Edle Füller, rasch zur Hand

Feature | 5. September 2005 von admin 0

Der polierte schwarze Korpus aus Edelharz mit weißer Stern-Intarsie und vergoldetem Clip huschte schon über manchen Staatsvertrag. Zwei der drei Ringe an der Kappe des legendären Kolbenfüllfederhalters “Meisterstück 149” – erstmals im Jahr 1924 der Öffentlichkeit vorgestellt – sind aus Silber. Die handbearbeitete Feder besteht aus 14- oder 18-karätigem Gold. Zahlreiche Arbeitsgänge machen sie aus, wobei der Schliff der Goldfeder eine besondere Bedeutung einnimmt. Als Gütesiegel wird ihr die Zahl “4810” eingraviert – die Höhe des Montblanc. Denn die Spitze des höchsten Berges der Alpen ist das Markenzeichen des Schreibgeräteherstellers, Montblanc, Garant für Qualität, Tradition und handwerkliche Perfektion.
So elegant wie seine Produktpalette, so anspruchsvoll ist das Unternehmen auch im Hinblick auf seine IT. 1999 begann Montblanc mit der Einführung der Branchenlösung SAP for Retail. Längst schon ist das 1906 in einer kleinen Werkstatt in Berlin gegründet und heute in Hamburg ansässige Unternehmen auf vier europäische Produktionsstandorte und 16 Vertriebsgesellschaften angewachsen. Montblanc verfügt über ein weltweites Filialnetz mit rund 230 Boutiquen – jeweils in bester Stadtlage.

US-Verkaufssteuer meistern

Diese Boutiquen und Niederlassungen sollten nach und nach in einem einzigen integrierten System zusammengefasst und somit die zahlreichen Einzellösungen ersetzt werden. Den letzten Schliff gab Montblanc seiner IT im Oktober 2004: Das Unternehmen führte in den Vereinigten Staaten SAP for Retail ein und band zugleich die 40 Boutiquen des Landes in ein neues Kassensystem ein. Bis zu diesem Zeitpunkt wickelte Montblanc sämtliche Prozesse über verschiedene Insellösungen ab, die nicht mit der SAP-Lösung harmonierten. Das am europäischen Hauptsitz verwendete Kassensystem genügte nicht den Anforderungen des amerikanischen Einzelhandels und dessen komplexen Verkaufssteuersystem.
Michael Harbs, Director Competence Centre Retail und Business Process bei Montblanc, entschloss sich daher zunächst, die in den USA erhältlichen Kassensysteme genau unter die Lupe zu nehmen. Für das Unternehmen kam nur ein System in Frage, das sich problemlos in SAP for Retail integrieren lässt. Zudem musste es die Abwicklung der amerikanischen Verkaufssteuer vereinfachen, die Zahlung per Kreditkarte ermöglichen und sich eine Kundendatenbank einbinden lassen. Diese Kriterien erfüllten jedoch nur zwei Anbieter von Kassensoftware. “Am wichtigsten war uns dabei das Verständnis und das Know-how über SAP und die Steuersoftware. In der Marktanalyse sind hieran die meisten Anbieter gescheitert”, erläutert Harbs. Letztendlich machte aus diesem Grund auch der Kassenspezialist Torex Retail (ehemals Logware) aus Berlin das Rennen. Dazu Harbs: “Die Software Lucas von Torex Retail überzeugte sowohl beim Handling der amerikanischen Verkaufssteuer als auch im Zusammenspiel mit SAP for Retail.”
Im Februar 2004 startete das US-Projekt. Montblanc entschied sich für die Prozessintegration über die SAP Exchange-Infrastructure (heute: SAP NetWeaver XI). Der Datentransport erfolgt über die Kassensoftware, die XML-Daten an die Plattform weitergibt, diese übernimmt das Mapping und übersetzt die Daten in das SAP-Format. Anschließend lassen sich die Daten innerhalb von Sekunden zwischen SAP for Retail und den einzelnen Filialen austauschen. Über die zentrale Integrationsarchitektur bindet Montblanc auch die UPS-Datenbank im Vertrieb, die SQL-Datenbank mit den Versanddaten als auch das Lager in Dallas, Texas an. Die US-amerikanischen Montblanc-Boutiquen stehen darüber hinaus über ein Virtual Private Network mit dem Zentralserver in der Schweiz in Verbindung.

