Einfacher, schneller und flexibler

Feature | 15. November 2006 von admin 0

Vishal Sikka

Vishal Sikka

Seit der Ankündigung des Projekts auf der SAP-Kundenkonferenz SAPPHIRE im Mai ist die Entwicklung in vollem Gange. Ziel ist es, die Benutzeroberfläche zu vereinfachen und die Verteilung von SAP-Geschäftsprozessen zu erleichtern. Dabei sollen die Vorteile der Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA) und der SAP-NetWeaver-Plattform genutzt werden. Vishal Sikka ist für die Roadmap und die Architecture Governance der SAP-Produkte und Technologieinfrastruktur zuständig. Im Gespräch mit SAP INFO online erläutert er die neue Benutzerschnittstelle.

Beschreiben Sie doch bitte das Design der neuen Benutzeroberfläche.

Sikka: Die Oberfläche gliedert sich in zwei Bereiche – den Rahmen und das Hauptbild. Im oberen Teil des Rahmens befinden sich die Standardmenüs und Miniaturansichten der geöffneten Applikationen, damit die Anwender leicht zwischen den diversen Lösungen navigieren können. Der Rahmen legt sich wie ein “L” um das Hauptbild, in dem Informationen, Geschäftsvorgänge und Prozesse angezeigt werden. Mithilfe der neuen Oberfläche lassen sich die Daten nahezu aller anderen Programme im Hauptbild darstellen.

Was war der Auslöser für dieses Projekt?

Sikka: Es gibt drei Gründe – die Rückmeldungen, die wir von Anwendern erhalten haben, den technologischen Fortschritt und die Möglichkeit, die Landschaft der betriebswirtschaftlichen Anwendungen zu verändern.

Zunächst einmal wollten die Anwender in der Lage sein, eine bestimmte Aufgabe überall auszuführen, zum Beispiel auf einem mobilen Endgerät, in Microsoft Outlook oder in einem Webbrowser. Wir mussten also folgende Frage beantworten: Was ist notwendig, um die Forderung nach einer durchgängigen Oberfläche in einem durchgängigen Unternehmenskontext zu erfüllen?
Zweitens waren wir dank des technologischen Fortschritts in der Lage, einen durch Services unterstützten Business-Client zu definieren, der die Investitionen unserer Kunden in SAP-Technologie schützt. Wir wollen die Benutzeroberfläche verbessern, aber sie muss mit unseren bestehenden Produkten und den aktuellen Anwendungen der Kunden kompatibel sein. Gleichzeitig muss sie es den Kunden gestatten, Enterprise Services zu nutzen, und sie muss ein Rahmenwerk für die nächste Generation der SAP-Anwendungen bereitstellen.
Drittens verschwimmen mit diesem neuen Ansatz die Grenzen zwischen Anwendungen, Internet und Desktop. Vor kurzem habe ich in der Presse den Begriff “Business-Mix” gelesen, der das, was wir mit unserem Ansatz verfolgen, sehr gut beschreibt. In Zukunft werden die Anwender in der Lage sein, auf die Enterprise Services von SAP zuzugreifen, sie mit einem Service eines Fremdanbieters zu kombinieren und mit den auf dem Desktop vorhandenen Daten zu erweitern.

An welche Anwender richtet sich die neue Benutzeroberfläche?

Sikka: Unser Konzept sieht vor, dass im Laufe der Zeit jeder in der Lage sein soll, diese Technologie zu nutzen. Nach derzeitigem Stand müssen die Kunden dafür jedoch unsere aktuellen Anwendungen einsetzen, denn die neue Oberfläche ist Bestandteil der Technologie, auf der SAP NetWeaver und mySAP ERP aufbauen.

Wo wird das Projekt in den nächsten 18 Monaten stehen?

Sikka: Wir rechnen damit, dass die neue Oberfläche innerhalb der nächsten 18 Monate verfügbar sein wird. Sowohl wir bei SAP als auch unsere Partner haben viel Entwicklungsarbeit hineingesteckt. Wir gehen davon aus, dass sie entweder gleichberechtigt neben anderen SAP-Benutzeroberflächen oder als eigenständige, multifunktionale Oberfläche genutzt wird.

Welche Schnittstellen unterstützt die neue Benutzeroberfläche?

Sikka: Sie unterstützt Adobe Macromedia Flash, Adobe PDF sowie HTML-, Web-Dynpro- und Dynpro-Benutzerschnittstellen. Ferner erweitert sie die Liste der bereits von SAP NetWeaver unterstützten Oberflächen. Dazu gehören die Software Duet, mit der Microsoft Office und SAP-Lösungen gemeinsam genutzt werden können, SAP Interactive Forms von Adobe, SAP xApp Analytics, die Macromedia Flex von Adobe nutzt, und SAP NetWeaver Portal.

