EIU-Studie II: Die Situation in den Industrieländern

23. Oktober 2012 von Susan Galer 0

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Auch wenn Unternehmenschefs in Frankreich, Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA angesichts des Wirtschaftsabschwungs zu kämpfen haben, sind sie entschlossener denn je zu expandieren. Zwar meinen 59 % der Befragten, dass das Wirtschaftsumfeld in den letzten drei Jahren viel härter geworden ist und 58 % erwarten in den nächsten drei Jahren sogar eine weitere Verschlechterung. Dennoch glauben diese Manager trotz der schlechten Wirtschaftslage an die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen. Folgerichtig rechnen 68 % mit Umsatzsteigerungen in den nächsten zwölf Monaten. und 59 % glauben, dass auch die Mitarbeiterzahlen im nächsten Jahr steigen.

Soziale Medien auf dem Vormarsch

Die wichtigsten vier Prioritäten im nächsten Jahr sind für die befragten Unternehmen die Steigerung von Umsatz und Ergebnis, Effizienzsteigerungen, ein effizienterer Einsatz von Informationstechnologie sowie die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Nicht so wichtig sind Einsparungen oder kurzfristige Rettungsmaßnahmen. Stattdessen setzt der Mittelstand sowohl in den Schwellen- als auch in den Industrieländern auf Wachstum und Expansion. Dabei sehen die befragten Manager insbesondere in der Erschließung neuer Märkte oder im Ausbau bereits bestehender Märkte Wachstumschancen. 60 % der mittelständischen Unternehmen sind der Ansicht, dass sie sich stärker auf internationalen Märkten engagieren müssen.

Zur Umsetzung ihrer Wachstumsziele nutzen viele Unternehmen auch verstärkt das Internet. Cornelius Patt, Vorstandschef von Zooplus, einem Internethändler für Heimtierbedarf mit Sitz in Deutschland, sieht digitale Kontaktkanäle als wichtige Instrumente für den Aufbau von Kundenbeziehungen. Wichtig sei hier auch, dass Inhalte von Tablet-PCs und Mobiltelefonen abrufbar sind. Für mehr Kundennähe nutzt Zooplus auch soziale Medien. „Nicht die Suche nach einem Artikel allein ist ausschlaggebend für die Kaufentscheidung eines Kunden. Sie fällt über die gegenseitigen Kaufempfehlungen“, sagt Patt.

Auch die US-amerikanische Schnellrestaurantkette Wahoo’s Fish Taco wirbt verstärkt in sozialen Medien. „Hier geht es vor allem um Investitionen in unser Marketing und Branding und um die Förderung des Umsatzwachstums“, sagt Mingo Lee, der Wahoo1988 mit seinen zwei Brüdern gründete. Zudem nutzt Wahoo auch die Vorteile von Unternehmensnetzen für seinen Einkauf. Nach Ansicht von Lee erhöhen insbesondere kleine Unternehmen damit ihre Überlebenschancen. „Wir haben begonnen, uns Einkaufsverbänden und Einkaufspartnern anzuschließen. Dadurch erreichen wir nicht nur bessere Vertragskonditionen, sondern bündeln unseren Bedarf auch mit dem anderer Kunden. Bei Artikeln mit kleineren Mengen schließen wir uns mit ihnen zusammen und nutzen die Vorteile als Gruppe“, erklärt er.

Mehr Effizienz durch Informationstechnologie

Auf der Suche nach mehr Effizienz wollen viele mittelständische Unternehmen Technologie effektiver nutzen. So nennt ein Manager eines US-amerikanischen Betriebs aus der Reise- und Tourismusbranche „die Einführung neuer Technologien, um Wachstum und Effizienz zu erhöhen“ als Hauptziel für das nächste Jahr. Andere Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen und Regionen äußern sich ähnlich.

Auf der Seite 2: Konkurrenz aus Fernost

Die Notwendigkeit, sich angesichts des scharfen Wettbewerbs stärker voneinander abzuheben, beflügelt die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen. Claude Palard, Geschäftsführer des französischen Metallunternehmens CQFD, bestätigt dies. „Wenn ich meinen Kunden nicht jedes Jahr neue Produkte präsentiere, gehen sie zu Anbietern in China oder Malaysia. Das ist mittlerweile ganz anders als noch vor fünf oder sechs Jahren und bereitet mir manchmal schlaflose Nächte.“

Politik bremst Wachstum

Auch wenn sie in Bezug auf ihr Wachstum optimistisch in die Zukunft blicken, ist die Bürokratie für mittelständische Unternehmen nach wie vor ein großes Problem. Für 86% der befragten Manager sind Bürokratie und Regulierung Wachstumshemmnisse – mehr als jeder andere Faktor. Die Einhaltung von Vorschriften ist für 55 % der Umfrageteilnehmer aufwändiger als noch vor drei Jahren. Einen weiteren Stolperstein sehen 83 % der Befragten in der wachsenden Steuerlast.

Insgesamt sind die Unternehmen der Auffassung, dass eine stärkere staatliche Förderung das Wachstum ankurbeln kann. Dass dies sinnvoll wäre, bestätigen folgende Zahlen: Nach Angaben der Global Partnership for Financial Inclusion und der Weltbank deckt der Mittelstand in den Industrieländern 45 % der Arbeitsplätze ab und erwirtschaftet rund 50 % des Bruttoinlandsprodukts. Innerhalb der EU beschäftigt der Mittelstand zwei Drittel aller Erwerbstätigen und schafft 85 % aller neuen Stellen – so die Zahlen der Europäischen Kommission. Ein leichterer Zugang zu Fördermitteln und weniger Bürokratie könnte schnell Besserung bringen und die Chancen für alle vergrößern.

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