Eindeutige Begriffe sorgen für klare Entscheidungen

Feature | 27. Juli 2005 von admin 0

Der Branchenverband BITKOM bezeichnet Outsourcing in Anlehnung an einen Buchtitel des Chefs von Accenture Deutschland, Stephan Scholtissek, als „dritte Revolution der Wertschöpfung“. Wurde in den ersten beiden Umbruchsphasen durch die Einführung des Fließbandes sowie den Abbau der Fertigungstiefe die Wertschöpfung in der Produktion erhöht, steht nun die Verbesserung der Wertschöpfung interner Prozesse wie Verwaltung oder Dienstleistung an. Die weitgehende Digitalisierung in diesem Bereich hat dazu geführt, dass selbst mittelständische Firmen zum Teil sehr umfangreiche IT-Landschaften aufgebaut haben.

Outsourcing – attraktive Alternative

Das Problem dabei: „Die IT-Systeme und -Prozesse mittelständischer Unternehmen sind vielfach noch von Insellösungen geprägt“, konstatiert der Branchenverband. Die Notwendigkeit, andernfalls veraltete Systeme ersetzen zu müssen, macht deshalb das Outsourcing für diese Firmen besonders attraktiv, lautet sein Fazit. Ähnlich argumentiert Gerhard Schoch, Geschäftsführer des SAP Business Partners ORGA. Er ist überzeugt, dass mittelständische Firmen aufgrund fehlenden Eigenkapitals und steigender Wettbewerbsintensität eine stärkere Affinität zu Outsourcing-Strategien entwickeln werden, um sich künftig auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren zu können.
Nach einer gemeinsamen Umfrage von Lünendonk und Techconsult haben in Deutschland bereits 38 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern ihre IT ausgelagert. Die Berater von Strategy Partners („Der Markt für SAP-Betriebsdienstleistungen: Outsourcing, ASP und Hosting 2003/2004“) beziffern das Marktwachstum für 2003 allein beim SAP-Outsourcing auf 18 Prozent. Sie rechnen auch für die Zukunft aufgrund des mittel- bis langfristig notwendigen Technologiewechsels bei SAP-Systemen mit hohen Zuwachsraten. Eine Faustregel besagt, dass beispielsweise ein ERP-System mit weniger als 250 bis 300 Nutzern betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll selbstständig zu betreiben ist.

Schneisen in den Begriffsdschungel schlagen

Erfahrungsgemäß wird beim Thema Outsourcing oft vom Gleichen gesprochen, aber nicht immer dasselbe gemeint. Um das Kunstwort „Outsourcing“, das sich aus den englischen Begriffen „outside“, „resource“ und „using“ zusammensetzt, hat sich überdies eine Vielfalt an begrifflichen Derivaten herausgebildet, die bei mittelständischen Firmen ein (nicht immer vorhandenes) tieferes Wissen um die Thematik voraussetzen. In einem Forschungsüberblick zum Begriff Outsourcing konstatiert Holger von Jouanne-Diedrich, Outsourcing-Experte am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen, dass es rund 40 Komposita mit der Silbe „-sourcing“ gibt. Das Problem: Oftmals unterschiedliche Begriffe meinen ein und dasselbe, umgekehrt kann ein Begriff unterschiedliche Bedeutungen haben. „Häufig erfolgt die Verwendung auch völlig unkritisch, so dass unklar bleibt, was genau gemeint ist“, kritisiert der Experte. „Zudem versuchen Anbieter von Outsourcing-Leistungen oft, sich über neue Begriffe zu differenzieren. Da dies vor allem potenzielle mittelständische Kunden abschreckt, schneiden sie sich aber letztlich ins eigene Fleisch.“
Schon eine erste Analyse zeigt, dass der Begriff Outsourcing keine exakt umrissene Dienstleistung bezeichnet, sondern viele Facetten und Spielarten hat. So muss je nach Rechtsstellung der Vertragspartner zwischen Auslagerung (externes Outsourcing) und Ausgliederung (internes Outsourcing) unterschieden werden. Auslagerung ist die partielle oder vollständige Übertragung von Unternehmensfunktionen an einen externen und rechtlich eigenständigen IT-Dienstleister. Von Ausgliederung spricht man hingegen, wenn Teile oder die gesamte IT wiederum an rechtlich eigenständige Unternehmenseinheiten oder Tochterunternehmen (über die jedoch mittels Kapitalbeteiligung Einfluss genommen wird) übergeben werden. Generell lässt sich IT-Outsourcing in folgende drei Ebenen gliedern:
1. Geschäftsprozess-Ebene: Dort sind fachliche und organisatorische Aspekte angesiedelt; hier werden beispielsweise auch Transaktionen durchgeführt.
2. Anwendungs-Ebene: Hier wird die entsprechende Software zur Unterstützung von Prozessen entwickelt und bereitgestellt (zum Beispiel Datenbanken oder ERP-Systeme).
3. Infrastruktur-Ebene: Diese umfasst den Betrieb von Rechenzentren, Hardware, Betriebssystemen und Netzwerken.

