Eine stabile Verbindung

Feature | 6. März 2006 von admin 0

Holospot auf Verpackung

Holospot auf Verpackung

Tesafilm – für Generationen in Deutschland ist das ein Synonym für transparentes Klebeband. Der Name ist so bekannt, dass er sogar in den Duden aufgenommen wurde. Die Klebefolie, die bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Handel ist, kann zudem mit einer überraschenden Eigenschaft aufwarten: Im Jahr 1998 fanden Wissenschaftler heraus, dass sie sich auch als Medium zum Speichern großer Datenmengen eignet. So entstanden aus dem Traditionsprodukt des Hamburger Beiersdorf-Konzerns zukunftsträchtige Innovationen: die tesa-ROM-Technologie und das Holospot-Verfahren.

Unternehmensprofil tesa

Unternehmensprofil tesa

Die tesa AG, zuvor eine Sparte des Beiersdorf-Konzerns, agiert seit 2001 als eigenständiges Unternehmen. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit stand die junge Firma unter anderem vor der Entscheidung, an welchen externen Dienstleister sie den Betrieb ihrer geschäftskritischen Unternehmenssoftware auslagern sollte. Denn ob nun ein Mitarbeiter Aufträge erfasst oder Rechnungen ausstellt – ohne ERP-Anwendungen geht bei tesa gar nichts. “Wir können es uns nicht leisten, dass eine Applikation nicht richtig läuft oder gar ausfällt”, erklärt Marius Dahler, Leiter Applications bei tesa. “Hochverfügbare Systeme sind bei uns ein Muss. Deshalb haben wir einen Outsourcing-Partner gesucht, der Probleme sofort behebt, nicht erst nach drei Tagen.”

Hochverfügbarkeit ist das A und O

Großen Wert legte tesa außerdem auf eine genaue Überwachung der Applikationen und auf Kompetenz in der technischen Beratung: Es galt, die Systemverfügbarkeit und die Anwendungsleistung zu optimieren. Außerdem benötigte das Unternehmen Beratung bei einem Migrationsprojekt. Man beabsichtigte, von der Windows-NT-Umgebung zu einer 64-Bit-basierten Sun-Solaris-Landschaft zu wechseln, um so eine höhere Stabilität zu erreichen.
Im Jahr 2004 fiel die Entscheidung für den SAP-Partner TDS AG, Neckarsulm. “Wir wollten kein zehnköpfiges Team, sondern wenige Experten, die sich in allen Bereichen gut auskennen”, erläutert Marius Dahler. “Vor allem musste auch die Chemie stimmen. Wir verstehen uns im Prinzip als ein großes mittelständisches Unternehmen und haben einen Anbieter gesucht, der unserer Größenordnung entspricht und mit dem wir auf Augenhöhe kommunizieren können.”
Im September 2004 übernahm der Dienstleister aus Neckarsulm den kompletten Betrieb und die Wartung der SAP-Umgebung für die kontinentaleuropäischen Landesgesellschaften. Einen Monat später lagerte tesa weitere Anwendungen für die Produktionssteuerung sowie die Citrix-Server aus. TDS ist nun zuständig für eine SAP-R/3-Landschaft, bestehend aus Entwicklungs-, Test- und Produktionssystem, wie auch für eine zweistufige Umgebung für SAP Business Information Warehouse (SAP BW).
Zusätzlich betreibt TDS in einer separaten Umgebung das zweistufige SAP-R/3-System der tesa-Niederlassung in Großbritannien. Diese Trennung ist historisch bedingt, tesa will sie allerdings im nächsten Jahr aufheben und beide Landschaften zusammenführen. Der Hersteller von Klebebändern plant zudem, weitere Anwendungen an TDS auszulagern, darunter eine Archiv- und eine Statistiklösung.

Systeme rund um die Uhr unter Kontrolle

Um die im Outsourcing-Vertrag festgeschriebene Verfügbarkeit von 99 Prozent und bei einem Systemausfall die maximale Wiederanlaufzeit von vier Stunden sicherzustellen, müssen die Anwendungen rund um die Uhr überwacht werden. Bei Störungen sendet das auf der Software BMC Patrol basierende Monitoring-System sofort eine Alarmmeldung, so dass die Spezialisten von TDS das Problem umgehend analysieren und beheben können.
Zur Sicherheit ist die IT-Umgebung von tesa außerdem komplett redundant ausgelegt. Im ersten der beiden vollständig getrennten Rechenzentren betreibt TDS die Produktivanwendungen von tesa – derzeit 34 Server samt den dazugehörigen Speichersystemen und Datenbanken. Alle Daten des unternehmenskritischen Produktionssteuerungssystems werden per Snapshot-Technologie in das zweite Rechenzentrum kopiert. Damit ist gewährleistet, dass die notwendigen Daten den tesa-Werken rund um die Uhr zur Verfügung stehen. In der gespiegelten Umgebung hält der Outsourcing-Anbieter außerdem Test- und Qualitätssicherungssysteme vor, die bei einer Störung den Produktivbetrieb übernehmen können.

Datentransport per Kurier

Durch die große Anzahl der Server, die enormen Datenmengen und die Migration auf eine neue Serverlandschaft war der Transfer der tesa-Lösungen in das TDS-Rechenzentrum ein vergleichsweise anspruchsvolles Projekt. Trotzdem nahm die Umstellung inklusive der Vorbereitungsphase lediglich sechs Wochen in Anspruch. Die größte Herausforderung stellte das enge Zeitfenster für die Datenmigration dar. Um den Produktivbetrieb möglichst nicht zu beeinträchtigen, mussten sämtliche Daten aus SAP R/3 und SAP BW aus allen vier europäischen tesa-Werken an einem einzigen Wochenende ins Rechenzentrum der TDS “umziehen”. Dazu wurden die Daten beim alten Provider auf tragbare Festplatten überspielt und per Kurier zu TDS gebracht, wo sie kopiert und eingelesen wurden.
Erste Anlaufstelle für die Anwender ist nun der Service Desk bei tesa. Die Mitarbeiter dort leiten alle Anfragen zu den SAP-Lösungen dann an die Ansprechpartner bei TDS weiter, die rund um die Uhr rufbereit sind. Marius Dahler ist mit dem Service rundum zufrieden: “Die Experten reagieren schnell und setzen unsere Anforderungen zügig um, auch wenn es sich um schwierigere Aufgabenstellungen handelt.”
Das Mehr an Service zeigt sich auch beim Reporting. So gibt TDS den IT-Verantwortlichen bei tesa ein Service-Portal an die Hand, in dem sie sämtliche Informationen zur Verfügbarkeit und zur Auslastung der Systeme einsehen und beispielsweise auch Antwortzeiten abrufen können.

SAP in Kyrillisch

Auch ein länderspezifisches Problem konnte mit Hilfe von TDS gelöst werden. Als der Beiersdorf-Konzern im Jahr 2004 die SAP-Lösungen der tesa-Landesgesellschaften im Baltikum auslagerte, mussten die kyrillischen Zeichensätze auf die schon bestehenden tesa-Systeme im Rechenzentrum eingespielt werden. Die Schwierigkeit dabei: Für diese Zeichensätze gibt es aufgrund der geringen Nachfrage im Markt kaum Experten. Auch der Zeitfaktor war kritisch, denn die Verträge mit dem Mutter-Konzern über den Betrieb der SAP-Lösungen liefen Ende 2004 aus. Hier fand TDS eine unkonventionelle Lösung: Aufgrund der guten Verbindungen der Neckarsulmer zu SAP übernahm SAP Moskau das Überspielen der Zeichensätze.

Konrad Meier

Konrad Meier

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