Eine gemeinsame Sprache für Business und IT

Feature | 26. Juli 2004 von admin 0

Die Effizienz von Geschäftsprozessen ist entscheidend für den langfristigen Unternehmenserfolg. Organisationen, die im Wettbewerb bestehen wollen, benötigen transparente Geschäftsmodelle, die jederzeit angepasst werden können. Um innovative Geschäftsstrategien erfolgreich umzusetzen, ist es notwendig, betriebswirtschaftliche Konzepte effizient in die IT-Welt zu übertragen. Neben der Frage nach geeigneten prozessorientierten Organisationsstrukturen und der Minimierung von Schnittstellen innerhalb der Prozessabläufe gehört die Automatisierung immer gleich ablaufender Teilprozesse zur Hauptaufgabe des Prozessmanagements.

Kommunikationsbarrieren überwinden

Trotz neuer Technologien ist es oft schwierig, langwierig und kostspielig, innovative Ideen umzusetzen. Das Ergebnis vieler Projekte zur Prozessoptimierung stimmt nicht mit den Erwartungen überein. Die technisch orientierte Sicht der IT-Abteilung auf Daten, Systeme und Schnittstellen zur Integration gewachsener, heterogener Systemlandschaften ist dem Top-Management und den Fachbereichen nur schwer zu vermitteln. Verschiedene Faktoren erfordern aber eine flexible Anpassung der Unternehmensprozesse: Erschließung neuer Märkte, Einführung neuer Produkte, Gesetzesänderungen, Erweiterung des Geschäftspartnernetzwerks, Akquisitionen und nicht zuletzt das Outsourcing von Prozessen (BPO). Die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Fach- und IT-Abteilung erschweren es, strategisch notwendige Anforderungen zeitnah zu erfüllen. Das Top-Management und die Fachabteilung definieren, “was” zu tun ist, die IT-Experten kennen das “Wie” und “Womit”. Da jedoch Konzepte, Werkzeuge und Vorgehensweisen nicht übereinstimmen, ist eine langwierige Abstimmung aller Beteiligten notwendig.

Business Process Management Lifecycle

Business Process Management Lifecycle

Business Process Management überwindet diese Kommunikationsbarrieren, denn es liefert Methoden und Vorgehensmodelle zur Prozesskontrolle entlang der Wertschöpfung eines Unternehmens. Unternehmensinterne und -übergreifende Geschäftsprozesse werden ganzheitlich betrachtet – vom Design (Business Strategie) über die Modellierung (Business Modell), Konfiguration und automatisierte Ausführung bis hin zum technischen und betriebswirtschaftlichen Monitoring.

Die Vorteile von BPM

Die Vorteile von BPM

Beim BPM übernehmen verschiedene Anwender mit unterschiedlichen Rollen – etwa der Prozessverantwortliche aus der Fachabteilung, der Applikationsberater und der Integrationsspezialist – spezifische Aufgaben zur Modellierung der Prozesse. Prozesswissen wird dabei so dokumentiert, dass es verständlich und wiederverwendbar ist. BPM reicht von der Beschreibung der betriebswirtschaftlichen Prozessarchitektur bis zur Implementierungssicht der Applikationen und der Integrationssicht systemübergreifender Prozesse. Damit geht es wesentlich über technische Prozessintegrationsansätze hinaus, die Geschäftsvorfälle über Anwendungslandschaften hinweg mit klassischen EAI-Mitteln (Enterprise Application Integration) steuern.

Modellieren statt programmieren

Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft stellen SAP und IDS Scheer ihren Kunden Methoden, Technologien und Referenzinhalte für ein ganzheitliches Prozessmanagement zur Verfügung. Mit der offenen Integrations- und Applikationsplattform SAP NetWeaver lassen sich Anwender, Informationen und Geschäftsprozesse technologie- und unternehmensübergreifend zusammenführen. Dies verringert die Komplexität heterogener Infrastrukturen und senkt die Betriebskosten (Total Cost of Ownership). SAP NetWeaver ist die technologische Grundlage aller Lösungen der mySAP Business Suite sowie der SAP xApps und ermöglicht es, unternehmenskritische Geschäftsprozesse an sich ändernde Anforderungen anzupassen.
SAP NetWeaver bietet zunächst alle integrierten Funktionen einer klassischen BPM-Suite in einer Plattform: SAP Business Workflow steuert Prozesse innerhalb der Geschäftsapplikation basierend auf den anwendungsspezifischen Business Objekten (zum Beispiel Bestellung, Angebot oder Auftrag) und Standardgeschäftsregeln. Systemübergreifendes BPM (cross-component BPM) mit SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) steuert automatisierbare Integrationsprozesse auf der Grundlage von Regeln und Ereignissen sowie des Nachrichtenaustausches zwischen SAP- und Nicht-SAP-Systemen. Ad hoc Workflow und die Universal Worklist (UWL) im SAP Enterprise Portal bieten die Möglichkeit, alle Benutzer effizient in die Prozessabläufe einzubeziehen. Aufgaben, Workitems und Alerts von verschiedenen Systemen lassen sich in einer zentralen Inbox, der Universal Worklist, bearbeiten. Entweder aus der UWL oder aus einem Collaboration Room heraus kann jeder Anwender mit einer leicht verständlichen Methode eigene Workflows als Subprozesse zu bestehenden Applikationsprozessen hinzufügen oder eigenständige Teamprozesse entwickeln.
Mit ARIS for SAP NetWeaver wird dieser Ansatz um die betriebswirtschaftliche Modellierung ergänzt. Die gemeinsame Lösung enthält eine durchgängige Beschreibung der Prozessarchitektur, von den Businessmodellen bis zur Implementierung der Prozesse durch den SAP Solution Manager, der Integration ausführbarer Prozesse in SAP XI und der Applikationen mit dem SAP Business Workflow.

