Engpassberuf Informatiker

Feature | 18. Juni 2013 von Nicolas A. Zeitler 0

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Informatiker gehören zu den gefragtesten Fachleuten. Foto: lassedesignen – Fotolia.com

Jedes dritte Unternehmen hat wegen eines Mangels an Fachkräften Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Das zeigt eine weltweite Auswertung des Arbeitsvermittlers ManpowerGroup, in die Angaben von 38.000 Arbeitgebern in 42 Ländern eingeflossen sind. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert um einen Prozentpunkt auf 35 Prozent gestiegen.

Häufigste Folge der Knappheit an Fachkräften ist laut der Umfrage niedrigere Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität. Und fast jedes fünfte Unternehmen gab zu Protokoll, dass der Mangel es stark darin beeinträchtige, Anforderungen von Kunden zu erfüllen. Die größten Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen, haben im weltweiten Vergleich Unternehmen in Japan, Brasilien und Indien. In Japan berichten 85 Prozent der befragten Firmen von Problemen bei der Suche nach Fachkräften.

Deutschland im weltweiten Durchschnitt

Dem gegenüber sieht der Mangel in Deutschland und den USA nicht ganz so dramatisch aus. Deutschland liegt mit 35 Prozent genau im weltweiten Durchschnitt, die USA mit 39 Prozent etwas darüber. Froh stimmen dürfte Unternehmen in beiden Ländern, dass die Werte gegenüber der Vorjahresumfrage gesunken sind: In Deutschland melden sieben Prozentpunkte weniger Unternehmen einen Mangel, in den USA sogar zehn Prozent.

Wie groß der Mangel an Informatikern ist

Die Lage in Deutschland

Wie Unternehmen gegen den Mangel kämpfen

 

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IT-Experten gehören mit Platz 7 auf der weltweiten Mangelrangliste zu den Fachkräften, bei deren Suche Unternehmen die größten Schwierigkeiten haben. Allerdings ist die Not in anderen Bereichen noch weitaus größer: Qualifizierte Handwerksberufe führen die Liste an, auf dem zweiten Platz liegen Ingenieure.

Je nach Region ist die Lage unterschiedlich: In den USA liegen IT-Experten in der Rangliste der am dringendsten gesuchten Fachkräfte auf dem vierten Platz. Den gesamten amerikanischen Kontinent betrachtet, fehlen am meisten Techniker, im asiatisch-pazifischen Raum tun sich Unternehmen am schwersten bei der Suche nach Mitarbeitern im Verkauf, in der EMEA-Region mangelt es vor allem an Handwerkern.

IT-Experten unter den zehn meistgesuchten Fachkräften

In Deutschland liegen IT-Experten laut ManpowerGroup auf Platz 9 der meistgesuchten Berufsgruppen. Das ist nur ein kleiner Unterschied zur „Engpass-Analyse“, die das Institut der Deutschen Wirtschaft erstellt hat. Informatik-Berufe liegen hier in der Auflistung der Berufe mit den größten Fachkräfte-Engpässen auf dem elften Platz.

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Von einem Engpass ist in dieser Erhebung überall die Rede, wo die Zahl der Arbeitslosen niedriger ist als die Zahl der von Unternehmen gemeldeten offenen Stellen. Gleichzeitig geht das Institut auf Grundlage von Umfragen davon aus, dass Unternehmen weniger als die Hälfte ihrer freien Stellen an die Agentur für Arbeit melden.

Betrachtet man nur die akademischen Berufe, ist der Informatikermangel laut „Engpass-Analyse“ weitaus gravierender: Hier liegen IT-Experten auf dem zweiten Platz hinter Luft- und Raumfahrttechnikern. Auf 100 offene Stellen für Informatiker kommen demnach nur 56 Bewerber – die möglicherweise nicht gemeldeten offenen Stellen noch gar nicht eingerechnet.

Mangelnde technische Kompetenzen

Die Schwierigkeit, geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren, hat aus Sicht der befragten Unternehmen zwei Hauptgründe: Zum einen mangele es Bewerbern schlicht an fachlichem Können, gaben 34 Prozent an. Fast ebenso viele sagen, die absolute Zahl der verfügbaren Fachkräfte sei zu gering.

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Um gegenzusteuern, setzen die meisten Unternehmen darauf, sich um die bestehende Belegschaft zu kümmern. Sie bieten ihren Mitarbeitern zum Beispiel neue Entwicklungsmöglichkeiten. Von jedem vierten befragten Unternehmen erfuhren die Studienautoren, dass es Arbeit anders organisiere, um zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle anbieten zu können.

Firmen buhlen um die zweite Garde

Auch bei der Suche nach Mitarbeitern gehen Firmen neue Wege: Sie sprechen zum Beispiel Kandidaten an, die gar nicht aktiv auf Stellensuche sind. Einige senken offenbar auch ihre Ansprüche. So gehen laut der Umfrage der ManpowerGroup einige nochmals auf Bewerber zu, die sie anfangs abgelehnt hatten.

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