Bunt schillernde Begriffswelt

Vor allem Mittelständler wollen ihre IT oft nicht umfassend über alle drei Ebenen auslagern (so genanntes Full-Scope-Outsourcing), sondern die Kontrolle über IT-Infrastrukturen und Entscheidungsprozesse behalten. Hier bietet sich das Outtasking an, bei dem einzelne Teilaufgaben oder -prozesse, wie der Betrieb eines Helpdesks oder die Wartung technischer IT-Infrastrukturen, ausgelagert werden. Beim Outtasking gibt es klare Service Level Agreements (SLA), die genau festlegen, bis wann und in welcher Form eine Störung durch den Dienstleister behoben werden muss. Das sorgt nicht nur für eine höhere Verfügbarkeit der Infrastruktur, sondern schafft auch mehr Transparenz bei den Kosten, denn die Ausgaben sind exakt planbar. Laut Jouanne-Diedrich „ist es nachgewiesenermaßen die erfolgreichste Form des Outsourcings, weswegen es auch gern als Smart- oder Right-Sourcing bezeichnet wird.“
„Managed Services“ stellen eine weitere Variation des selektiven Outsourcings dar. Auch hier werden nur Teilaufgaben der IT ausgelagert. Im Unterschied zum Outtasking sind aber die Systeme nicht im Besitz des Auftraggebers, die Betriebsverantwortung liegt beim IT-Dienstleister. Der Kunde mietet die gewünschten Funktionalitäten, zum Beispiel die IT- und Telekommunikations-Ausstattung des Arbeitsplatzes. Basierend auf Anforderungskatalogen und Service Level Agreements bekommt er die Leistung im definierten Umfang zur Verfügung gestellt. Firmen, die gleich einen gesamten Unternehmensbereich wie die EDV über eine bestimmte Vertragslaufzeit an einen IT-Dienstleister auslagern, betreiben so genanntes „Comprehensive Outsourcing“. Dabei werden die Unternehmenswerte („Assets“) und die Belegschaft übernommen.

Leistung nach Bedarf mit On Demand

Unter Application Outsourcing subsumieren Experten wie Jouanne-Diedrich wiederum Application Hosting und ASP (Application Service Providing). Beim Application Hosting übernimmt ein IT-Dienstleister gegen Entgelt die SAP-Anwendungen eines Kunden (so genannter One-to-one-Approach), die er dann in seinem Service-Rechenzentrum betreibt. Die Software-Lizenz ist im Besitz des Kunden bzw. Leistungsnehmers. Der Dienstleister sorgt für die Wartung und Aktualisierung der Software und stellt den Support. ASP ist eine Dienstleistung, die mehreren Anwendern (One-to-many-Approach) gegen Entgelt Standardsoftware ohne bzw. mit einem geringen Umfang an Customizing zur Verfügung stellt.
Eine besondere Spielart des ASP macht als On-Demand- oder Utility-Outsourcing derzeit Furore. „Das Konzept ist bestechend einfach“, erklärt Jouanne-Diedrich: „Leistungen werden nur nach Bedarf bezogen, was für mittelständische Firmen den Vorteil hat, dass sie Auftragsspitzen deutlich flexibler abfangen und die jeweils bezogenen Leistungen transparent abrechnen können.“ Entsprechende Modelle bietet beispielsweise der SAP Business Partner T-Systems für SAP Business One oder der SAP Hosting Partner saardata mit der auf mySAP HR basierenden qualifizierten mySAP-All-in-One-Lösung sdpersonal an.

Outsourcing ist mehr als eine Kostenfrage

Unabhängig davon, welche Variante des Outsourcings ein mittelständisches Unternehmen wählt, die Entscheidung, die IT ganz oder teilweise außer Haus zu geben, muss immer wohl überlegt sein. Jouanne-Diedrich rät Mittelständlern daher, „einen Outsourcing-Dienstleister zu wählen, der aufgrund seiner Größe und seiner eigenen Unternehmenskultur zu ihnen passt. Mit einem vertrauenswürdigen Partner kommt man auch bei Problemen relativ schnell zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und damit letztlich zu tragfähigen Lösungen. Außerdem sollte der künftige Partner neue und innovative SAP-Technologien schnell und kostengünstig erschließen können.“
Mittelständler, die ihre SAP-Landschaft an erfahrene und zertifizierte SAP-Dienstleister wie itelligence, TDS Informationstechnologie, AC-Service oder an die SAP-Tochter SAP Hosting auslagern, reduzieren somit nicht nur ihre Kosten. Sie erhalten obendrein State-of-the-Art-Technologien und gewinnen Transparenz und Flexibilität bei ihren Prozessen.

Weitere Informationen:

Allgemein: www.bitkom.org, www.ephorie.de/outsourcing.htm
Studien: www.luenendonk.de, www.strategypartners.com
SAP Partner: www.ac-service.de, www.itelligence.de, www.orga.de, www.saardata.de, www.tds.de, www.t-systems.de
SAP: www.sap.com/germany/partners/mittelstand/outsourcing (Liste von SAP Hosting Partnern für den Mittelstand)

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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