Durchgängige Prozessarchitektur

Prozessarchitektur

Prozessarchitektur

Aris for SAP NetWeaver arbeitet auf drei Ebenen. Auf der obersten Ebene (Process Architecture Model) wird die Prozessarchitektur des Unternehmens aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ohne technischen Bezug aufgebaut. Dieses Modell ist die Grundlage, um die Prozess-Strategie des Unternehmens zu beschreiben und bei Bedarf flexibel umzuformulieren.
Konfigurationsmodelle (Process Configuration Model) beschreiben Prozesse und Prozess-Schritte über die verschiedenen Komponenten der mySAP Business Suite hinweg. Aus diesen Modellen werden Customizing-Aktivitäten abgeleitet sowie die Navigation zu SAP-Systemen und die Definition von Monitoring-relevanten Informationen, etwa von Transaktionsschwellwerten, ermöglicht. SAP Solution Manager, die Lifecycle-Management-Lösung von SAP NetWeaver, stellt Referenzprozesse zur Verfügung, die sich kundenspezifisch anpassen und für den Betrieb, die Implementierung, den Support und das Prozessmonitoring nutzen lassen. Prozessmodelle werden zwischen ARIS for SAP NetWeaver und dem SAP Solution Manager synchronisiert. Dabei ordnen Anwender die SAP-Referenzmodelle in die Prozessarchitektur ein und passen sie an die unternehmensspezifischen Anforderungen an (Blueprint).
Die nächste Ebene (Process Execution Model) nutzt modellierte Prozessflüsse zur Ausführung durch SAP XI und die Applikationen. SAP XI verfügt über eine auf BPEL-Standard (Business Process Execution Language) basierende Entwicklungsumgebung, aus der abstrahierte Prozesslogik auf die Laufzeitumgebung von SAP XI übertragen und dort von einer Business-Process-Engine ausgeführt wird. Systemübergreifende Prozesse werden mit den Applikationsprozessen der Anwendungen flexibel verbunden. Einzelne Schnittstellen von SAP- und Nicht-SAP-Systemen wie auch Workflows – etwa ein Genehmigungsworkflow in einer ERP-Lösung – lassen sich in einer übergreifenden Prozesslogik steuern. Darüber hinaus ist es möglich, Integrationswissen, das teilweise in industriespezifischer Ausprägung zur Geschäftspartnerkommunikation eingesetzt wird (etwa RosettaNet), im Prozessarchitekturmodell in ARIS einzuordnen.

Von der Prozess- zur Serviceorientierung

Unified Modeling Environment

Unified Modeling Environment

Ein wesentlicher Bestandteil der Kooperation zwischen SAP und IDS Scheer ist es, Methoden und Werkzeuge zur konsistenten Prozessmodellierung weiterzuentwickeln, so dass diese die Enterprise Services Architecture (ESA) unterstützen. Zum nächsten Release von SAP NetWeaver verbinden die Partner ihre Produkte und ihr Know-how daher noch enger miteinander: Design, Modellierung und Konfiguration erfolgen dann in einer technisch integrierten Lösung, einer vereinheitlichten Modellierungsumgebung als Bestandteil des Service Repository von SAP NetWeaver. Auf der Basis eines gemeinsamen Metamodells sind Anwender in der Lage, unterschiedliche rollenspezifische Aufgaben in einer einheitlichen Umgebung auszuüben.
Die Integration von betriebswirtschaftlichem Prozesswissen mit der technischen “Orchestrierung” von Enterprise-Services ermöglicht die evolutionäre Umsetzung einer serviceorientierten Architektur auf Basis der Geschäftsanforderungen. Neue Prozesse, “Next Practices”, lassen sich betriebswirtschaftlich spezifiziert sowie auf der Grundlage bestehender “Best-Practice”-Applikationen und dort vorhandener Funktionen, Business Objekte und Applikationslogik modellbasiert entwickeln. Mit der durchgängigen methodischen Integration der Geschäftsprozesse, von der betriebswirtschaftlichen Sicht bis zur technischen Realisierung, können Unternehmen schon heute starten. Derzeit entstehende Modelle zur Prozessarchitektur, -konfiguration und -ausführung lassen sich auch in Zukunft nutzen, so dass die Investitionssicherheit gewährleistet ist.

Thomas Volmering

Torsten Scholz

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