Angst vor der Steckdose

Feature | 21. Oktober 2010 von Frank Völkel 0

Fährt elektrisch, Strom von Photovoltaik: Schweizer Protoscar LAMPO2 (Foto: Frank Völkel)

Fährt elektrisch, Strom aus Photovoltaik: Schweizer Protoscar LAMPO2 (Foto: Frank Völkel)

Eine ganze Branche steht mittelfristig vor dem Umbruch. Denn wer das Autofahren neu definieren will, muss sämtliche Konventionen über den Haufen werfen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Elektrofahrzeuge sind viel weniger autonom als herkömmliche Autos mit klassischem Antrieb in Form eines Verbrennungsmotors. Auf der weltgrößten Messe für Elektroautos „eCarTec 2010“ sind Fahrzeuge mit durchschnittlichen Reichweiten von weniger als 200 Kilometer anzutreffen – siehe auch Artikel Zukunft Auto: Strom und Software.

Das bedeutet, dass sie häufiger Strom tanken oder die Akkus wechseln müssen. In diesem Zusammenhang sind neue Servicekonzepte und Abrechnungssysteme gefragt – siehe Artikel Stromzähler 2.0, die den problemlosen Übergang von einem Energieversorger zum nächsten ermöglichen. Sollen die Autos genau dann geladen werden, wenn nachts ein Überangebot von den Kraftwerken bereitsteht, dann müssen Auto und Energie-Infrastruktur intelligent vernetzt werden. Somit werden die Elektrofahrzeuge stärker als konventionelle Autos wie mobile Computer unterwegs sein.

Das bedeutet aber auch, dass die IT mit ihren Datennetzen und Zugangs- sowie Abrechnungssystemen eine entscheidende Rolle in naher Zukunft spielt. Denn momentan werden in konventionell angetriebenen Fahrzeugen mehr und mehr IT-Komponenten samt Vernetzung installiert, so dass deren Wertschöpfungsanteil stetig steigt. Hersteller und Gremien beschäftigen sich derzeit mit der Standardisierung auf internationaler Ebene. Dabei müssen die Anforderungen des Stromnetzes, der Energieversorger, des Auto-Fahrers und Fahrzeugs in Einklang gebracht werden – siehe Artikel Strom smart steuern und Strom on Demand: Marktplatz für Energie.

So ist eines deutlich auf der eCarTec 2010 zu hören: Es geht nicht darum, konventionelle Autos nachträglich zu elektrifizieren. Denn bis auf wenige Ausnahmen, wie beispielsweise dem Smart aus dem Daimler-Konzern, bedarf es vollkommener Neuentwicklungen. Der Bereich Elektroauto benötigt ganz neue Berufsbilder und Qualifikationen. Es geht um die Mischung aus moderner IT, Ingenieurskunst, Kreativität und einer Portion Querdenken.

Zukunft: Strom tanken mit Anbindung an IT-Infrastruktur (Foto: Frank Völkel)

Zukunft: Strom tanken mit Anbindung an IT-Infrastruktur (Foto: Frank Völkel)

Konzepte und Prototypen: BMW, E.ON und Mitsubishi

Infineon skizziert die intelligente Stromversorgung

Infineon skizziert die intelligente Stromversorgung von der Erzeugung zum Verbraucher

Viele Unternehmen haben erst in diesem Jahr erkannt, dass Elektroautos sowie deren Technikkomponenten und die dazugehörige IT-Infrastruktur ein riesiger Markt mit großem Umsatzpotenzial ist. Zur Premiere der eCarTec 2009 waren 195 Aussteller vertreten – diese Zahl konnte auf rund 400 Aussteller verdoppelt werden. Was in diesem Jahr auffällig ist: Mit BMW, Mitsubishi und Peugeot präsentieren sich in diesem Jahr große Fahrzeughersteller mit einem eigenen Auftritt und teilweise Serienmodellen.

Und das die elektrische Zukunft vor allem von IT-Zulieferern wie beispielsweise Siemens, Infineon und EBM-Papst abhängt, zeigen deren Konzepte und Prototypen. Mit von der Partie sind auch alle Energiekonzerne Deutschlands: E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW.

BMW Concept ActiveE

BMW Concept Active E, 160 km Reichweite, 125 kW (Foto: Frank Völkel)

Zusammen mit dem Dienstleister SIS erarbeitet SAP derzeit eine Machbarkeitsstudie für Elektroautos. Dabei geht es um die Abrechnung des Energieverbrauchs an Ladestationen, die Weiterleitung der ermittelten Daten und die entsprechende Bezahlung. Die Machbarkeitsstudie bezieht sich speziell auf Nordamerika. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen Anfang 2011 vorgestellt werden.

Nostalgie: Elektro-BMW 2002 von 1969 mit Bleiakkus

Nostalgie: Elektro-BMW 2002 von 1969 mit Bleiakkus und 32 kW

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