Interview: Was bringen Updates?

Feature | 7. Januar 2010 von Iris Nagel-Martin 0

Martin Riedel, Leiter des Global Upgrade Office

Martin Riedel, Leiter des Global Upgrade Office

Vor kurzem veröffentlichten wir den Artikel EHP: Kostenlose Updates für SAP. Dabei geht es um das Thema Software, die auf den neuesten Stand zu bringen ist. Hier gibt verschiedene Möglichkeiten inklusive der schon vorhandenen Funktionsmodule – vom Update von ERP 6.0 oder einem Upgrade von SAP R/3. Gegenüber einem klassischen Upgrade lassen sich mit den kostenlosen Erweiterungspaketen die IT-Kosten deutlich senken.

Die Erweiterungspakete lassen sich ab ERP 6.0 kostenlos beziehen, wobei ERP 6.0 auch Bestandteil des Flaggschiffs Business Suite 7 ist. Wir sprachen mit Martin Riedel, dem Leiter des Global Upgrade Office, wie EHP in der Praxis funktioniert.

SAP.info: Wie definieren Sie einen Business-Suite-Kunden?

Martin Riedel: SAP ist vor allem mit Enterprise Ressource Planning groß geworden. Basierend auf Marktanalysen wurden um SAP ERP weitere Applikationen entwickelt: SAP Supply Chain Management, SAP Supplier Relationship Management, SAP Customer Relationship Management und SAP Product Lifecycle Management. Neben SAP ERP sind dies die Kernanwendungen der SAP Business Suite. Verständlicherweise drängten die Anwender auf eine Integration dieser Lösungen. Deshalb haben wir die aktuellsten Releases unter dem Dach der SAP Business Suite 7 eng verknüpft und die Release- und Supportzyklen harmonisiert.

Zu den Business-Suite-Kunden zählen wir Unternehmen, die eine oder mehrere der genannten Lösungen einsetzen. Die Besonderheit der neuen Version ist, dass Weiterentwicklungen künftig in sogenannten Enhancement Packages geliefert werden.

SAP.info: Wie hat der Markt bislang reagiert?

Martin Riedel: Die Akzeptanz dieser Erweiterungspakete ist hoch. Insbesondere die Möglichkeit, neue Funktionalität entsprechend der geschäftlichen Anforderungen selektiv zu implementieren und in kontrolliertem Umfang zu aktivieren, wird von den Kunden sehr geschätzt. Stand Ende 2009 nutzen bereits knapp 4.756 Kunden SAP Enhancement Packages.

SAP.info: Kommen mit den Erweiterungspaketen Mehrkosten auf die Kunden zu?

Martin Riedel: SAP Enhancement Packages werden im Hinblick auf erforderliche Lizenzen für die Nutzung von Funktionalität nicht anders behandelt als ein neues Release – die neuen Funktionen werden lediglich über ein anderes Auslieferungsmodell zur Verfügung gestellt.

SAP.info: Welches sind die Gründe für ein Upgrade und welche generellen Vorteile bietet hier die SAP Business Suite?

Martin Riedel: Für ein Upgrade gibt es im Wesentlichen drei gleich wichtige Gründe: Wartungsende, Technologieinnovation und Funktionalität. Wer in technische oder funktionale Neuerungen investieren möchte, ist mit den Erweiterungspaketen gut bedient. Typischerweise erfolgt deren Installation im Rahmen des Upgrades. Sollen zu einem späteren Zeitpunkt weitere SAP Enhancement Packages installiert werden, so kann dies im Rahmen des normalen Wartungszyklus erfolgen. Erst am Ende der regulären Systemwartung wird ein umfassender Upgrade erforderlich. Viele Kunden warten allerdings nicht so lange.

SAP.info: Was raten Sie bei der Implementierung der SAP Business Suite?

Martin Riedel: Wir empfehlen, die SAP-Business-Suite- Software schrittweise in Abhängigkeit der unternehmensspezifischen Anforderungen zu implementieren. Als erster wesentlicher Schritt bietet sich der Releasewechsel auf SAP ERP 6.0 an, das den Grundstein der Anwendungslandschaft bildet. Kunden können damit die Vorteile der SAP Business Suite sofort nutzen. Was danach kommt, hängt von den Prioritäten und Anforderungen des Kunden ab. Viele implementieren als nächstes das SAP NetWeaver Business Warehouse, dann SAP SCM, SAP SRM und SAP CRM. Die Reihenfolge richtet sich auch nach den betriebswirtschaftlichen Anforderungen und den verfügbaren Projektressourcen.

SAP.info: Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Martin Riedel: Häufig lassen sich Upgrades von SAP R/3 4.7 auf SAP ERP 6.0 mit der bisherigen Hardware realisieren. Ähnliches gilt für die anderen Komponenten der SAP-Business-Suite-Lösungen. Insgesamt spielt die Hardware nach Einschätzung unserer Kunden eher eine Nebenrolle. Fragen des Betriebs stellen sich primär auf der Ebene der Software – etwa, wie die releaseübergreifende Interaktion der Softwareanwendungen gewährleistet werden kann. Um dies zu adressieren, bieten wir mit SAP Enterprise Support das entsprechend vorausschauende und anwendungsübergreifende Wartungskonzept an.

SAP.info: Welche Werkzeuge und Services bietet SAP dazu an?

