stellt?

Milinkovich: Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich diese Unternehmen voll und ganz bei Eclipse engagierten. BEA Systems beispielsweise hat geholfen, das Pollinate-Projekt bei Eclipse in Gang zu setzen und ist daher über die Eclipse-Community und ihre Marktpräsenz im Bilde.

Wie wird sich die Rolle der bisherigen Mitglieder verändern, wenn sich IBM immer mehr aus der Führung des Konsortiums zurückzieht?

Milinkovich: Nach Meinung unserer Mitglieder ist der Nutzen, den sie von dieser Mitgliedschaft haben umso größer, je intensiver sie sich bei Eclipse einbringen. Daher wird meiner Ansicht nach das Eclipse-Ökosystem rasch zu einem der meist geschätzten Netzwerke auf dem Softwaremarkt anwachsen. Es handelt sich um eine Community, in der Unternehmen sich einfach integrieren, miteinander kooperieren und rasch einen Mehrwert schaffen oder teilen können – sowohl im kommerziellen als auch im Open-Source-Bereich.

Was verleitet Unternehmen wie Intel, Ericsson, SAP und SAS dazu, einer Open-Source-Organisation beizutreten?

Milinkovich: “Business Value”, also der geschäftliche Nutzen. Die Technologie von Eclipse macht es möglich, die Entwicklung innovativer Produkte bei steigender Qualität zu beschleunigen und planbarer zu machen. Obwohl unsere Software für jeden frei verfügbar ist, macht es Sinn für Unternehmen, sich in unserem Konsortium zu beteiligen, sobald sie kommerzielle Investitionen auf der technologischen Basis tätigen wollen. Strategische Entwickler wie Actuate haben festgestellt, dass Open Source bestens dafür geeignet ist, eine offene Plattform für eine bestimmte Technologie zu definieren und dass sie davon profitieren, wenn sie die Führung im Open-Source-Projekt übernehmen.

Welches sind die erweiterten Funktionen der jüngsten lizenzfreien Version 3.0 der Eclipse-Plattform?

Milinkovich: Eine der interessantesten neuen Funktionen von Eclipse 3.0 ist die Rich Client Platform (RCP). Die RCP erleichtert den Java-Entwicklern eine bisher sehr komplexe Aufgabe, nämlich die Entwicklung zwingender clientseitigen Anwendungen. Hinzu kommt, dass diese Applikationen plattform-portabel sind, sie verwenden das Aussehen und die Griffigkeit der Plattform und lassen sich von einem zentralen Server aus betreiben und verwalten. Unserer Ansicht nach birgt die RCP ein enormes Potenzial sowohl für Softwareunternehmen – wie beispielsweise die Verwendung der Technologie durch IBM Lotus für die Workplace Client Strategie – als auch für IT-Abteilungen, die nach Lösungen für den Aufbau, den Betrieb und die Verwaltung großer Client-Applikationen in einer heterogenen Umgebung suchen.

Wir haben auch viel Geld in die “Out-of-the-box Experience” von Eclipse investiert. Ziel war es, die ersten Erfahrungen unserer Anwender aufzugreifen und die Plattform damit so rationell und intuitiv wie möglich zu gestalten. Dem Feedback zu R3.0 entnehmen wir, dass uns das recht gut gelungen ist. Wir haben zum einen eine Erweiterung implementiert, die vorkonfigurierte Ansichten und Perspektiven aus der Rolle des jeweiligen Anwenders ermöglicht und jeweils nur diejenigen Funktionen anzeigt, die für eine bestimmte Aufgabe relevant sind. Zweitens haben wir das Aussehen geändert um dem Anwender mehr Flexibilität in der Organisation seiner Workbench zu bieten. Hinzugefügt wurden auch Funktionen wie schwebende Symbolleisten und Ansichten sowie die unterstützenden Abreissansichten und Symbolleisten, die sich beliebig ankoppeln lassen.

Was können Sie über das Projekt Hyades sagen? Welche Möglichkeiten eröffnen sich daraus der Softwareindustrie?

Milinkovich: Zuallererst wurde Hyades gerade als eigenes Top-Level-Projekt bei Eclipse wieder hergestellt – als Projekt für eine “Test and Performance Tools Platform”. Damit stehen unsere Bemühungen in diesem Bereich auf der gleichen Stufe stellt wie die Eclipse-Plattform oder Projekte für eine “Web Tools Platform”. Das Projekt bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten in den Bereichen Testerstellung, Testplandurchführung, Testdurchführungshistorie, Performance Profiling und Post-Deployment Application Monitoring. Die Technologie ist sehr interessant, weil sie von Grund auf neu aufgebaut wurde, um für verteilte Systeme geeignet zu sein – denn schließlich funktionieren heute die meisten Anwendungen nach diesem Prinzip. Ein Großteil der geprüften Produkte hat seine Wurzeln in der Client-Server-Welt. Die Hyades-Technologie ist ein großer Sprung vorwärts im Umgang mit dem modernen Systemdesign.

Von zentraler Bedeutung ist auch, dass “Test and Performance” ein erweiterbares Framework für den Aufbau von Versuchen und das Produktmonitoring bildet. Wie die anderen Projekte bei Eclipse bietet die Hyades-Technologie eine Plattform, um zusätzliche Produkte oder Technologien darauf aufzusetzen. Das Projekt “Test und Performance” wird sehr gut angenommen. Die Projektleitung liegt nun bei Intel, unterstützt von Scapa Technology, IBM Rational, Compuware, SAP und anderen. IBM Rational hat neulich bekannt gegeben, die künftigen “Test and Performance”-Produkte auf dieser Technologie aufzubauen, bei Scapa ist das schon seit einiger Zeit der Fall.

Welchen Status hat das Projekt “Business Intelligence and Reporting Tools” (BIRT) und welches sind die weiteren Vorteile der Open-Source-Bemühungen? Wann wird über das BIRT-Projekt entschieden?

Milinkovich: BIRT ist unser erster Streifzug in die Welt der Business Intelligence und gleichzeitig unser erstes Spitzenprojekt, in dem wir die Entwicklung eines Werkzeuges auf den Endanwender ausrichten. BIRT ist zurzeit in der Ausschreibungsphase. Unser Community-basierter Entwicklungsprozess sieht vor, eine gewisse Zeit für Kommentare und die Überprüfung des Konzepts einzuräumen. Am 20. September hat der Vorstand von Eclipse über das Projekt abgestimmt und die Charta abgesegnet. In ihr ist die Tragweite des Projekts definiert und der Entwicklungsprozess festgelegt, an den sich das Team halten muss.

Welche Ziele möchten Sie verwirklichen?

Milinkovich: Meine Definition von Erfolg konzentriert sich auf die Stärkung des Community-Gedanken. Eclipse ist zu einer treibenden Kraft in der IT-Industrie geworden. Die Foundation basiert auf dem Community-Gedanken: Mehrwert zu schaffen und zu teilen und sich dabei Open-Source-Prinzipien wie Offenheit, Transparenz und Meritokratie unterzuordnen. Meine Hauptziele bestehen darin, für kontinuierliches Wachstum in den folgenden drei Bereichen zu sorgen: (a) den Open-Source-Projekten indem ich es weiterhin schaffe, dass Entwickler Eclipse für die geeignete Community halten, um ihr Talent zu entfalten (b) dem Ökosystem der Open-Source-Projekte und der wirtschaftlichen Interessen, die ihre Entwicklung auf die Eclipse-Plattform richten und (c) der groß angelegten Einführung der Eclipse-Technologien in der gesamten IT-Industrie.

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