Stimmt es, dass ältere Versionen von mySAP ERP nicht unterstützt werden?

Sikka: Nein, die neue Oberfläche arbeitet mit den Benutzerschnittstellen älterer Anwendungen. Wir sind uns bewusst, dass es lange dauern kann, bis ein Unternehmen auf eine neue Benutzerschnittstelle umsteigt, und beabsichtigen nicht, den Support für andere SAP-Oberflächen einzustellen. Die Neuentwicklung dient vielmehr der Integration bestehender Programme. Um das Potenzial voll ausschöpfen zu können, müssen die Anwender allerdings auf neue Produkte wie SAP NetWeaver wechseln.

Die neue Benutzeroberfläche wird als “service-enabled” beschrieben. Welche Vorteile hat das für die Kunden?

Sikka: Im Laufe der Jahre hat SAP ein enormes Wissen über die verschiedenen Geschäftsaktivitäten unserer Kunden gesammelt. Wir teilen diese Vorgänge in Kategorien ein und bezeichnen sie als “user-centric”, also als anwenderorientierte Services. Diese Services fassen die Schritte zusammen, die in speziellen Unternehmenskontexten ausgeführt werden. Dabei wissen wir zum Beispiel auch, welche Anwendungen unsere Kunden nutzen, wie der Workflow abläuft und welche zusätzlichen Tätigkeiten höchstwahrscheinlich ausgeführt werden. Dieses Wissen hilft uns, eine Benutzeroberfläche zu entwickeln, die die Funktionen der auf Services basierenden Software von SAP und von anderen Anbietern optimal nutzt. Eine Benutzeroberfläche, die mit Hilfe von Services arbeitet, lässt sich genauso einfach und effizient einsetzen wie Internetsoftware und ist zugleich ebenso leistungsfähig und funktionsstark wie Unternehmensanwendungen.

Wie wurde die zugrunde liegende Technologie erweitert?

Sikka: Die neue Benutzeroberfläche beruht auf zwei Ansätzen. Einerseits werden bestehende Oberflächen mit unserer ABAP-Technologie Web Dynpro umgestaltet und vereinfacht. Unterhalb der Oberfläche befinden sich diverse Bereitstellungstechniken für den Aufruf von Business-Funktionen, wie Enterprise Services, Funktionsbausteine und BAPIs, sowie Transaktionsvarianten zu bereits bestehenden Dynpros. Dieser Ansatz gewährleistet, dass sich die zugrunde liegende Transaktionsschicht nicht ändert. Sie bekommt lediglich ein neues Gesicht. Alles, was sich ändert, ist also die Darstellung der Bildschirmoberfläche. Andererseits wird mithilfe der Sprache C++ für Windows der neue SAP NetWeaver Business Client programmiert. Gemeinsam mit Adobe möchten wir den Kunden den SAP NetWeaver Business Client näherbringen. Dafür nutzen wir die Technologieplattform von Adobe und demnächst den Apollo Client, der bald verfügbar sein wird.

Welche Vorteile hat der Endanwender?

Sikka: Bessere Bedienbarkeit, höhere Performance und die Möglichkeit, bestehende Plattformen effizienter zu nutzen. Mit der neuen Benutzerschnittstelle kann jede beliebige SAP-Anwendung direkt von einem Macintosh-, Linux- oder Windows-Rechner und bald auch von mobilen Endgeräten aufgerufen werden.

Wann wird die neue Oberfläche in mobilen Geschäftsszenarios einsetzbar sein?

Sikka: Wir sind dabei, das umzusetzen. Da wir uns zunächst auf Desktop-Anwendungen konzentriert haben, liegen die ersten Versionen nur für große Bildschirmlayouts vor. In Kürze werden wir aber auch eine Version für mobile Anwendungen bereitstellen.

Gibt es Vorbehalte seitens der SAP-Kunden?

Sikka: Einige Kunden fragen, wie die neue Oberfläche im Zusammenhang mit dem SAP-NetWeaver-Portal funktioniert. Unsere Antwort lautet, dass sie das Potenzial des Portals voll ausschöpft und es darüber hinaus zur nächsten Generation der Aggregationsplattform hinführt. Die Schicht des Portals, die für die Aggregation von Kontext, Rollen oder Inhalt zuständig ist, bleibt unverändert. Das Portal als Darstellungsmedium bietet mit der neuen Benutzeroberfläche mehr Möglichkeiten. Daher ist es eine Weiterentwicklung unserer Portalstrategie. Für Anwender, die über einen normalen Browser auf ihre Benutzeroberfläche zugreifen, ändert sich bei Verwendung des Portals nichts.

Weitere Informationen über die SAP-Strategie zur Benutzeroberfläche und über die Produktivitätsvorteile der Enterprise SOA in diesem White Paper.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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