Eine Welt der kleinen Schritte

Feature | 4. Juni 2008 von Susann Leder 0

„Der Einstieg in die Welt der Enterprise SOA ist ein Einstieg in kleinen Schritten”, so Liebstückel. Für den Aufbau einer Enterprise serviceorientierten Architektur komme es nicht nur auf die technologischen Vorraussetzungen an. Wichtig sei auch das Know-how in IT und Geschäftsprozessmanagement. Zu mehr Wissen verhalf die DSAG mit ihrem Enterprise-SOA-Tag im Rahmen der SAPPHIRE 2008 Berlin. Unter dem Motto „Reifegrad in der Praxis“ stellten SAP-Kunden ihre Enterprise-SOA-Projekte vor und diskutierten über etwaige Stolpersteine.

SAP-Vorstandsmitglied Peter Zencke gab zudem einen Einblick in die Enterprise-SOA-Strategie des Unternehmens. Ein weiterer Punkt auf der Agenda waren die Orientierungsangebote und Starthilfen, mit denen die Walldorfer Softwareschmiede ihre Kunden beim Thema Enterprise SOA unterstützt.

Enterprise SOA stehe heute noch relativ weit am Anfang der Innovationskurve, die Marktdurchdringung dauere länger als bei ERP-Lösungen, sagte Liebstückel und stützte seine Aussage auf eine Umfrage der DSAG. Demnach haben 75 Prozent der Mitglieder noch keine Enterprise-SOA-Projekte geplant. Vielen Kunden fehle es noch am Prozessverständnis: „Die Unternehmen denken zu arbeitsteilig und sehen noch nicht die durchgängigen Prozesse”, so der DSAG-Vorstandsvorsitzende. Zudem steckten viele Kunden derzeit noch tief in ERP-Projekten und hätten keine Kapazitäten für neue Projekte, ergänzte Zencke.

SOA-Projekte in der Praxis

In praxisnahen Vorträgen stellten drei Unternehmen vor, mit welchen Techniken sie ihre Enterprise-SOA-Projekte zum Laufen brachten und welche organisatorischen Maßnahmen sie treffen mussten, um die Prozesse zu steuern.

Dabei wurde deutlich, dass es in keinem der drei Unternehmen zu Projektbeginn das Ziel gab, eine Enterprise SOA aufzubauen. Vielmehr existierte am Anfang ein konkretes Problem, dessen Lösung zu einer Enterprise SOA führte. Zudem berichteten die Referenten übereinstimmend, mit selbst entwickelten Enterprise Services gearbeitet zu haben. Der Grund ist einfach: Zum Projektstart waren noch keine SAP-Services verfügbar. Heute können Unternehmen auf vordefinierte Services von SAP zurückgreifen, die ihnen einen klaren Zeitvorteil verschaffen.

Neues KPI-Cockpit bei RheinChemie

Marco Lenck, CIO des Mannheimer Chemieunternehmens RheinChemie, stellte in seinem Vortrag die geschäftsübergreifende Nutzung von Enterprise SOA zum Aufbau eines KPI-Cockpits vor. Um die Servicequalität im Unternehmen weiter zu steigern, Geschäftsprozesse zu steuern und kontinuierlich zu verbessern, war es notwendig, die interne Transparenz zu erhöhen und den Führungskräften mehr Überwachungs- und Steuerungsmöglichkeiten zu geben. Deshalb sollte den Managern im Unternehmen ein einfacher Zugang zu Daten und standardisierten Kennzahlen gegeben werden.

Das Projekt KPI-Cockpit wurde mit der Plattform SAP NetWeaver und Enterprise SOA realisiert, als Oberflächenwerkzeug diente SAP NetWeaver Visual Composer. Dadurch mussten die verschiedenen Datenzugriffs- und Visualisierungsschritte nur modelliert, aber nicht programmiert, werden. Seit Anfang 2007 können die Manager der RheinChemie nun zeitnah und schnell auf aggregierte Informationen zugreifen, Schlüsselkennzahlen und Soll-Ist-Abweichungen abrufen – und sich so jederzeit einen übergreifenden Überblick über einzelne Geschäftsprozesse verschaffen. Das Projekt war ein erster Schritt in Richtung Enterprise SOA, dem zukünftig weitere folgen sollen.

