Erfahrungen aus der Zulieferer-Praxis

Feature | 7. Januar 2003 von admin 0

Firmenportrait ORBIS

Firmenportrait ORBIS

mySAP Automotive umfasst eine Vielzahl von Lösungen, die auf die individuellen Anforderungen der Automobilindustrie zugeschnitten sind. Die Software bietet eine internetfähige Plattform für Konstruktion, Planung, Supply Chain Management (SCM), Beschaffung und Customer Relationship Management (CRM). Ziel ist es, Lieferanten ständig über den Bedarf der Hersteller und Händler zu informieren und diesen umgekehrt Einblick in die Kapazitäten ihrer Lieferanten zu gewähren. Dies schafft Transparenz für eine abgestimmte Planung der Logistik.
Sowohl für Automobilhersteller und Automobilzulieferer als auch für Vertrieb- und Service-Unternehmen stellt die Branchenlösung individuelle Prozesse und Funktionen bereit. mySAP Automotive für die Zulieferindustrie bietet eine Reihe von Komponenten, um die Kommunikation zwischen Zulieferern und Herstellern in den drei klassischen Logistik-Prozessen ERP (Enterprise Resource Planning), SCM (Supply Chain Managment) und JIT (Just in Time) zu unterstützen.
Der ERP-Prozess betrachtet die klassischen Unternehmensprozesse wie Einkauf, Verkauf, Produktion, Beschaffung oder Disposition. Auf dieser Grundlage werden später die branchenspezifischen Automotive-Funktionen entwickelt. Der SCM-Prozess wiederum optimiert die Logistik zwischen den Partnern: Mit Hilfe von SAP Advanced Planner and Optimizer (SAP APO), SAP Customer Relationship Management (SAP CRM) und SAP Supplier Relationship Management (SAP SRM) integrieren Erstausrüster ihre Zulieferer transparent in die Lieferkette. Droht ein Lieferausfall, wird der Erstausrüster frühzeitig informiert und kann entsprechend reagieren. Der JIT-Prozess wiederum verzahnt den Materialfluss durch entsprechende Montagesteuerungssysteme. Der Erstausrüster sendet dabei Informationsimpulse an seinen Zulieferer und veranlasst, dass das Material genau dann einbaufertig und sequenzgenau an seinem Bestimmungsort ankommt, wenn es gebraucht wird. Notsysteme sorgen dafür, dass Informationen auch bei einem Systemausfall nicht verloren gehen.

Workshops für die individuelle Gestaltung

mySAP Automotive ist ein Standardprodukt. Beratungsunternehmen wie der Saarbrücker SAP-Partner ORBIS GmbH sorgen dafür, dass auch die individuellen Anforderungen eines Unternehmens berücksichtigt werden. Durch die Anpassung der einzelnen Module und spezielle Zusatzlösungen (Add-ons), entstehen maßgeschneiderte Lösungen. Diese individuelle Gestaltung entsteht beim so genannten Sizing. In Workshops erarbeiten die Berater zusammen mit den Kunden die Logistik- und Montage-Prozesse des Unternehmens auf operativer, taktischer und strategischer Ebene. Sie legen gemeinsam fest, welche Module zum Einsatz kommen. Deckt der Standard die firmenspezifischen Prozesse nicht ab, nimmt das Projektteam individuelle Anpassungen vor. In der genauen Analyse liegt der Schlüssel zum Erfolg. Hier gilt es, gewachsene Strukturen kritisch zu hinterfragen und zu realisieren, was der Kunde tatsächlich braucht.

Typische Prozesse der Zulieferindustrie sind EDL-Abwicklung (Einbindung externer und Logistik-Dienstleister), Streckengeschäfte oder Konsignationsabwicklung. Diese Prozesse müssen – je nach Abstimmung im Projekt – während der Implementierung eingerichtet werden. Sowohl die Rolle des Zulieferers als auch die überregionale Zusammenarbeit von Produktion und Montage lassen sich mit mySAP Automotive einfach abbilden. Darüber hinaus bietet der SCM Manager der Lösung ein Monitoring-Instrument, mit dem sich die Bestände in Lager, Wareneingang und Versand zentral überwachen lassen.
Viele Unternehmen setzen bisher hauptsächlich Insellösungen ein, die entweder für Versand oder Lager optimiert sind. Den Gesamtprozess jedoch bilden sie nicht transparent ab. Ein Beispiel dafür sind die ZF Getriebewerke Brandenburg, die über individuelle Systeme ohne gemeinsames Ziel klagten. Dies änderte sich durch die SAP-Branchenlösung, die in mehreren kleinen Schritten eingeführt wurde. Nach drei Jahren haben die ZF Getriebewerke Brandenburg Transparenz in der Disposition und bei überregionalen Beständen erreicht. Situationen, in denen Teile wegen falscher Disposition nicht zur Verfügung standen, sind um 90 Prozent zurückgegangen. Durch die Umstellung auf mySAP Automotive arbeitet das Unternehmen schneller und fehlerfreier und ist in der Lage, die Bestände zu senken und damit Lagerhaltungskosten zu sparen. Das Brandenburger Projekt verlief so erfolgreich, dass die Geschäftsleitung das Ergebnis zum Anlass nahm, die Lösung nun auch in anderen ZF-Werken einzuführen.

