Ein System für ganz Europa

Feature | 26. Januar 2004 von admin 0

“Im Automobilgeschäft dürfen Sie sich keine Schwächen erlauben”, weiß Volker M. Fluhr, Leiter Controlling beim Automobilzulieferer Vibracoustic. Daher setzte das Unternehmen von Anfang an auf eine Karte: Die Branchenlösung SAP for Automotive. Die Vibracoustic GmbH & Co. KG, im Jahr 2001 als Joint-Venture der Unternehmensgruppen Freudenberg und Phoenix gegründet, entwickelt und fertigt schwingungstechnische sowie akustische Produkte und Systemkomponenten in den Geschäftsfeldern Aggregatelager, Antriebsstrang, Fahrwerk und Federbein und gehört in diesem Bereich zu den Technologieführern. Das weltweit tätige Unternehmen besitzt zahlreiche Standorte in ganz Europa.
Aus IT-Sicht war der Unternehmenszusammenschluss eine große Herausforderung und Chance zugleich. Vibracoustic konnte und wollte nicht die unterschiedlichen Altsysteme der beiden Muttergesellschaften fortführen. Ziel war es, ein eigenes DV-System aufzubauen, das auf die Erfordernisse des jungen Unternehmens zugeschnitten ist. Und dies von den Kunden unbemerkt im laufenden Geschäftsbetrieb. Was in der Produktion ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, sollte bei Vibracoustic auch für die kaufmännischen Geschäftsabläufe und die IT gelten: Standardisierte Prozesse, die in einer einheitlichen europaweiten Systemlandschaft auf Basis von SAP for Automotive abgebildet werden. Als Partner für dieses Projekt, das im April 2000 begann, wählte Vibracoustic den IT-Dienstleister Freudenberg IT (F-IT), der mehr als 25 Jahre Erfahrung im SAP-Umfeld besitzt.

Einführung in Deutschland hat Modellcharakter

Im Gegensatz zum einheitlichen Auftritt des neuen Unternehmens gegenüber den Kunden mussten aus geschäftspolitischen und rechtlichen Gründen intern zunächst drei deutsche Gesellschaften, also drei Buchungskreise innerhalb eines Systems, parallel geführt werden. Diese Not erwies sich bald als Tugend. Die Erfahrung, drei Firmen nach einem gemeinsamen Muster parallel in einem zentralen System abzubilden, vereinfacht es nun, die ausländischen Vibracoustic-Standorte nach dem gleichen Modell zu integrieren. Dies bestätigt Georg Dietl, Kaufmännischer Leiter der Vibracoustic in Tschechien, wo SAP for Automotive Anfang 2003 eingeführt wurde. “Ich bin von der Einführung in Tschechien begeistert. Sie ging glatt über die Bühne, der Produktivstart verlief reibungslos.”
Eine Anforderung an die Lösung war es, die Wünsche der beiden Muttergesellschaften im System abzubilden. Beispielsweise sollten unterschiedliche Bilanzen erstellt werden. Auch dies funktioniert am einfachsten in einer homogenen “Ein-System-Welt”. Seit Anfang 2001 ist die Unternehmenszentrale in Deutschland live, ein Jahr später folgte die Niederlassung in England, Polen arbeitet seit Januar 2003 und Spanien seit Januar 2004 mit SAP for Automotive. Weitere Landesgesellschaften sollen nun nach und nach angekoppelt werden.

Synergien machen sich bezahlt

Die Vorteile dieser IT-Standardisierung liegen auf der Hand: Eine einheitliche und zentrale Lösung senkt die Kosten für die Einführung an den anderen Standorten. Denn das Unternehmensbild lässt sich 1:1 auf eine andere Tochter-Gesellschaften übertragen und einmal erstellte Schulungsunterlagen können überall wieder verwendet werden. Darüber hinaus fallen die Kosten für den Betrieb der Gesamtlösung deutlich geringer aus, als bei einer heterogenen Systemlandschaft.
Die Fäden für die IT-Welt von Vibracoustic laufen im Rechenzentrum der Freudenberg IT im südhessischen Weinheim zusammen. Hier ist die Lösung SAP for Automotive installiert und wird von dem Dienstleister gepflegt. System-, Beratungs- und Rechenzentrumsleistungen liegen damit in einer Hand. Das ermöglicht oftmals den unkomplizierten “kleinen Dienstweg”, vermeidet Reibungsverluste und erhöht die Sicherheit und Verfügbarkeit der Daten.
Dank der einheitlichen Struktur der Lösung und ihrem zentralen Betrieb lassen sich Systemanpassungen, beispielsweise die Lieferabrufverarbeitung, schneller und einfacher vornehmen. “Strukturelle Veränderungen im Unternehmen, etwa das Umgestalten von Serviceeinheiten wie Einkauf oder Vertrieb, sind mit vertretbarem Aufwand möglich”, unterstreicht Reinhard Falke, Leiter IT bei Vibracoustic: “Auch Release-Wechsel verlaufen in einem homogenen System ‚geräuschlos’ und kostengünstig.” Die Mitarbeiter benötigen deutlich weniger Spezialwissen, da sie nicht mit verschiedenen Lösungen arbeiten müssen. Vieles kann zentral gesteuert, bestimmte Funktionen müssen nicht überall vorgehalten werden. Außerdem kommt eine Erfahrung, die an einem Standort gemacht wird, allen anderen zugute. Diese Synergien verbessern das Knowledge-Management im Unternehmen. Gleichzeitig herrscht Transparenz im Berichtswesen, da jeder Standort die gleiche Sicht auf die aktuellen Zahlen hat.

Genaue Kenntnis der Prozesse

Nicht zuletzt erleichtert die Standardisierung auch die Arbeit des IT-Dienstleisters. “Aus unserer Zusammenarbeit kennen wir die Prozesse der Vibracoustic aus dem Effeff und können sie problemlos in SAP R/3 abbilden”, bestätigt Klaus Antczak vom Team Automotive der F-IT. Vibracoustic profitiert auch von der Erfahrung, die die F-IT seit Jahren mit anderen Automotive-Kunden sammelt, darunter Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik, Sachsenring Zwickau, Profil und Corteco. “Entwicklungen, die wir anderswo verwenden, bieten wir auch anderen Kunden an.”
Dies weiß Vibracoustic zu schätzen. “Wir sind sehr zufrieden mit F-IT”, betont Fluhr. “Das Unternehmen hat kompetente Mitarbeiter sowie die Größe und die Kapazitäten, um dauerhaft ein verlässlicher Partner zu sein. F-IT ist mit Außenbüros im In- und Ausland international aufgestellt. Davon haben wir bei der Einführung von SAP for Automotive ebenso profitiert wie von der langjährigen guten Beziehung des Dienstleisters zur SAP AG.”
Einen positiven Nebeneffekt des SAP-Einführungsprojekts für die Unternehmenskultur der Vibracoustic nennt Christof Wörner, Leiter Methoden und Systeme im Controlling: “Das erfolgreiche SAP-Projekt hatte einen hohen integrativen Effekt im gesamten Joint-Venture. Eine Aufgabe unter Zeitdruck gemeinsam zu schultern, schweißt zusammen und hilft, eine eigene Unternehmensidentität aufzubauen!”

Ulrich Rosskopf

Ulrich Rosskopf

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