Martin Riedel: Das lässt sich an einigen Beispielen erläutern: Im Vorfeld der Upgrade-Entscheidung gibt der Solution Browser einen Überblick über die funktionalen Unterschiede zwischen Quell- und Zielrelease. Dieses Werkzeug bauen wir für die gesamte SAP Business Suite aus. Der SAP Solution Manager als nächstes Instrument unterstützt die Vorbereitung des Upgrades und dient als Repository für die Dokumentation der Landschaft. Mit dem Upgrade Dependency Analyser schließlich kann der Kunde prüfen, ob und wie einzelne Releases der Komponenten komplexer Landschaften voneinander abhängen und welche Projektimplikationen sich daraus ergeben.

SAP.info: Wann werden alle Anwendungen auf dem Release-Stand 7.0 sein?

Martin Riedel: Kurioserweise heißt die Kernkomponente SAP ERP 6.0, während alle anderen SAP-Business-Suite-Lösungen auf Stand 7.0 sind. Neue Versionen sind mittelfristig nicht geplant. Die Suite ist heute so stabil, wie unsere Kunden es erwarten. Wie bereits erwähnt, erfolgt die Innovation – sowohl technisch als auch funktional – über die SAP Enhancement Packages. Eine Auslieferung für die gesamte Suite ist erstmals für Mitte 2010 geplant. Schwerpunkte werden die Nutzbarkeit sowie die Senkung der Betriebskosten sein.

SAP.info: Was bringen dem Kunden die in der SAP Business Suite abgebildeten „Value Scenarios“?

Martin Riedel: Früher wurden Anforderungen an die IT singulär in Bezug auf neue Funktionalität formuliert. Heute stehen Prozesse und ihre durchgängige IT-Unterstützung – unternehmensintern, aber auch die Unternehmensgrenzen übergreifend – im Mittelpunkt. Mit den Value Scenarios bietet SAP sowohl den IT-Abteilungen als auch den Anwendern eine Möglichkeit, Prozesse stärker applikationsübergreifend (end-to-end) zu betrachten, etwa von der Leadgewinnung bis zum Zahlungseingang (Lead-to-Cash) und gegebenenfalls auch darüber hinaus. Gemeinsam mit unseren Kunden prüfen wir, an welchen Stellen Software solche Abläufe ganzheitlich unterstützen und damit übergreifend Verbesserungen herbeiführen kann.

Dabei hilft unter anderem unser Upgrade Value Assessment, bei dem Kundenprozesse analysiert, mit dem einschlägigen Value Scenario verglichen und die Resultate zur ganzheitlichen Verbesserung der Prozesse sowie deren funktionaler Unterstützung durch IT-Automatisierung herangezogen werden.

SAP.info: Die Suite soll stärker in das SAP-Business-Objects-Portfolio integriert werden. Wie wirkt sich das aus?

Martin Riedel: SAP-Software birgt einen umfassenden Datenschatz, doch tun sich viele Unternehmen schwer, diesen Schatz zu heben. Mit SAP BusinessObjects-Software gelingt dies einfacher. Nicht nur die beiden Firmen wachsen zusammen, sondern auch ihre Produkte, ihre Betriebs- und Wartungskonzepte. So entsteht schließlich eine Lösung aus einem Guss. funktioniert.

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2 comments

  1. Weichselbaum Helmut

    Die Antwort des interviewten Hr. Riedel zu den Mehrkosten ist zwar ganz geschickt formuliert, aber letztendlich schlicht und einfach falsch, bzw. irreführend. Kann mich nicht erinnern, (10 Jahre SAP Betrieb) dass ein Upgrade auf einen neuen Releasestand kostenpflchtig war.

    Sehr wohl gibt es aber in den EHP’S Funktionen, die bei Aktivierung lizenzpflichtig sind und sich entsprechend monetär für die Kunden auswirken. Hr. Riedel sollte sich klar und eindeutig deklarieren – das ist ohnedies kein Geheimnis bei den SAP Kunden. mfG H. Weichselbaum

  2. Willi Schmahl / 17 Jahre SAP Basis

    Die Installation von EHPs unterscheidet sich vom Projektaufwand nicht wesentlich von bisherigen Upgrades. SAP kann notwendige Testszenarien nicht klar abgrenzen und deshalb müssen wie bei einem Releasewechsel auch alle Geschäftsprozesse getestet werden. Da aktuelle und zukünftige EHPs auch immer auf mindest-SupportPackage-Ständen der Core Komponenten von ERP 6.0 aufbauen, sehe ich auch für Installationen zukünftiger EHPs keinen Mehrwert weil ich mein System immer komplett hochziehen muss. Ich denke der wesentliche Vorteil liegt in der zukünftigen Softwarewartung bei SAP selbst. Dort ist eine Vereinfachung erreicht worden weil der ERP Kern SAP_APPL für das aktuelle Release stabil bleiben wird. Interessant dürfte das nächste ERP Release und das damit verbundene Upgrade werden. Im Moment installieren die meisten Kunden EHPs weil es sich anbietet dies bei einer anstehenden Softwarewartung mit SupportPackages zu tun. Einen wirklichen Grund gibt es selten, das wird schon daran erkennbar wenn man die technical Usages benennen muss die eingespielt werden sollen. Alles was man heute installiert, hat man auf ewig im System und muss es zukünftig ebenfalls über EHP-SupportPakages warten. Eine Senkung von Betriebskosten ist für mich nicht zu erkennen.

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