Dienstwagen unter Strom

Feature | 17. Januar 2011 von Sebastian Nikoloff 0

SAP ergänzt die Dienstwagenflotte um Elektroautos (Foto: Christoph Zeidler)

Elektroautos als Dienstwagen jetzt auch bei SAP (Foto: Christoph Zeidler)

Noch sind auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität viele Hürden zu nehmen: Große Distanzen lassen sich mit heutigen Batterien nicht bewältigen und Ladezeiten sind zu lang. Die wahren Herausforderungen lauern jedoch nicht im technischen Bereich, erklärt Hervé Couturier, Leiter von SAP Research: „Bei Elektromobilität geht es nicht darum, in Autos einen neuen Motor einzubauen. Es geht darum, bestehende Ressourcen besser zu nutzen – Autos, Energieträger, Straßen, Parkplätze.“

Hierzu muss man zunächst verstehen, was in den Autos und den Köpfen der Nutzer vor sich geht. Genau darum geht es bei der „Future Fleet“, der Elektrowagenflotte der SAP, die am vergangenen Freitag in Walldorf feierlich eingeweiht wurde. Die prominenten Gäste unterstrichen die Bedeutung dieses Projekts: Neben Henning Kagermann als Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität war durch die Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Katherina Reiche, auch die Bundesregierung vertreten.

Gemeinsam mit ihren Partnern, dem Mannheimer Energieversorger MVV Energie, dem Öko-Institut, dem ISOE (Institut für sozial-ökologische Forschung) und der Hochschule Mannheim und gefördert vom Bundesumweltministerium schickt die SAP 27 Elektroautos auf die Straßen rund um Walldorf. „Wir sind stolz, dass wir als eines der ersten deutschen Unternehmen Elektroautos einsetzen“, erklärt Jim Hagemann Snabe, SAP-Vorstandssprecher, bei der Einweihung der Future Fleet, und ist begeistert von dem hohen Engagement der Mitarbeiter: Mehr als 1.000 Mitarbeiter hatten sich beworben, am Projekt teilzunehmen. Letztlich wurden nach sozio-demografischen Faktoren 450 ausgewählt.

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Aüßerlich und innerlich unterscheidet sich das Auto kaum von einem Benzin-Fahrzeug. (Foto: Christoph Zeidler)

Äußerlich unterscheidet sich das Auto kaum von einem Benzin-Fahrzeug (Foto: Christoph Zeidler)

Ladekabel

Strom statt Benzin oder Diesel: Das Aufladen erfolgt an bestimmten Ladestationen (Foto: Christoph Zeidler)

SAP-Mitarbeiter im Feldversuch

Die 27 „Stromos“ sind Teil der SAP-Dienstwagenflotte. Die Leitfrage des Projekts ist: Welchen Beitrag kann der Einsatz von Elektroautos in Dienstwagenflotten leisten? Im täglichen Einsatz auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit helfen die SAP-Mitarbeiter bei der Suche nach Antworten. Im Feldversuch erproben sie in den kommenden sechs Monaten die kleinen Öko-Flitzer in zwei Szenarien – bei Dienstfahrten und in der wochenweisen Nutzung. Die MVV Energie befüllt an insgesamt 34 Ladestationen in Walldorf, St.Leon-Rot, Bensheim und Karlsruhe die „Tanks“ mit Strom – natürlich aus erneuerbaren Energiequellen. Das Öko-Institut, das ISOE und die Hochschule Mannheim untersuchen derweil die Ökobilanz der Elektrofahrzeuge, deren Akzeptanz und das Nutzerverhalten.

Die SAP trägt mit einem Software-Prototypen zum Projekt bei, welcher die Auslastung und Beladung der Autos steuert. Über ihn können die Fahrer „ihren“ Stromos buchen, beispielsweise um einen Termin an einem anderen SAP-Standort wahrzunehmen. Die Software achtet darauf, dass die Autos immer genügend Energie haben, um das vorgesehene Ziel zu erreichen, und dass dort eine Ladestation bereitsteht. Die Ladestationen geben den Strom nur an authentifizierte Nutzer ab. Zudem können die Autos auch an der heimischen Steckdose geladen werden.

„Das Projekt zeigt, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) einen entscheidenden Beitrag zur grünen Mobilität leisten muss“, so SAP-Forschungschef Couturier bei der Eröffnung der Future Fleet. IKT verbindet die Komponenten eines Autos schon heute – künftig soll das Auto alle Informationen weitergeben, damit Abläufe optimiert und Ressourcen – vor allem Zeit und Energie – besser genutzt werden können.

Schon heute ist die IKT für alle Bereiche wichtig – ob für’s Tanken oder den Wohlfühl-Faktor im Auto: die richtige Sitzposition, die bevorzugten Sicherheitseinstellungen, die favorisierten Ziele im Navi oder die Musikbibliothek im Autoradio. Denn nur wenn E-Autos nutzerfreundlich sind, ist sich Couturier sicher, werden sie sich auch durchsetzen können: „Hierin liegt unsere Schlüsselaufgabe als Softwareunternehmen.“ Denn es geht nicht nur um einen Markt, sondern auch um einen nachhaltigeren Planeten.

Die Bundesregierung lobt das Projekt: „Die SAP ist das erste Unternehmen in Deutschland, das einen Teil seiner Firmenflotte auf Elektrofahrzeuge umstellt und damit die Weichen für die Zukunft stellt“, so Staatssekretärin Katherina Reiche. „Dies ist ein wichtiger Schritt. Ich hoffe, dass er bald viele Nachahmer findet.“

Ladestation

34 Ladestationen stehen rund um Walldorf zur Verfügung. (Foto: Christoph Zeidler)

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