Zu Besuch bei Ansmann

Feature | 14. September 2009 von Frank Völkel 0

Ansmann in Assamstadt: Franken auf dem Weltmarkt (Foto: Frank Völkel)

Ansmann in Assamstadt: Lagerhaltung mit ERP (Foto: Frank Völkel)

Assamstadt im nördlichsten Baden-Würtemberg. Alles ist ländlich. Ortstermin im neu errichteten Gebäude des Akku- und Ladegeräteherstellers Ansmann. Sämtliche Produkte sind im Foyer aufgereiht – in Vitrinen und auch an der Wand. Der pragmatische Jörg Mauz leitet die IT der Firmengruppe. Es geht um das größte und aufwendigste Projekt in der Firmengeschichte.

Mauz spricht im Prinzip von Technik, freut sich aber, auf betriebswirtschaftliche Details einzugehen. Er spricht so wie er auch handelt: Ohne jede Effekthascherei und nah an der Basis. Bei dem Besuch lernen wir die gesamte Firma kennen, auch Details, wie beispielsweise das Mittagessen organisiert ist und das derzeit eine Reihe von Mitarbeitern Kurzarbeit macht. Zur Familientradition von Ansmann gehören die enge Beziehung zu den Mitarbeitern und die Tatsache, dass man sich  seit Bestehen der Firma nur von sehr wenigen Mitarbeitern trennen musste.

Ansmann hat sich von einem kleinen Garagenbetrieb mitten in der fränkischen Provinz zu einem international agierenden Unternehmen hochgearbeitet. Somit wurde über die Jahre hinweg verschiedenste Hard- und Software angeschafft, ohne dass es eine einheitliche Vernetzung auf Systemebene gab. Mit dem Ausbau des internationalen Geschäfts lagen die Datenbanken des ERP-Systems dezentral verstreut und mussten quasi händisch abgeglichen werden.

Im Jahre 2007 war dieser Zustand für die Systemnutzer, IT-Abteilung und Geschäftsleitung nicht mehr länger tragbar und eine Evaluierung unterschiedlichster ERP Lösungen erfolgte.

Dazu gab es Gespräche mit Oracle, Infor und SAP. Für SAP sprachen neben der weltweiten Ausrichtung vor allem die Marktdurchdringung der Software. Somit fiel letzten Endes die Entscheidung zugunsten von SAP.

Trotz der überschaubaren Größe des Unternehmens gibt es eine komplexe Logistik: Die Bestellung der Waren erfolgt von Deutschland aus, während die Fertigung der Produkte in China und der Einkauf in Hongkong sowie Macau erfolgen.

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Produktionsstraße bei Ansmann (Foto: Frank Völkel)

Videokonferenz-System zur Kommunikation mit China

Videokonferenz-System zur Kommunikation mit China (Foto: Frank Völkel)

Konzernbilanz auf Knopfdruck

Recht ungewöhnlich ist die Tatsache, dass es im Vorfeld keine Wirtschaftlichkeitsrechnung zur Einführung des neuen IT-Systems gab. Hier überzeugte Mauz den Firmengründer Edgar Ansmann mit Argumenten: Eine Konzernbilanz oder die Durchschnittspreise von Produkten liefert das System heute auf Knopfdruck. Ebenso gibt es Bestandsübersichten aller Niederlassungen und Tochterfirmen. Auch können nun endlich längst überfällige und geforderte Funktionalitäten abgebildet werden. Die rund 200 Mitarbeiter am Stammsitz in Deutschland erwirtschafteten 2008 einen Umsatz von knapp 45 Mio. Euro.

Akkus, Batterien und Ladegeräte

Die Produkte von Ansmann sind der größtenteils männlichen Klientel durch Elektronikversender und Discounter gut bekannt: Angefangen von Akkus in verschiedenen Formaten, über Knopfzellen, Ersatzakkus für Digitalkameras bietet der fränkische Hersteller leistungsfähige Ladegeräte mit komplexer Ladeelektronik an. So gibt es beispielsweise seit kurzem das Powerline 4 Zerowatt, welches nach Beendigung des Ladevorgangs keinen Strom mehr verbraucht. Ebenso existiert mit Ansmann Racing ein Geschäftsbereich mit Sitz in Nürnberg, welcher sich in den vergangenen 4 Jahren erfolgreich im Bereich RC-Modelle und Zubehör einen Namen erarbeitet hat.