Anlagenverwaltung bei Endress & Hauser

Jürgen Schrempp, Bereichsleiter Business Technology von Endress & Hauser, beschrieb seine Erfahrungen beim Aufbau einer Service-basierten Infrastruktur am Beispiel Anlagenverwaltung und Anbindung von Fremdsystemen. Endress & Hauser ist ein internationaler Anbieter von Prozessmessgeräten und Automatisierungslösungen für die Prozessindustrie. Für die Kunden des Unternehmens sind Informationen über Anlagenmanagement und zu Messgeräten elementar. Deshalb realisierte das Unternehmen auf Basis der Komponente SAP NetWeaver Application Server das Kundenportal “W@M”, mit dem die Kunden ihre Daten rund um Messgeräte besser verwalten, Produkte leichter finden und somit schneller bestellen können. Über das Portal können sie jederzeit und von jedem Ort flexibel auf gruppenweit einheitliche Informationen zugreifen.

Für noch höheren Kundennutzen baute Endress & Hauser Anfang des Jahres 2006 das Portal mit Web Services noch weiter aus. Ziel war es, auch Daten aus Drittsystemen integrieren zu können. Dazu wurden auf Basis von SAP NetWeaver und Enterprise SOA verschiedene Web Services entwickelt. Diese ermöglichen, dass Gerätedaten von Endress & Hauser in die beim Kunden eingesetzten Anlagenmanagementsysteme integriert werden können, womit ein zentraler Zugriff auf alle Geräteinformationen möglich ist (Single-Point-of-Information). Diese Entwicklung geht über das Gerätemanagement für die eigenen Produkte hinaus und vereinfacht das Anlagenmanagement auf Kundenseite.

Systemübergreifende Prozessintegration in der Automobilindustrie

Ein weiterer Referent auf dem DSAG-SOA-Tag war Christian Eckert, Leiter Softwareentwicklung von der VAPS EDV-Service & Vertrieb GmbH, der Einkaufs- und Dienstleistungsgesellschaft der deutschen Volkswagen und Audi Partner. Er stellte den Aufbau eines neuen Dealer-Management-Systems (DMS) vor, das alle Geschäftsbereiche innerhalb eines Autohauses abbildet – vom Einkauf über Finanzbuchhaltung, Marketing und Werkstattabwicklung.

Den Anstoß für das Projekt gab das bestehende DMS. Dieses existierte schon länger und war den Anforderungen des Automobilmarktes sowohl aus funktionaler wie rechtlicher Sicht nicht mehr gewachsen. Hinzu kamen immer heterogenere und komplexere IT-Infrastrukturen auf Seiten der Händler, Zulieferer und Hersteller, was deren Anbindung an das DMS erschwerte. Auf Grundlage von SAP ERP, SAP NetWeaver und Web-Services entwickelte der Dienstleister ein DMS, das auch Non-SAP-Programme einfach einbindet, durch systemübergreifende Prozessintegration eine redundante Datenerfassung vermeidet, stärkere Prozesstransparenz und bessere Bedienerfreundlichkeit bietet.

Folgende Ziele konnte VAPS mit dem neuen DMS verwirklichen: Die Abbildung aller benötigten Prozesse und Funktionen innerhalb von SAP ERP; die serviceorientierte Prozessintegration in Echtzeit und über Systemgrenzen hinweg sowie die Bereitstellung neuer Prozesse und Funktionen on top.

Hilfe für erste Projektschritte

Auf der DSAG-Veranstaltung konnten Kunden voneinander lernen. Doch auch SAP lässt ihre Kunden mit dem Thema Enterprise SOA nicht allein. Michael Zimpel und Udo Hannemann vom SAP Enterprise SOA Adoption Program gaben eine kurzen Überblick über das Angebot. Hilfe für erste Projektschritte liefert das “SAP Starter Kit for enterprise SOA”: Hier erhalten interessierte Kunden Informationen zum konkreten Nutzen, dem übergreifenden Regelwerk und der Methodik von Enterprise SOA. Zudem stellt das Portal Anwenderberichte und Referenzstudien bereit. Das Informationspaket ist auf dem Software Developer Network kostenfrei zum Download oder als CD verfügbar.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Peter Zencke noch einen Ausblick auf die Enterprise-SOA-Strategie von SAP. Generell sei es für das Unternehmen wichtig, die Herausforderungen des Marktes aufzunehmen und Innovationen frühzeitig anzubieten. Das jüngste Beispiel hierfür sei die Mittelstandslösung SAP Business ByDesign, die von Grund auf serviceorientiert entwickelt wurde. Sie verbindet serviceorientierte Anwendungen mit einem On-Demand-Modell.

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