Erste Station: Madison Avenue, NY

Für die Zahlung per Kreditkarte entschied sich Montblanc für die Lösung von Paymetric. Dauerhaft online und an Lucas angebunden autorisieren sich die jeweiligen Anwender direkt aus dem Kassensystem heraus. Dieses leitet die Daten an die zuständige Bank weiter und sorgt so für einen raschen Zahlungsprozess.
Ein Meisterstück der anderen Art war für Montblanc das amerikanische Steuersystem. Hier steckt der Teufel im Detail, denn es ist abhängig von Produktgruppen, Verkaufsort und Käuferadresse. Hinzu kommen Sondersteuern, die immer nur für eine gewisse Zeit gelten, wie die “Max Tax” oder die “Tax Holidays”. Montblanc durfte auf eine umfassende und sichere Lösung nicht verzichten, da das Unternehmen die Steuer samt jeweils geltender Tarife ausweisen muss.
Die Entscheidung fiel zu Gunsten des Produkts der Firma Taxware. Eng an SAP for Retail angebunden läuft es über das Lucas-Kassensystem. Montblanc ist nun in der Lage, bei jedem Kauf in einer seiner Boutiquen die aktuelle Steuer zu ermitteln. Einmal im Monat erhält Montblanc von Taxware ein Update mit den aktuellen Steuersätzen, das online an alle Filialen verteilt und auf den Kassen installiert wird.
Im Sommer 2004 waren alle Funktionalitäten in Lucas eingebunden, nach einer Pilotinstallation begann der Roll-Out. Erste Station: Die New Yorker Boutique in der Madison Avenue. Innerhalb von zwei Monaten wurden die Filialen und deren Kassensystem mit SAP for Retail verknüpft. “Dank des reibungslosen Roll-Outs und des perfekten Zusammenspiels mit Torex Retail konnten wir dem Weihnachtsgeschäft gelassen entgegen blicken”, fasst Harbs den gesamten Projektverlauf zusammen.

Montblanc im Land des Lächelns

Bei Luxusmarken ist eine enge Kundenbindung die oberste Maxime. Montblanc setzt daher auf ein Customer Management System, das die Kundendaten, die Verkaufshistorie sowie die Daten der beliebten Limited Editions in einer zentralen Kundendatenbank in den USA speichert. Um einen schnellen Abruf sicherzustellen, werden die Adressdaten an allen Kassen in den USA vorgehalten. Will ein Montblanc-Mitarbeiter die Verkaufshistorie eines Kunden einsehen, greift er über die Kasse auf den Zentralserver zu und erhält in wenigen Sekunden die gewünschten Informationen. Wer immer seinen Kolben-Füllfederhalter in einer Boutique auf dem Beverly Boulevard in Los Angeles kauft oder aber in der Grant Avenue in San Francisco, wird dank dieser Echtzeit-Daten als ein und derselbe Kunde begrüßt. Auf diese Weise ist stets für einen persönlichen Service gesorgt.
Insgesamt spart Montblanc dank der Integration über SAP XI Zeit und Geld, und sorgt für eine prozessorientierte Zusammenarbeit zwischen den Filialen. Der ständige Zugriff auf aktuelle Daten in SAP for Retail verkürzt die Reaktionszeiten und verbessert das Kundenmanagement. Bei Nachbestellungen erhalten die Boutiquen jetzt per Knopfdruck aus SAP for Retail die Information, aus welcher Filiale sich ein gewünschter Artikel bestellen lässt. Mehr noch: Mit der neuen IT verschafft sich Montblanc bei der Ausstattung seiner Boutiquen in weiteren internationalen Märkten eine gute Position. Besonders auf dem chinesischen Markt wird Montblanc in den nächsten Jahren expandieren. In Asien gelten die Produkte mit dem weißen Stern als Statussymbol für Erfolg und Lebensstil. Montblancs Ziel: Bis 2007 soll die Zahl der Vertriebsstandorte im Land des Lächelns um das Doppelte wachsen.

Arco Klippstein

Arco Klippstein

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