Über den Standard hinaus

Manchen Unternehmen jedoch genügen die Standardmasken für Planung und Steuerung nicht. Nur mit den Standardfunktionen sind Unternehmen mit Serienfertigung beispielsweise nicht in der Lage, Fortschrittszahlen in der Produktion abzubilden oder das Überrollen von Serien zu verhindern. Darüber hinaus erlauben es einige Standards nicht, einen Versand zu planen, wenn noch keine Lieferung erzeugt ist. Hier greifen Add-ons, die die Leistungsfähigkeit der Software erweitern. Experten warnen allerdings vor Ready-to-run-Lösungen mit komplett voreingestellten Prozessabläufen. “Erfahrungsgemäß funktionieren solche Lösungen in der Praxis nicht”, erklärt Peter Lauer, Beratungsleiter Business Unit Automotive der ORBIS GmbH. “Die Prozesse und deren Abbildung müssen durch das enge Zusammenspiel der Berater, der Fachbereiche und der internen IT konzipiert und implementiert werden. Eine Ready-to-Run-Lösung kann dabei höchstens als Katalysator dienen”, so Lauer weiter. ORBIS arbeitet auf dem Gebiet der Add-ons eng mit SAP zusammen, so dass die Lösungen in manchen Fällen in den SAP-Standard hineinwachsen und in zukünftige Versionen der Software übernommen werden. Damit erhält der Kunde zusätzliche Investitionssicherheit.
Bei einer Einführung des SAP-Core – ohne mySAP Automotive – funktionieren etwa 50 Prozent der Zuliefererprozesse auch ohne individuelle Anpassungen. Früher wurden die restlichen 50 Prozent im Laufe des Projekts an die Anforderungen der Kunden angeglichen. Heute helfen voreingestellte exemplarische Geschäftsprozesse, die SAP Best Practices, bei diesem Prozess. Die Anpassungen, die Projektteams an den Standardfunktionen und Add-ons im Projektverlauf vornehmen, sind dadurch auf 20 Prozent gesunken. Die Geschäftsprozesse der Best Practices sind aus der Praxis gewachsen und vereinfachen aufwändige Abstimmungsprozesse. Der Einsatz der Software lässt sich damit schneller und sicherer abwickeln, der ROI steigt.

Nahtlose Integration

Ist eine unternehmensspezifische Lösung erarbeitet, übernimmt das Consulting-Unternehmen die technische und organisatorische Integration der Software. Dabei gilt es, eine einheitliche Technikplattform für die EAI-Architektur (EAI: Enterprise Application Integration) zu erarbeiten. Sie dient dazu, die verschiedenen technischen und logischen Infrastrukturen so zu kombinieren, dass Daten von Geschäftsprozessen jederzeit ausgetauscht werden können. Der Vorteil der SAP-Lösung ist hier, dass die Software interne Schnittstellen, aber keine technischen Restriktionen hat. Setzen beispielsweise Zulieferer und Hersteller intern verschiedene ERP-Systeme und unterschiedliche Materialnummern ein, können diese Systeme normalerweise nicht miteinander kommunizieren. Mit SAP haben die Unternehmen die Möglichkeit, diese Blockaden aufzulösen.

Chancen und Grenzen

Ein Vorteil von mySAP Automotive ist die Flexibilität. Die Software ist ohne großen Programmier- oder Investitionsaufwand in der Lage, die drei Kernprozesse ERP, SCM und JIT abzubilden. mySAP Automotive bewältigt beispielsweise den Wechsel von wochengenauer Abwicklung zu JIT-Lieferung, ohne dass das Unternehmen zusätzlich in die IT-Infrastruktur investieren muss. Flexibilität bedeutet außerdem, dass Automobilzulieferer ihren Kunden in neue und entferntere Märkte folgen können. Damit verbundene Anforderungen wie Mehrsprachigkeit deckt mySAP Automotive ab. Darüber hinaus hat die Lösung Bestandswert in der Praxis. Expandiert der Zulieferer, wächst die Applikation einfach mit. Durch spezifische Add-ons erhalten gerade mittelständische Unternehmen eine flexible Anwendung, die ihre Logistik optimiert und den unternehmensspezifischen Anforderungen gerecht wird. Da die Lösung mySAP Automotive vollständig in die Standard-Version von mySAP.com integriert ist, beinhaltet sie auch alle betriebswirtschaftlichen Modelle, beispielsweise Konzernkonsolidierung, Plankostenrechnung, Methoden zur Kostenträgerrechnung und Profitcenter-übergreifende Kostenrechnung.

Udo Bungert

Udo Bungert

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