Lieferketten und Salatköpfe

Feature | 10. Mai 2010 von Sophie Kirsten 0

Itellium Geschäftsführer Holz über Lieferketten und alte Salatköpfe

Itellium Geschäftsführer Holz über die Logistik-Herausforderungen der Zukunft. (Foto: Itellium)

Herr Holz, wie haben Sie und Ihre Kunden das europäische Flugchaos aufgrund des Vulkanausbruchs auf Island erlebt?

Holz: Mich persönlich ereilte dasselbe Schicksal wie viele andere Reisende. Für den Tag nach dem Vulkanausbruch hatte ich eigentlich einen Flug nach England gebucht, der dann abgesagt wurde. Zum Glück erwischte ich zwei Tage später noch einen Platz im Eurostar und kam daher recht glimpflich davon.

Auf der anderen Seite betraf das Flugverbot natürlich nicht nur Reisende, sondern es hat auch einige Lieferketten überall auf der Welt unterbrochen. Da viele Fertigungsunternehmen „just-in-time“ arbeiten, stand mancherorts die Produktion still.

Können Unternehmen solchen Naturkatastrophen vorbeugen und die Geschäftsprozesse so gut wie möglich aufrechterhalten?

Holz: Es gibt natürlich immer alternative Lieferwege. Und es können ja nicht nur Naturkatastrophen zu solchen Ausfällen führen, sondern auch technische Probleme: Auch ein Schiff oder ein LKW kann auf der Reise irgendwo stecken bleiben. Daher ist es prinzipiell sinnvoll, immer genug Bestand in der Lieferkette zu haben, sozusagen als Puffer für eventuelle Verzögerungen.

Also müssen die Lager immer voll sein?

Holz: Das mag auf den ersten Blick vielleicht logisch klingen. Doch eine solche Strategie wäre weder finanziell tragbar noch technisch sinnvoll, da die gelagerten Komponenten ja zeitnah benutzt werden müssen – sonst sind sie morgen schon nicht mehr auf dem neuesten Stand. Einen sechs Monate alten Salatkopf können Sie ja auch nicht mehr verkaufen.

Abgesehen von Naturkatastrophen: Welchen Herausforderungen muss sich der Handel stellen?

Holz: Wie gesagt, gerade bei den Lieferketten gibt es viele kritische Faktoren. Die Lagerhaltung wird aus Kostengründen und auch wegen der Art der Waren minimiert – deshalb muss Nachschub lückenlos gewährleistet sein.
Eine weitere Herausforderung ist der wachsende Wettbewerb. Speziell im Handel gilt das für Internet-Shops und Online-Angebote. Die Menschen, also die Verbraucher, werden immer online-affiner. Filialen und Online-Shops müssen deshalb stärker zusammenwachsen und ihren Service ausbauen. Der Kunde muss die Wahl haben: Waren online aussuchen, bezahlen und sie anschließend in der Filiale abholen – oder umgekehrt.

Wie hilft Itellium ihren Kunden, diese Herausforderungen zu bewältigen?

Holz: Die gerade erläuterten Punkte erfordern eine außergewöhnlich hoch skalierbare und leistungsfähige IT. Wir identifizieren bei unseren Kunden Optimierungspotenziale und bringen Prozessinnovationen ein. Dazu bauen wir als inhabergeführter IT-Dienstleister natürlich vor allem auf das Wissen und die Erfahrung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir achten darauf, immer die Kundenbrille aufzuhaben und Technologien so einzusetzen, dass sie ihren Zweck optimal erfüllen.

Und welche Rolle spielt dabei SAP?

Holz: Die SAP-Produkte spielen eine zentrale und wichtige Rolle in unserem Lösungsportfolio. Wir sind von SAP-Lösungen überzeugt und setzen auch in Zukunft darauf. Durch einen aktiven Austausch zwischen Itellium und SAP werden die Produkte und neue Technologien ständig weiterentwickelt und optimiert. Die Partnerschaft ist quasi eine lebendige Symbiose – beide Seiten profitieren davon.

Wie werden sich Geschäftsprozesse aufgrund neuer Technologien in Zukunft verändern?

Holz: Ich denke da vor allem an Cloud-Computing und die immer größere Verbreitung von leistungsfähigen mobilen Endgeräten. Diese beiden Trends werden zusammen einen Wandel bewirken. Über die Cloud kann ich Daten und Software überall verfügbar machen, über die Endgeräte kann ich die Daten abrufen und Prozesse steuern – unabhängig von Zeit und Ort. Das bedeutet, dass Geschäftsprozesse an verschiedenen Orten zeitbeliebig miteinander vernetzt und gesteuert werden können. Aus dem Office wurde vor einigen Jahren das Home-Office – als nächstes kommt das „Anywhere-Office“.

Der Begriff „End-to-End“ taucht heutzutage immer häufiger auf, speziell in IT-Marketingtexten. Was genau verstehen Sie darunter?

Holz: „End-to-End“ muss man immer aus dem Blickwinkel seiner Kunden definieren. Für uns bedeutet es, dass wir mit Hilfe der IT eine Informationsdurchgängigkeit zwischen den verschiedenen Geschäftsprozessen unserer Klienten schaffen: Von der Bedarfsermittlung über die Einkaufsorganisation bis hin zu den Lieferanten und den Filialen.

Eines Ihrer Ziele als Geschäftsführer von Itellium ist, das Auftragsvolumen in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Das klingt sehr ehrgeizig.

Holz: Ein großes Ziel ist nicht zwangsläufig schwieriger zu erreichen als viele kleine Ziele. Wichtig ist die richtige Strategie. Wir setzen auf Kompetenz und Qualität bei unseren Dienstleistungen. Daraus ergeben sich langfristige Kundenbeziehungen. Wir haben bereits in den letzten Monaten neue Projekte und Interessenten dazugewonnen. Um diese Arbeit zu bewältigen, setzen wir auch auf Wachstum. Wir holen IT-Profis an Bord und bilden IT-Nachwuchs aus, was mir persönlich übrigens sehr am Herzen liegt. Ich denke die betriebliche Ausbildung ist eine zentrale Aufgabe aller Unternehmen in Deutschland.

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die weitere Zusammenarbeit mit SAP?

Holz: Wenn man über den Tellerrand des täglichen Geschehens schaut, müssen wir vor allem am bereits erwähnten Trend des zeit- und ortsunabhängigen Zugriffs auf Daten und Informationen arbeiten – und zwar zusammen. Das erfordert bestimmte Regeln, damit wir die Möglichkeit haben, unseren Kunden die neuen Technologien so zeitnah wie möglich zur Verfügung zu stellen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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