Ein Paket auf dem Weg zum Versand

Ein Paket auf dem Weg zum Versand (Foto: Frank Völkel)

SAP ERP 6.0: Stammdaten mit 10.000 Artikeln

Die Einführung der SAP-Software erfolgte in mehreren Stufen. Geplant war von Anfang an ein Standard-ERP ohne Modifikationen. Zur Migration von Auftrags-, Bestell- und Lagerbestandsdaten nutzte das Team um Mauz die Jahreswende. So wurden in acht Arbeitstagen sämtliche Daten migriert und verifiziert, so dass bereits am 3. Januar 2009 ein erster Wareneingang gebucht und am 7. Januar 2009 der Paketdienst bestellt werden konnte. Lediglich die Datenübernahme der Bestände in Asien dauerte etwas länger als ursprünglich geplant.

Vor der SAP-Einführung gab es weltweit sechs verschiedene ERP-Instanzen, die zu Integrationsproblemen führten, da die Software nicht mehr die nötige Bandbreite liefern konnte, betont Mauz. So waren bis zum Produktivstart sämtliche Stammdaten mehrfach in unterschiedlichen ERP-Instanzen vorhanden.

Bei der Einführung waren über den gesamten Projektverlauf insgesamt 10 Steeb-Berater und 15 interne Mitarbeiter involviert – ein Pflichtenheft legte die wichtigsten  Funktionalitäten fest. Neben den Schulungen vor Ort gab es vier so genannte Integrationstests, mittels derer die korrekte Funktionsweise des SAP Systems sowie die Integrität der Datenmigrationen überprüft wurde. Jeder einzelne Integrationstest erstreckte sich jeweils über 4-5 Arbeitstage unter der Beteiligung aller 15 KeyUser. Diese massiven Tests erwiesen sich als die Grundlage des gelungenen Starts.  . Ein abschließender Integrationstest fand ohne die Beteiligung der  KeyUser statt und erfolgte ausschließlich durch die Endanwender. Mit diesem Test wurde zugleich sichergestellt dass alle Mitarbeiter ohne größere Probleme mit dem SAP System arbeiten können.Fernab vom Standort Assamstadt wurden die Mitarbeiter per Videokonferenz-System unterstützt.

Der Standort Großbritannien steht noch aus und ist für den 1. Januar 2010 geplant. Voller Stolz weist Mauz darauf hin, dass für die Software-Einführung in England kaum externe Hilfe mehr notwendig ist.

Zentral: Sämtliche Server stehen in Assamstadt

Zentral: Sämtliche Server stehen in Assamstadt (Foto: Frank Völkel)

Server in Assamstadt – Thin Clients weltweit

Im Serverraum des neuen Firmengebäudes befinden sich zwei Sun SPARC Enterprise M4000 Server. Ausgestattet mit jeweils 4 Prozessoren (Quad-Core) und dem Betriebssystem Sun Solaris 10 bilden diese beiden Systeme die Grundlage der gesamten SAP Systemlandschaft. Die produktive SAP Umgebung ist komplett redundant und hochverfügbar implementiert. So ergibt sich für das produktive SAP System eine Hochverfügbarkeit der Klasse 5 was einer Verfügbarkeit von 99,999% entspricht oder nur ca. 5 Minuten ungeplanter Downtime pro Jahr.

File-Server mit Hot-Swap-Festplatten

File-Server mit Hot-Swap-Festplatten (Foto: Frank Völkel)

Insgesamt greifen weltweit 190 Mitarbeiter auf das zentrale SAP zu. Der Großteil der Benutzer verwendet hierzu die bereits vorhandene Sun Ray Thin Client Infrastruktur. – Hierbei handelt es sich um spezielle Ultra Thin Clients mit Hotdesking-Funktionalität mittels Smartcard, welche speziell das Arbeiten in den Bereichen (z.B. Lager, Versand, u.a.) vereinfacht, wo sich mehrere Mitarbeiter einen ThinClient teilen Sämtliche Anwendungen laufen dabei auf den zentralen Servern im Rechenzentrum in Assamstadt, so dass die Thin Clients lediglich als Ein- und Ausgabemedium fungieren. Die globale Administration erfolgt somit von der Zentrale in Assamstadt aus und Mauz sieht sich keinerlei Sicherheitsrisiken ausgesetzt.

Ansmann setzt auf Server von Sun mit Solaris 10

SPARC Enterprise M4000 Server von Sun mit Solaris 10 als Betriebssystem (Foto: Frank Völkel)

Unzulänglichkeiten?

Bleibt am Ende des Besuchs noch die Frage nach den Unzulänglichkeiten. Gibt es auch kritische Aspekte der SAP ERP-Einführung in Assamstadt zu hören? Jörg Mauz meint dazu, dass eine „pragmatischere Bürokratie“, speziell im Mittelstand, manch ein Projekt verschlanken könnte.  Im Fall von Steeb als Implementierungspartner wurde dieser Pragmatismus aber durch die Berater gelebt und weiter transportiert. Hier sprachen also zwei Mittelständler die gleiche Sprache.

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